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Duisburg
Sabine Thomas: Neue Geschichten einer Familienanwältin

Duisburg. Nach dem erfolgreichen Start ihres ersten Buches "Und konnten es einfach nicht fassen" erscheint am 9. März ein Nachfolgeband von Familiengeschichten der Duisburger Rechtsanwältin Sabine Thomas unter dem Titel "Hell wie der Mond und stark wie Eisen". Ebenso wie das 2013 erschienene Erstlingswerk enthält auch ihre Neuveröffentlichung 16 sehr unterschiedliche Rechtsfälle, die von wahren Begebenheiten aus der beruflichen Praxis der engagierten Familienanwältin herrühren. Von Olaf Reifegerste

"Ich stelle jedoch meine Geschichten immer in neue Zusammenhänge", erklärt Thomas ihre Vorgehensweise beim Schreiben, "und erzähle sie verfremdet. So werden beispielsweise die Namen der handelnden Personen verändert. Manchmal bleibt nur die Eröffnung eines Falles bestehen und alles, was folgt, verläuft ganz anders." Außerdem habe sie diesmal gut 30 Buchseiten mehr geschrieben, als noch vor zweieinhalb Jahren, erwähnt sie stolz. Das wiederum wird die Leser ihres neuen Bandes freuen, liest sich dieser äußerst kurzweilig, spannend und einfühlsam.

Allein schon der ersten Geschichte kommt eine besondere Bedeutung zu, weil in dieser Art und Form ihres Schreibens, als auch der Überbau des kompletten Erzählbandes erkennbar werden. So dient die Überschrift der ersten Geschichte "Hell wie der Mond und stark wie Eisen" zugleich auch als Titel des Gesamtwerks. Die besagte Novelle handelt von Aydemir, einem Stahlarbeiter, der sich unsterblich in Cindy, die Tochter eines Kollegen, verliebt hat. Als die beiden heiraten und Yunus, ihr Sohn, geboren wird, scheint das Glück vollkommen. Doch plötzlich verliebt sich Cindy in einen anderen Mann. Alles, was Aydemir im Leben wichtig war, ist somit außer Kraft gesetzt.

Thomas arbeitet bei der Namensgebung von Figuren offenbar gerne mit Metaphern. Aydemir beispielsweise kommt aus dem Arabischen und heißt übersetzt "Mondeisen", nämlich "Ay" von Mond und "Demir" von Eisen. Cindy wiederum ist eine Kurzform von Lucinda und bedeutet die "Leuchtende". Yunus schließlich stammt ebenfalls aus dem Arabischen und wird hierzulande als Jonas geführt. Dazu heißt es in der besagten Geschichte: "'Yunus, das ist Jonas', sagte Cindy kurz vor der Niederkunft. 'In meiner Religion ist der von einem Walfisch verschlungen und dann wieder ausgespuckt worden. Unser Yunus, der wird auch bald aus dem Walfischbauch entkommen.'"

Und genau dieses Walfischmotiv taucht bei der Umschlaggestaltung des neuen Buches als Titelbild wieder auf. So schließt sich ein von Thomas wohl überlegter und intelligent zusammengefügter Ideenstrang. Schreiben ist für die Autorin wie eine Art Katharsis. "Eigentlich habe ich einen schönen Beruf. Eigentlich", schreibt sie im Vorwort. "Aber er bringt eben auch ein ums andere Mal, unausweichlich, Fälle mit sich, die mich nicht loslassen. Die mich verstören." Also schreibt sie. "Meine Geschichten sind nachts entstanden", fügt sie weiter hinzu.

Eine für die Autorin sehr bewegende Geschichte ihrer Neuveröffentlichung, sagt sie, sei "Das letzte Bild". Hierin geht es um einen Fall von Schütteltrauma: Jolanta ist mit ihrem Baby überfordert. Jeremy schreit viel, dabei muss Erik, der Vater, doch ausgeruht sein für seine Arbeit als Fernfahrer. Eines Nachts, als die junge Mutter am Ende ihrer Kraft ist, kommt es zur Katastrophe. Sie schüttelt ihn, um ihn zu beruhigen, doch am nächsten Morgen wacht er nicht mehr auf.

Die Sachlage selbst macht einen schon betroffen, doch die von Thomas sachlich genau beschriebene Wiedergabe der mittels Fotos detailgenau und anschaulich vorgeführten Beweisführung durch einen Rechtsmediziner geht einem dann doch ganz schön an die Nieren. Thomas' hier einfühlsam gewählte Worte und hochsensibel formulierten Sätze sind es schließlich, die das fast unerträgliche Beklommenheitsgefühl mancher Leser an dieser Stelle lösen können. Im Buch heißt es dazu: "Ein Foto war noch übrig. (...) Kein Stück Fleisch. Ein kleiner Mensch. Er war friedlich und würdevoll." So kommt scheinbar auch der Leser dieses Buches in den Genuss einer Katharsis - einer seelischen Reinigung als Wirkung durch Lesen.

Sabine Thomas stellt ihr neues Buch "Hell wie der Mond und stark wie Eisen" am Mittwoch, 9. März um 19 Uhr in der Bezirksbibliothek Rheinhausen, Händelstraße 6, 47226 Duisburg, vor. Der Eintritt kostet 5 Euro. Vorverkaufskaten gibt es u.a. in der Bibliothek.

Sabine Thomas "Hell wie der Mond und stark wie Eisen"; Drei-Punkte-Verlag - Ein Imprint des Duisburger Mercator-Verlag; Offizieller Erscheinungsdatum 9. März 2016; Klappenbroschur 272 Seiten; ISBN 978-3-945710-01-2; Preis zwölf Euro.

Quelle: RP
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