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Duisburg
Philharmonische "Schöpfung"

Duisburg. Der Christ Church Cathedral Choir Oxford war Dreh- und Angelpunkt des Philharmonischen Konzerts mit Joseph Haydns Oratorium "Die Schöpfung". Erstmals arbeiteten die Dirigenten-Brüder Darlington zusammen. Von Ingo Hoddick

Das Gedenkjahr 2009 zum 200. Todestag von Joseph Haydn ist zwar schon vorbei, aber sein größtes und ambitioniertestes Werk, das Oratorium "Die Schöpfung", ist ja immer willkommen, mit seiner unerreichten Mischung aus eingängigen und kunstvollen Elementen. Im jüngsten Philharmonischen Konzert war dazu der weltbekannte Christ Church Cathedral Choir Oxford angereist - schließlich hatte sich Haydn ja besonders von der englischen Chor-Tradition anregen lassen, konkret von Georg Friedrich Händels Oratorium "Israel in Egypt".

Dass der nur mit 16 Chorknaben und 12 Männern besetzte Chor vor dem nur 30-köpfigen Orchester postiert war, hatte zunächst pragmatische Gründe: die wenig durchschlagskräftigen Knabenstimmen hätte man sonst garnicht mehr gehört. Aber wie Generalmusikdirektor Jonathan Darlington im Programmheft erklärte, wollte er damit "die Atmosphäre, in der Haydn selbst das Werk zum letzten Mal gehört hat, wieder entstehen (...) lassen." Zwar zitiert das Programmheft auch Haydns Ausspruch: "Meine Composition ist gros geschrieben (...), sie wird daher auch nur bei einem zahlreichen und wohlgeübten Orchester ihr Glük und den gehörigen Effekt machen."

Aber in der ausverkauften Mercatorhalle verfehlte die "Schöpfung" ganz und gar nicht ihre Wirkung. Das lag zu einem an dem von dem drei Jahre älteren GMD-Bruder Stephen Darlington perfekt einstudierten Kathedral-Chor. Zum anderen daran, dass Jonathan Darlington wohl noch nie so stilsicher und klassisch konsequent am Werk war wie hier. Klug beschränktes Vibrato erfreute ebenso wie exzellente Bläser-Soli, Streicher-Räume von gläserner Klarheit und überhaupt ein extrem durchsichtiger und wendiger Gesamtklang der bestens disponierten Duisburger Philharmoniker. Darlington dirigierte dramatisch zugespitzt, betonte die Nähe zu Opern von Wolfgang Amadeus Mozart wie "Don Giovanni" und vor allem "Die Zauberflöte".

Zwar musste man dafür häufig unruhige, fast romantisierende Tempi hinnehmen. Die waren aber oft der Rücksicht auf die sehr guten Gesangs-Solisten geschuldet: die norwegische Sopranistin Solveig Kringelborn, deren Stimme nicht mehr ganz ihre legendäre Jugendfrische aufweist, der unglaublich präsente österreichische Tenor Johannes Chum (der freilich versehentlich zweimal vom "sechsten Tag" sang, was eine Besucherin als "arbeitsrechtlich bedenklich" glossierte) und nicht zuletzt der großartige Bariton Günter Papendell.

Ein außergewöhnlich konzentriertes Publikum und am Ende großer Jubel mit minutenlangen Ovationen im Stehen waren ihnen allen sicher.

Quelle: RP
 
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