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Duisburg
Salvator: Kaum bekannte Messe machte Eindruck

Duisburg. Vor 700 Jahren wurde die Duisburger Salvatorkirche erstmals urkundlich erwähnt. Zur Eröffnung des Jubiläumsjahres gab es jetzt ein prachtvolles Festkonzert in dem fast ganz gefüllten, großen gotischen Gotteshaus am Burgplatz. Von Ingo Hoddick

Zuerst kam etwas Bekanntes, nämlich die Ouvertüre und drei Nummern aus Giuseppe Verdis erster Erfolgsoper "Nabucco" (1842) über die babylonische Gefangenschaft der Juden, darunter natürlich auch der beliebte "Gefangenenchor". Wenn das eine biblische Oper ist, dann kam danach als Hauptwerk des Abends eine theatralische und kaum bekannte Messvertonung. Es handelte sich um jene "Messe solennelle", die Hector Berlioz 1825/27, also mit Anfang 20 komponierte und die als erstes seiner Werke mit Erfolg aufgeführt wurde, in den Worten des Komponisten hatte es sogar "einen höllischen Effekt gemacht". Dennoch verwarf er es wieder, vielleicht auch weil es zwar eifrig und leidenschaftlich, aber noch etwas unorganisiert wirkt. Berlioz verbrannte das Aufführungsmaterial und "recycelte" einige gute Einfälle aus der Feierlichen Messe in seinen später berühmten Werken wie der "Symphonie fantastique" und der Oper "Benvenuto Cellini". Die Partitur verschenkte er an einen belgischen Musiker, der in seinem Orchester gespielt hatte - 1991 wurde sie in einer Holztruhe auf dem Dachboden der Antwerpener Kirche St. Carolus Borromaeus wiederentdeckt. Der Clou der Komposition besteht in der eingefügten Offertoriums-Motette über den Auszug der Israeliten aus Ägypten und die seit Napoleon in französischen Messvertonungen übliche, abschließende Lobpreisung des Königs.

Salvatorkantor Marcus Strümpe hatte der Kantorei der Salvatorkirche und dem zum Teil aus Mitgliedern der Duisburger Philharmoniker bestehenden Orchester das Feuer der großen Geste eingehaucht, mit einigem Sinn für die überraschenden Feinheiten dieser Musik. Das machte durchaus Eindruck, abgerundet durch die - wie immer an diesem Ort - vorzüglichen Gesangs-Solisten Romana Noack (Sopran) von der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg, Michael Siemon (Tenor) und Peter Schöne (Bass-Bariton).

Quelle: RP
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