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Duisburg
RRX: Bahn sichert Lärmschutzwände zu

Duisburg: RRX: Bahn sichert Lärmschutzwände zu
Die RRX-Strecke auf Duisburger Stadtgebiet (PFA steht für Planfeststellungsabschnitt, PFB für Planfeststellungsbereich, EÜ für Eisenbahnüberführung, SÜ für Straßenüberführung). FOTO: Deutsche Bahn
Duisburg. Beim Großprojekt Rhein-Ruhr-Express (RRX) spielt Duisburg eine wesentliche Rolle. Bis der erste Zug auf dieser neuen Verbindung fährt, werden aber sicherlich noch mindestens zehn Jahre ins Land gehen. Von Sandra Kaiser

In einer Fraktionssitzung des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) in Essen haben Michael Kolle und Stefan Niedfeld von der Deutschen Bahn zugesichert, dass es im Zuge des Trassenausbaus für den Rhein-Ruhr-Express (RRX) in Duisburg "einen umfänglichen Bau von Lärmschutzwänden" geben werde. Das berichtet der Duisburger Ratsherr Frank Heidenreich, der gleichzeitig auch Vorsitzender der CDU-Fraktion im VRR ist. "Das ist schon mal ein gutes Zeichen für die Duisburger Bürger", so Heidenreich.

Mit Details gingen die Bahn-Vertreter bei dem Termin in Essen allerdings noch sehr sparsam um. Und auch auf RP-Anfrage gibt sich die Deutsche Bahn zurückhaltend. "Die Planungen zum Schallschutz auf Duisburger Stadtgebiet im Rahmen des RRX sind noch nicht abgeschlossen", so eine Sprecherin. Eine Präsentation der Ergebnisse sei für Mitte Februar 2016 geplant. Die Duisburger, die entlang der Trasse leben, müssen sich also noch gedulden.

Im Folgenden Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Projekt:

Warum ist der RRX überhaupt nötig?

Die Region um Rhein und Ruhr ist die bevölkerungsreichste Deutschlands und ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Pro Jahr werden rund 500 Millionen Menschen und zirka 120 Millionen Tonnen Güter im Schienenverkehrsnetz der Region befördert. Trotzdem gibt es gerade auf der viel genutzten Strecke von Köln nach Dortmund nur wenige Direktverbindungen und stattdessen viele Einzellinien, die untereinander nicht vertaktet sind. Der RRX soll die Rhein-Ruhr-Region mit sechs Linien vernetzen. Kernstrecke soll die Achse Köln - Düsseldorf - Duisburg - Essen - Dortmund sein. Hier soll künftig alle 15 Minuten ein RRX verkehren. Die Taktung ist dann höher, es gibt mehr Direktverbindungen, und die Züge können schneller fahren, weil es weniger Haltepunkte als bei den S-Bahnen und eigene Gleise für den RRX gibt.

Warum spielt Duisburg bei den Planungen eine so wichtige Rolle?

Dem Abschnitt zwischen Düsseldorf und Duisburg kommt eine große Bedeutung zu, denn er ist der am dichtesten befahrene auf der gesamten Kernstrecke - Tendenz steigend. Zahlen des VRR verdeutlichen dies: Waren 1999 noch durchschnittlich 27 000 Fahrgäste täglich zwischen Düsseldorf und Duisburg unterwegs, stieg die Zahl im Jahr 2012 auf etwa 66 900. Und: In diesem Bereich, so die Prognosen, wird der Verkehr auch in den nächsten Jahren am stärksten zunehmen.

Was genau ist für Duisburg geplant?

Zwischen den Knotenpunkten Düsseldorf und Duisburg sollen zwei weitere Gleise für den RRX gebaut werden - und zwar auf der Westseite der bestehenden vier Gleise. Dies gilt aber nur bis zum Haltepunkt Großenbaum. Denn von dort bis zum Haltepunkt Buchholz ist die Strecke bereits sechsgleisig. Zwischen Buchholz und Hauptbahnhof wird die Trasse dann verlegt, um die Einfahrt in den Hauptbahnhof zu optimieren und weniger Fläche zu beanspruchen. Durch diese Verschiebung muss eine weitere Kreuzung gebaut werden. Zwischen dem Hauptbahnhof und dem Abzweig Kaiserberg wird nicht viel passieren. Hier ist lediglich der Neubau von drei Weichenverbindungen geplant.

Da der sechsgleisige Ausbau mehr Platz in Anspruch nehmen wird, müssen einige Brücken erweitert werden. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um die Eisenbahnüberführungen über dem Winkelhauser Weg, Rahmer Bach und Fußweg, der Wedauer Straße, der Straße Im Schlenk, der Wacholderstraße, dem Sternbuschweg (B 8) und der Karl-Lehr-Straße.

Auch S-Bahnhöfe werden umgebaut. Der in Rahm zum Beispiel wird barrierefrei ausgebaut und nach Westen verschoben. Andere Bahnhöfe wie die in Großenbaum und Buchholz sind nicht betroffen.

Was ist mit dem Schallschutz?

Für den Bereich zwischen der Stadtgrenze zu Düsseldorf und dem Duisburger Hauptbahnhof wird derzeit noch ein Lärmgutachten erstellt. Erst dann, so die Deutsche Bahn, könne über Schallschutzmaßnahmen entschieden werden. Es gab aber bereits eine sogenannte schalltechnische Vorabschätzung, auf deren Grundlage feststeht, dass grundsätzlich aktive (etwa Schallschutzwände oder regelmäßige Kontrolle und Schleifen der Schienen) sowie passive Maßnahmen (Einbau von Schallschutzfenstern und schalldämmenden Lüftern an Gebäuden) erforderlich sind.

In der Bezirksvertretung Süd hatte RRX-Projektleiter Kolle den Rahmern bereits zugesichert, dass der RRX eine Schallschutzwand wahrscheinlich macht; ein Gutachter sei damit beauftragt, festzustellen, wie hoch sie sein müsse. Der Zugverkehr, so Kolle, werde zwar "ein bis zwei Dezibel lauter" sein als bisher, die Lärmschutzwand mache das aber mehr als wett: "Mindestens zehn Dezibel" schlucke sie. Mehr Züge sollen also weniger Lärm verursachen. Kolles Fazit: "Alle Anwohner werden davon profitieren."

Zwischen Hauptbahnhof und Abzweig Kaiserberg sind laut Deutsche Bahn "keine Baumaßnahmen geplant, die als erheblicher baulicher Eingriff einzustufen sind".

Was ist mit dem von den Angermundern geforderten Tunnel?

Die Angermunder fürchten eine Zweiteilung ihres Ortes durch die Bahnstrecke und fordern einen Tunnel. Die Bahn ist zurückhaltend, da eine Untertunnelung der Bahnstrecke teuer werden und viel Platz beanspruchen würde. "Aber eine Tunnellösung ist noch nicht vom Tisch, hat man uns in Essen versichert", sagt Heidenreich. Der RP sagte die Bahn: "Über eine mögliche Tunnelvariante in Düsseldorf-Angermund liegt ebenfalls noch keine abschließende Entscheidung vor, die Gespräche laufen noch."

Wie sieht die genaue Zeitschiene aus?

2016 will die Deutsche Bahn ihre Pläne beim Eisenbahnbundesamt einreichen. Fünf Jahre, rechnet das Unternehmen, werden bis zur Genehmigung wohl vergehen - und dann noch einmal weitere drei Jahre bis Baubeginn. Laut VRR sollen sämtliche Arbeiten an der Verkehrsinfrastruktur zwischen 2025 und 2030 abgeschlossen sein.

Quelle: RP
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