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Unsere woche
Pannen im Rathaus

Duisburg. Ein privater Fernsehsender bediente mal wieder alle Vorurteile, die in Bezug auf Duisburg durch die Republik geistern. Und die Bewohner der "besprochenen" Siedlung wundern sich auch noch darüber. Das verwundert.

Denn wer freiwillig bei einer Serie mitmacht, bei der der Begriff "Hartz" schon im Titel steht, sollte eigentlich wissen, worauf er sich einlässt. Solche und ähnliche Beiträge tragen mehr zum schlechten Image Duisburgs bei als zum Beispiel die nüchterne Nachricht, dass in unserer Stadt besonders viele Kinder an der Armutsgrenze leben, weil sie in Familien groß werden, die oft seit Generationen vom Arbeitslosengeld leben. Sichtbar wird diese Armut längst nicht in allen Stadtteilen. Aber wer beispielsweise durch die Innenstadt läuft, kann sie erkennen: an der leider wieder steigenden Zahl der Billigläden zum Beispiel oder auch an den vielen leerstehenden Geschäftslokalen. Das sind nur Äußerlichkeiten, die aber offenbaren, wie wichtig es ist, gegen die Armut in der Stadt anzuarbeiten. Wer nicht teilhaben kann am gesellschaftlichen Leben, fühlt sich ausgegrenzt und ist leichte Beute für die rechten Stimmenfänger.

Allein aus eigenen persönlichen gründen wird Oberbürgermeister Link bestrebt sein, die Bürger seiner Stadt mit seiner Arbeit zufrieden zu machen. Das gelingt ihm allerdings nur begrenzt. Pannen, die er zwar nicht persönlich, wohl aber als Chef seiner Beigeordnetenkollegen zu verantworten hat, lassen immer wieder bei den Bürgern die Frage aufkommen, was die da oben im Rathaus denn eigentlich treiben. Jüngstes Beispiel: der Deichbau im Duisburger Süden, wo im Vorfeld vergessen wurde, den Kampfmittelräumdienst über das Gelände schauen zu lassen. Eine Million Euro kostet diese Nachlässigkeit - den Steuerzahler. Keine Freunde wird er sich mit Überlegungen machen, der Mercatorhalle einen neuen Namen zu geben. Wissen er und seine Kollegen denn nicht, mit welcher Vehemenz die Duisburger nach dem Abriss der alten Halle für die Beibehaltung dieses Namen gekämpft haben? Und mal ganz ehrlich: "Philharmonie" passt doch gar nicht. Nur weil die Philharmoniker dort ihre Konzerte geben, bleibt doch die Mercatorhalle unsere "gute Stube", in der auch Karnevalisten ihre Partys veranstalten, Popkünstler auftreten oder Kabarettisten ihre Witze machen können. Also bitte: überlegt euch, ob ihr die Namensänderung wirklich wollt. Und wenn ihr dabei bleibt, dann wundert euch nicht, wenn die Bürger stinksauer darauf reagieren.

hildegard.chudobba@rheinische-post.de

Quelle: RP
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