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Duisburg
Rohstahlerzeugung im Duisburger Süden hat Zukunft

Duisburg. Beim Nachbarschaftstreffen in der Hüttenschenke informierten die HKM-Verantwortlichen über die aktuelle Situation des Werks. Von Volker Poley

Peter Gasse war beim diesjährigen Nachbarschaftstreff nicht mehr dabei. Der frühere Arbeitsdirektor hatte dieses Treffen vor Jahren eingerichtet, bei dem das Unternehmen aus dem Duisburger Süden mit Nachbarn und Vertretern der örtlichen Institutionen ins Gespräch kommt und über neue Vorhaben und Entwicklungen informiert.

So war es auch wieder am Mittwoch, als die HKM-Verantwortlichen in der Hüttenschenke über die aktuelle Situation des Unternehmens berichteten und sich der Diskussion stellten.

Im Fokus stand - natürlich - die Lage der Stahlindustrie, die derzeit vielerorts für Diskussionen sorgt.

HKM-Manager Gerhard Erdmann berichtete, dass Chinas Stahlexporte den Markt weltweit gehörig unter Druck setzen. "Die Hälfte des Stahls auf dem Weltmarkt kommt aus China", erläuterte Erdmann, derzeit gebe es "eine Überkapazität von 400 Millionen Tonnen". Das sei schon eine echte Bedrohung für die deutsche und europäische Stahlindustrie. Schutzzölle lehnte der Controlling-Chef des Unternehmens ab, da es durchaus wechselseitige Exportinteressen von Industrie und Handel gibt. Erdmann machte deutlich, dass man weltweit mit Handelsrestriktionen zu kämpfen habe, denn eigentlich sei "nur in der EU freier Handel möglich". Auch würde eine Spezialisierung auf hochwertige Stahlsorten nicht funktionieren: "Die Chinesen bieten mittlerweile in Sachen Stahl ein Vollsortiment an."

Belastend für das Unternehmen sei auch das Programm zum Klimaschutz. Erdmann bezweifelte, ob es möglich sei, "globale Probleme national zu lösen". Gefragt, ob sein Unternehmen aus dem Klimaschutz aussteigen möchte, verneinte der HKM-Geschäftsführer ausdrücklich: "Ich will damit nur die Konsequenzen für die Stahlunternehmen aufzeigen und schildern, in welchem Umfeld wir uns bewegen." Auch wenn die Wettbewerbssituation sich in den nächsten Jahren noch weiter verschärfen wird, sieht der Manager durchaus optimistisch in die Zukunft: "Stahl wird auch in 20 Jahren noch in Deutschland produziert werden, nur die Menge wird kleiner sein."

Darauf stellt man sich bei HKM mit einem ganzen Maßnahmenbündel ein. Dazu gehört ein ambitioniertes Sparprogramm (155 Mio. Euro) sowie auch Arbeitszeitverkürzungen kombiniert mit Flexibilisierungsmaßnahmen.

Ab dem nächsten Jahr wird man zudem weniger Rohstahl an die weiterverarbeitenden Gesellschafter verschicken: "Wir werden rund 20 Prozent weniger produzieren und unser Produktionsvolumen von 5,2 auf 4,2 Millionen Tonnen absenken."

Dass die Rohstahlerzeugung im Duisburger Süden aber durchaus Zukunft hat, wurde deutlich, als Rolf Höffken (Geschäftsführer Technik) einen Überblick über aktuelle und künftige Investitionen gab. Nach einer Total-Instandsetzung ist der Hochofen B seit Jahresbeginn wieder in Betrieb. Weitere Maßnahmen wie die Erneuerung der Schrotthalle, die Verbesserungen bei den Filtern der Sinteranlage, die Erweiterung der Benzolanlage, die Modernisierung des Fahrzeugparks der Feuerwehr und die Sanierung des Feuerwehrgebäudes sowie der Bau eines vierten Winderhitzers für den Hochofen A sind bereits durchgeführt oder stehen in Kürze an. Der neue Gasometer befindet sich kurz vor der Fertigstellung, und in den nächsten beiden Jahren wird die komplette Technik im werkseigenen Stellwerk erneuert. Standortsichernd soll sich zusätzlich der Bau eines neuen Aufheizstandes im Stahlwerk auswirken. Rolf Höffken: "Das ermöglicht uns die Produktion neuer Stahlsorten."

Insgesamt bewegen sich die Investitionen je nach Maßnahme im ein- bis dreistelligen Millionenbereich.

Quelle: RP
 
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