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Gericht lehnt Loveparade-Prozess ab
Ein Desaster für die NRW-Justiz

Loveparade in Duisburg: Fünf Jahre nach der Katastrophe
Loveparade in Duisburg: Fünf Jahre nach der Katastrophe FOTO: dpa, rwe fg kno
Meinung | Duisburg. Das Landgericht Duisburg hat die Anklage im Strafverfahren um die Loveparade-Katastrophe nicht zugelassen. Für die Justiz ist das ein Desaster. Man fragt sich, was das Team der Duisburger Staatsanwälte in den fünf Jahren der Ermittlungen und der Prüfung der Anklage eigentlich gemacht hat.  Von Reinhard Kowalewsky

Möglicherweise war es schwer zu vermeiden, dass die Love-Parade-Katastrophe am Ende zu keinen Verurteilungen führt, weil es tatsächlich sehr schwer ist zu beweisen, welchen Beschuldigten nun sicher welche Schuld an dem Desaster und den vielen Toten hatten. Und dieser Nachweis ist laut Strafgesetz in Deutschland eben nötig, um eine Person zu verurteilen.

Aber die 400-seitige Begründung des  Duisburger Landgerichtes, warum sie  das Hauptverfahren nicht einmal öffnet, ist für die Staatsanwaltschaft ein Desaster: Der britische Gutachter habe sich viele Unterlagen nicht einmal selber angeschaut, kommt heraus. Er habe nicht berücksichtigt, ob es neben Planungsfehlern auch Mängel in der Durchführung zu der Katastrophe führte.

Der Gutachter verwende Zahlen für die Besucherströme, über die er selber an anderer Stelle schreibt, sie seien wahrscheinlich falsch. Der Gutachter sei befangen gewesen, da er sich mehrfach öffentlich sehr einseitig zu den Duisburger Vorgängen geäussert hatte.  Und er analysierte viele Vorgänge nur sehr oberflächlich – zu wenig, um wichtigster Beweis in einem Strafverfahren mit geplanten zehn Angeklagten zu sein.

Man fragt sich, was das Team der Duisburger Staatsanwälte in den fünf Jahren der Ermittlungen und Prüfung der Anklage eigentlich gemacht hat. Eine Beweisführung, warum die Planung katastrophale Fehler hatte, wäre auch ohne Gutachten möglich gewesen. Es wäre möglich gewesen, einen zweiten Gutachter zu bestellen oder im Extremfall sogar anzulernen. Stattdessen bauten die Staatsanwälte ihre ganze Anklage auf nur einem fragwürdigen Papier auf - ein Desaster für die ganze NRW-Justiz und eine Katastrophe für die Angehörigen der Getöteten.

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