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Duisburg
Rahm-West: abgehängt und lärmgeplagt

Duisburg: Rahm-West: abgehängt und lärmgeplagt
Mit dem Rad die Stufen hoch: In Alt-Rahm hält die Bahn, Rahm-West ist dagegen regelrecht abgehängt. FOTO: Mendel
Duisburg. Häuschen im Grünen gibt es zwar reichlich, aber ältere Bewohner der Siedlung sitzen wie in einer Falle, wenn sie zum Supermarkt, zum Arzt, zur Kirche oder zur Bushaltstelle wollen. Von Hildegard Chudobba

Rahm-West macht derzeit am Stadtteil-Eingang den Eindruck, als führe die Zufahrtsstraße Zur Kaffeehött in eine Metropole. Anders als im rechts der Bahngleise liegenden Alt-Rahm, gibt es in dem kleineren Ableger zurzeit die einzige Gesamtrahmer-Ampelanlage, richtig groß dimensioniert und notwendig, weil in der Zugangsstraße Zur Kaffeehött Kanalarbeiten stattfinden.

Wer diese beampelte "Großkreuzung" sieht und ortsfremd ist, könnte vermuten, dass ihn dahinter Großes erwartet. Doch nichts da! Rahm-West ist vom prallen Leben so gut wie abgeschnitten: keine Kneipe, kein Restaurant, kein Lebensmittelhändler, keine Apotheke - und das ist seit vier Jahrzehnten.

Ende der 1960er Jahre legte das Unternehmen Wüstenrot mit seinen Ein-Familien-Häusern (und einem Hochhaus) den Grundstein für die Siedlung, die in den Folgejahren stetig wuchs und mit der Euro-Bau-Ausstellung Ende der 80er Jahre noch einmal einen großen Schub bekam. Das Glück über ein Häuschen im Grünen wird bei vielen Rahm-West-Bürgern zunehmend dadurch getrübt, dass sie nicht raus kommen. Gerade die, die Ende der 60er Jahre dort gebaut haben, sind älter geworden, fahren aus Sicherheitsgründen nicht mehr selber Auto und sind nicht mehr gut zu Fuß. Außerdem: Es gibt nur zwei Wege nach Alt-Rahm (mit Supermarkt, Restaurant, Reinigung, Friseur und einer Bushaltestelle in Richtung Großenbaum/Buchholz). Der eine liegt am S-Bahnhof, der andere an der Straße zur Kaffeehött und führt über die Bahngleise. Beide Wege sind für ältere Bürger ein Hindernis. Die Straße über die Gleise ist vergleichsweise steil. Hier einen Rollator hochzuschieben, kostet Kraft. Und wer von Alt-Rahm mit voller Einkaufstasche zurückläuft, braucht Kondition. Die Alternative am S-Bahnhof hat ebenfalls ihre Tücken. Von Rahm-West aus führt der Weg zwar über eine Rampe unter den Gleisen durch, doch dann geht es nur über eine steile Treppe nach oben in Richtung Alt-Rahm (bzw. zu den Gleisen)- für Gehbehinderte kaum zu bewältigen.

So lange die Bürger in Rahm-West wohnen, so lange kennen sie Ankündigungen, eine Buslinie durch den abgelegenen Stadtteil zu führen. Doch nichts tut sich. Immer wieder debattieren Lokalpolitiker darüber, aber sie rechnet sich nicht. Wer jung ist und dort wohnt, fährt mit dem Auto oder ist fit genug für den Fußweg nach Alt-Rahm. Und nur für ältere Bürger dort einen Bus fahren zu lassen?

Vielleicht wird Rahm-West für den öffentlichen Nahverkehr interessanter, wenn dort die vorgesehenen weiteren Baugebiete ausgewiesen werden sollten. Vielleicht! Bis dahin werden sich die älteren Bürger in dieser Siedlung wohl damit abfinden müssen, dass sie zwar nirgendwo hinkommen, aber den Verkehr deutlich hören: Denn die Bahnlinie und die zur Autobahn ausgebaute B 288 haben dafür gesorgt, dass Rahm-West längst keine ruhige Wohnsiedlung mehr ist, sondern einen großstädtischen Geräuschpegel "besitzt".

Quelle: RP
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