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Duisburg
Rettung in der Not für Archivalien

Duisburg. Neun Duisburger Kultureinrichtungen gründen einen Notfallverbund. Bald gibt es Bergungsübungen. Von Peter Klucken

Das Jahrhunderthochwasser an Oder und Elbe im Jahr 1997 und dann noch einmal im Jahr 2002, der Brand der Anna Amalia Bibliothek in Weimar am 2. September 2004 und der Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln am 3. März 2009 haben vielerorts das Bewusstsein dafür geschärft, dass schriftliche Überlieferungen verletzlich sind. Wenn der Notfall eintritt, kann oft nur ein schnelles, konzentriertes Handeln das Schlimmste verhüten. Aus diesem Grund haben gestern im Duisburger Rathaus neun Duisburger Kultureinrichtungen einen "Notfallverbund zur gegenseitigen Hilfe im Katastrophenfall" vereinbart. Folgende Kultureinrichtungen sind Gründungsmitglieder des Duisburger Notfallverbundes: 1. Archiv des Museums der Deutschen Binnenschifffahrt. 2. Kultur- und Stadthistorisches Museum. 3. Stadtarchiv. 4. Landesarchiv Nord rhein-Westfalen Abteilung Rheinland. 5. Archiv für Alternatives Schrifttum. 6. Grillo-Archiv und Grillo Museum. 7. Haniel Archiv, Haniel Kunstsammlung und Haniel Museum. 8. ThyssenKrupp Konzernarchiv. 9. Universitätsarchiv Duisburg-Essen.

Diese Duisburger Einrichtungen sind übereingekommen, dass sie gegenseitig Räume, Personal und Technik bereitstellen wollen, wenn ein Institutspartner in Not gerät. Gestern haben im Rathaus Vertreter der neun Einrichtungen die entsprechende Willensbekundung unterzeichnet. Zu dieser Willenbekundung gehört, dass sich die Institutionen verpflichten, innerhalb eines Jahres gebäudespezifische Notfallkonzepte mit einem Alarmierungs- und Bergungsplan vorzulegen. Der Leiter des Duisburger Stadtarchivs, Dr. Andreas Pilger, geht davon aus, dass bereits im kommenden Jahr zusammen mit der Feuerwehr Bergungsübungen für Archivalien durchgeführt werden.

Natürlich setzt man bei diesen Übungen keine unersetzlichen Dokumente in Brand oder unter Wasser. Vielmehr übt man mit Papieren, die ohnehin für den Reißwolf bestimmt sind. Aber solche Übungen seien wichtig, damit die Mitarbeiter lernen, die Dokumente schnell mit feuerbeständiger Folie zu umwickeln und die entsprechenden Pakete rasch an einen sicheren Ort zu schaffen, vorzugsweise in einem geeigneten Raum des Notfall-Partnerinstituts.

Notfallverbünde, wie sie gestern in Duisburg vereinbart wurden, sind schon mehrmals in Deutschland gegründet worden, beispielsweise in Münster, Dresden, Detmold und demnächst in Essen. Auffallend ist, dass in Duisburg die großen Kunstmuseen nicht beteiligt sind. Der Grund sei, so Archivar Dr. Andreas Pilger, dass die Duisburger Notfall-Partner schwerpunktmäßig Papierdokumente beherbergen, deren Schutz andere Experten und Maßnahmen erfordern als Gemälde oder Skulpturen. Allerdings könnte man den nun vereinbarten Notfallverbund als Anregung zur Nachahmung an die Duisburger Kunstmuseen weitergeben.

Quelle: RP
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