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Duisburg
Proteste gegen Personalknappheit

Duisburg: Proteste gegen Personalknappheit
Die Beschäftigten des Klinikums Duisburg machten die Personalnot sichtbar, indem sie Nummernkarten hochhielten. FOTO: Klinikum
Duisburg. Die Gewerkschaft Verdi hat gestern für eine ausreichende Personalausstattung an deutschen Kliniken protestiert. In Duisburg beteiligten sich Beschäftigte des Klinikums, der Helios Kliniken und des Bethesda an der Aktion. Von Sandra Kaiser

Mit einer bundesweiten Protestaktion hat die Gewerkschaft Verdi gestern auf die Personalknappheit in deutschen Krankenhäusern aufmerksam gemacht. Nach ihren Berechnungen fehlen an unseren Kliniken insgesamt 162 000 Stellen, 70 000 allein in der Pflege. Die Beschäftigten in Einrichtungen aller Träger waren aufgerufen, in einer symbolischen Aktion jeden einzelnen fehlenden Arbeitsplatz mit einer Ziffer kenntlich zu machen. Auch die Beschäftigten des Klinikums Duisburg, der Helios Kliniken und des Bethesda-Krankenhauses beteiligten sich an der Aktion, die von 13 bis 13.10 Uhr stattfand, und hielten Nummerkarten hoch.

Mit der Aktion machten die Beschäftigten ihrer Enttäuschung über den Gesetzentwurf zur Krankenhausreform Luft, den die Bundesregierung am 11. Juni veröffentlicht hat. "Die Regierung kennt die dramatischen Auswirkungen der Personalnot für Patienten, doch sie handelt nicht", sagte Harald Hüskes, Gewerkschaftssekretär des Verdi-Bezirks Duisburg-Niederrhein. "Wir sind entsetzt, dass die Bundesregierung die Gefährdung von Patienten wissentlich in Kauf nimmt." Ein Pflegeförderprogramm für eine bis 3,5 Pflegestellen pro Krankenhaus bringe den Patienten niemals die dringend notwendige Verbesserung der Versorgung.

"Wir haben Verständnis für die Sorgen unserer Mitarbeiter", sagte Dr. Stephan Puke, Geschäftsführer des Klinikums Duisburg. "Deshalb unterstützen wir unsere Beschäftigten heute in der Kampagne gegen Personalnotstand in der Pflege."

Puke erläuterte das Problem: Die 2013 zur Unterstützung der Krankenhäuser bei der Personalfinanzierung eingeführten Versorgungszuschläge sollen 2017 wieder wegfallen. Zusätzlich sollen neu mit den Krankenkassen vereinbarte Leistungen drastisch gekürzt werden. Damit gingen den Krankenhäusern insgesamt 500 Millionen Euro verloren, das sei der Gegenwert von 10 000 Pflegestellen. Auch bringe das im Gesetzentwurf vorgesehene Pflegestellenförderprogramm dafür keine wirkliche Entlastung. 660 Millionen Euro in drei Jahren bedeuteten 220 Millionen jährlich für 2000 Krankenhäuser, also 110 000 Euro je Einrichtung. Damit könne jede Klinik zwei oder drei zusätzliche Kräfte einstellen. Gemessen am tatsächlichen Bedarf seien das aber viel zu wenige Pflegende.

Laut Puke kommt die Belastung des Krankenhauspersonals - besonders in der Pflege - an ihre Grenzen. Dennoch würden aufgrund der drohenden gesetzlichen Vorgaben viele Kliniken zu engeren Personalausstattungen gezwungen. "Auch wird es mit den vorgesehenen Regelungen immer schwerer für die Kliniken, den pflegerischen Nachwuchs für ein Engagement im Krankenhaus zu begeistern", ist Puke sicher.

Quelle: RP
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