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Duisburg
Platanen unter Polizeischutz gefällt

Duisburg: Die Platanen sind gefällt
Duisburg: Die Platanen sind gefällt FOTO: Andreas Probst
Duisburg. Zwei Bäume stehen noch - die restlichen wurden gestern gefällt. Gut 30 Polizisten sperrten den Bereich auf der Mercatorstraße weiträumig ab und lösten eine Sitzblockade von Umweltschützern auf. Von Sandra Kaiser

Gut 30 Einsatzkräfte der Polizei haben gestern in der Frühe dafür gesorgt, dass die Fällarbeiten auf der Mercatorstraße beginnen konnten. Umweltschützer hatten sich schon im Morgengrauen versammelt, um die Arbeiten doch noch zu verhindern. Als einige von ihnen versuchten, die in der Nacht aufgestellten Sperrzäune zu überwinden, griffen die Beamten sofort ein. Eine Sitzblockade wurde aufgelöst; einige Protestler weigerten sich so lange aufzustehen, bis sie von den Beamten weggetragen wurden.

Für viele Duisburger ein ebenso symbolträchtiges wie trauriges Bild: Die gefällten Platanen werden abtransportiert. In dem wochenlangen Streit wurden damit endgültig Fakten geschaffen. FOTO: Andreas Probst

Mit dem Großgerät, das gestern zur Fällung anrückte, ging dann alles ziemlich schnell. Vor den Augen der rund 30 Demonstranten, der Polizisten und vieler Schaulustiger, die die Aktion mit Handykameras festhielten, packte der riesige Fällkran einen Ast, sägte ihn durch und hob ihn langsam nach unten, wo Arbeiter mit Kettensägen ihn zerlegten. Unterdessen hatte sich der Fällkran schon den nächsten Ast vorgenommen.

Zur Mittagszeit waren bereits alle Platanen bis auf zwei gefällt. Die bleiben laut Pressestelle der Stadt Duisburg erst einmal stehen, denn in einem Baum befindet sich ein Vogelnest; der benachbarte ist so stark mit ihm verwachsen, dass auch er aus Rücksicht auf die Tiere erst einmal verschont wird. Wann diese beiden Platanen gefällt werden, ist noch unklar.

Das Ende: Mitarbeiter der Wirtschaftsbetriebe räumen auf, die Polizei beobachtet das Geschehen. FOTO: Pressefoto Andreas Probst

Mit hängenden Köpfen verabschiedete sich gestern ein Platanen-Retter nach dem anderen. "Das kann ich wirklich nicht mit ansehen", sagte die Duisburger BUND-Vorsitzende Kerstin Ciesla.

Noch am Morgen hatte sie gehofft, die Fällaktion in letzter Sekunde verhindern zu können - mit Hilfe der Bezirksregierung. Wie berichtet hatte Ciesla sie am Montagmorgen in einem Schreiben darum gebeten, die Fällung der Bäume auszusetzen, weil der Zuwendungsbescheid zum Bahnhofsvorplatz verletzt worden sein könnte. Die Bezirksregierung Düsseldorf winkte aber gestern Vormittag ab. Es gebe keinen Grund, die Fällarbeiten zu untersagen.

Fassungslos beobachtete Grünen-Ratsfrau Claudia Leiße das Geschehen noch eine Weile länger. "Das ist grauenvoll. Wir hatten immer noch gehofft, wir könnten das irgendwie aufhalten", sagte sie. Und vielen Bürger sei es genauso ergangen. Noch gestern, so Leiße, hätten viele Vorbeikommende gefragt, wo man unterschreiben und ob man noch irgendetwas tun könne.

Claudia Leiße findet die Vorgehendweise der Stadt nach wie vor falsch. "Ich kann es nicht verstehen. Wieso jetzt schon Fakten schaffen, wo es überhaupt noch keinen Investor gibt, der das Grundstück bebaut? Ich halte dieses Grundstück jetzt schon für verbrannt. Kein Investor wird sich in die Nesseln setzen und einem Bürgerprotest aussetzen wollen. Da wird in den nächsten zwei, drei Jahren nichts passieren. Aber die Platanen, die sind weg. Man kommt aus dem Bahnhof nach Duisburg und sieht nichts als Einöde", sagte sie.

Die Baumretter wollen jetzt erst einmal eine kleine Pause einlegen und das Ganze sacken lassen. Leiße: "Dann überlegen wir uns, wie es weitergeht. Ob es sich noch lohnt, für die beiden Bäume, die noch stehen, weiter zu kämpfen"

Die Bürgerlich-Liberalen in Duisburg bezeichneten die Aktion gestern als "Armutszeugnis der Stadt Duisburg". Der Unmut der Bürger sei nachvollziehbar. "Jahrelang", so Ratsherr Karsten Vüllings, "müssen diese den Anblick einer Betonplatte ertragen, werden dann endlich in einem Charette-Verfahren in die Planungen einbezogen, um dann festzustellen, dass ihre Meinung nicht gefragt ist."

Ein Bürgerbegehren sei ein durch die Landesverfassung gedecktes Instrument, mit dem ein festgesetztes Quorum an Bürgern politische Entscheidungen korrigieren könne, so der Rheinhauser.

"Wenn man den Ausgang dieses Bürgerbegehrens verwaltungsseitig mit Taschenspielertricks erst gar nicht abwartet und mit Hilfe der Polizei Fakten schafft, dann ist das in meinen Augen ein Armutszeugnis", sagte Vüllings.

Quelle: RP
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