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Duisburg
Reformation - das Götzenbild muss weg

Duisburg. Was 1517 Martin Luther in Wittenberg in Gang setzte, zeigte später auch in Duisburg Wirkung. Der Stadtrat beschloss, eine religiöse Statue aus der Kirche zu entfernen. Bald jedoch galt Duisburg als tolerante Stadt. Von Harald Küst

1555 fand eine denkwürdige Ratssitzung in Duisburg statt. Es wurde über den Antrag entschieden, den "großen Greuel der Abgötterei", nämlich die wundertätige Statue des Salvators aus der Kirche zu entfernen. Mit diesem spektakulären Vorgang war die Reformation abgeschlossen. Was mit dem welthistorischen Ereignis 1517 in Wittenberg begann, löste vielfältige Veränderungen in Duisburg aus.

1527, zehn Jahre nach Luthers Thesenanschlag an der Wittenberger Schlosskirche, erreichte die neue kirchliche Lehre auch Duisburg. Nach und nach bekehrten die ersten Prediger große Teile der Bevölkerung. Der Lebensstil der katholischen Geistlichkeit war damals nicht gerade vorbildlich - das war allseits bekannt. Die Privilegien des Klerus erhöhten die Distanz zum "gemeinen Mann". Weitere " Anzeichen der Entfremdung gegenüber dem alten Glauben zeigten sich, als zur Aufbringung städtischer Sondersteuern wertvolles Kirchengerät verkauft wurde", stellt der ehemalige Stadtarchivar Dr. Joseph Milz (1934-2013) in seiner "Geschichte der Stadt Duisburg" fest.

In den 40er Jahren des 16. Jahrhunderts wurde in Duisburg bereits vorübergehend im evangelischen Sinne gepredigt. 1543 wurde von der Marienkirche am Marientor der Prediger Johannes Rithlinger eingestellt. Gespannt verfolgten viele Duisburger die Predigt Rithlingers, die so ganz anders klang als das, was sie früher von der Kanzel gehört hatten. Gut situierte Kaufleute und Handwerker fanden sich unter den Kirchenbesuchern, aber auch arme Tagelöhner. Sie hörten von der Kanzel der Marienkirche aufrüttelnde Aussagen: "Der Ablass, den man euch aufschwatzt, der ist nichts als ein großer Schwindel. Eine böse Tat kann nicht durch eine darauffolgende gute Tat aufgewogen werden. Das hat Martin Luther aus Wittenberg aller Welt verkündet, und es ist wahr, weil wir es aus der Heiligen Schrift wissen. Nur durch die Gnade Gottes können wir das Heil und ewiges Leben erlangen. Amen."

Vor allem bei den ärmeren und unterprivilegierten Schichten fielen die neuen Glaubenslehren von Martin Luther auf fruchtbaren Boden. Nicht nur aus theologischen, sondern auch aus ganz handfesten materiellen Gründen: Man erhoffte sich eine Senkung der Abgabenbelastung; das erklärt auch die Offenheit gegenüber einer reformierten Obrigkeit, die sie von diesem Übel erlösen konnte. Da traf es sich bestens, dass sich die Ratsherren immer mehr dem neuen Glauben zuwandten. 1554 wurde in der Marienkirche die erste evangelische Abendmahlsfeier gehalten. Milz: "Der klevische Landesherr, der zwar eine tolerante Haltung einnahm, aber doch die offizielle Einführung des evangelischen Glaubensbekenntnisses (noch) nicht dulden wollte, rügte die städtische Obrigkeit wegen der Einführung der Neuerungen. Die Stadt zeigte sich davon wenig beeindruckt und so kam es in der Folge am 11.2.1555 zu dem Antrag, die wundertätige, hölzerne Statue des Salvators ("Oelgötz") aus der Kirche zu entfernen". Der Beschluss fand eine überwältigende Mehrheit und wurde umgesetzt. Vermutlich landete "der große Oelgötz" in der kirchlichen Rumpelkammer. Doch einige Anhänger des alten Glaubens mochten sich damit nicht abfinden. Die Statue befindet sich heute in Nievenheim (Nähe Dormagen). Wie sie dort hinkam? Die Legende lautet, dass ein katholisch-gläubiger Bauer aus Duisburg die Statue von Christus dem Erlöser (Salvator) an sich genommen hat, um sie im katholischen Köln vor den Duisburger Protestanten in Sicherheit zu bringen. In den Dormagener Wäldern verirrte er sich und sah von weitem nur die Nievenheimer Kirche. Als sein dritter Versuch, den Weg zu finden, fehlschlug, wertete es dies als Gotteszeichen und übergab die Statue dem Pastor von Nievenheim. Dort ist die Salvatorstatue heute noch Ziel katholischer Wallfahrer.

Milz wertete die spektakulären Entfernung der Statue und die Einführung des Katechismus im Unterricht als Abschluss der Einführung der Reformation in Duisburg. In den nächsten Jahren zeichnete sich Duisburg weiter durch eine tolerante Haltung aus. Für Gerhard Mercator (1512-1594) bot Duisburg damals ein günstiges Umfeld für seine Schaffenskraft. Das Klima war von Offenheit geprägt. So fand bis 1571 eine Art Simultan-Gottesdienst in der Salvatorkirche statt, bei dem je nach Einstellung des teilnehmenden Gläubigen bei dem einen oder anderen Teil des Gottesdienstes die Kirche verlassen wurde.

Die Reformation revolutionierte nicht nur das geistige Leben, sie setzte auch eine gesellschaftspolitische Entwicklung in Gang. Aus heutiger Sicht hat die Reformation in Duisburg das Verständnis von Arbeit, Entlohnung und Fürsorge erheblich beeinflusst.

Quelle: RP
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