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Duisburg
Rathausgespräch über die Flüchtlingskrise

Duisburg. Um die Flüchtlingskrise und die daraus entstehenden gesellschaftlichen Folgen drehte sich gestern das erste "Rathausgespräch" in diesem Jahr. Unter der Fragestellung "Haben wir genug Platz?" moderierte Randi Crott die mehr als zweistündige Veranstaltung mit der Düsseldorfer Rechtsanwältin und Dügida-Bekämpferin Gülsen Celebi, Prof. Dr. Christoph Koch (Freie Universität Berlin), Kinderarzt Dr. Siegfried Joel, Innenminister Ralf Jäger und Peter Krumpholz (Universität Duisburg-Essen). Dazu kamen drei Schüler des Mannesmann-Gymnasiums. Von Alfons Winterseel

Die Schüler Lisa, Luca und Karim berichteten vom Umgang ihrer Schule mit den Flüchtlingen, die an dem Huckinger Gymnasium unterrichtet werden. An der Schule, so der Tenor, wird versucht, die europäische Wertegemeinschaft im täglichen Umgang zu leben. Die Runde im Rathaus machte sich aus verschiedenen Sichtweisen auf die Suche nach Ursachen der Flüchtlingsströme, der Angst vieler Menschen vor dem Verlust des sozialen Status' und der Politikverdrossenheit. Letztere, so glaubt Krumpholz, resultiere auch durch überzogene Erwartungen der Menschen an die Politik.

Unterschiedliche Ansichten gab es zur Lage Europas: Während Koch Europa für eine "Fehlkonstruktion" hält, weil es in der Adenauerzeit von oben nach unten gegründet wurde und sich kein kulturelles europäisches Bewusstsein gebildet habe, widersprach Innenminister Jäger: Europa sei schon deshalb eine Erfolgsgeschichte, weil es seit nunmehr über 70 Jahren in Frieden lebe. "Das Problem liegt darin, dass es einige Staaten gibt, die die Union nur als Verteilerin von Fördermitteln ansehen." Gülsen Celebi lenkte den Blickpunkt auf die Frage nach der Verantwortung der westlichen Welt für die Krisen und Kriege im Nahen Osten und sieht in der Schaffung von Sicherheitszonen für die Menschen einen Lösungsansatz. Die Flüchtlinge seien da, weil Deutschland eines der liberalsten Asyl-Grundrechte habe und das Dublin-Abkommen außer Kraft gesetzt worden sei. Dies stelle die Gesellschaft vor eine große Herausforderung.

Dabei geht es auch um Themen wie Rassismus, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, Kriminalität und Extremismus. "Die Lage ist recht kompliziert", sagte Krumpholz. Gefordert sei eine Debatte, die mit Gelassenheit geführt werden müsse. Dabei dürften entstandene und entstehende Probleme nicht unter den Teppich gekehrt werden. Dass die Flüchtlingskrise auch Dinge in Gang setzen kann, zeigt die Forderung nach mehr sozialem Wohnungsbau. "Es darf aber kein exklusives Programm für Flüchtlinge geben", forderte Jäger. Dass plötzlich etwas in der Politik gehe, was vor ein paar Jahren noch unmöglich schien, leiste nach Ansicht eines Zuhörer der Politikverdrossenheit vieler Bürger Vorschub.

Quelle: RP
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