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Rp-Serie Duisburger Geschichte Und Geschichten
"Schädlich Lehre und Predigt"

Rp-Serie Duisburger Geschichte Und Geschichten: "Schädlich Lehre und Predigt"
Der Mord an Graf Wirich VI. durch die Spanier: Kupferstich von Jan Luyken, 1698. FOTO: harald küst
Duisburg. Mit dem Mord an Graf Wirich von Broich verloren die Befürworter der Reformation in Huckingen ihren Rückhalt. Die Huckinger wurden wieder katholisch. Von Harald Küst

Das Jubiläumsjahr zur Reformation neigt sich dem Ende zu. Luthers Thesen und Ideale erreichten verzögert auch den Duisburger Süden. Mitte des 16. Jahrhunderts gehörte die Stadt Duisburg zum Herzogtum Kleve und Huckingen zum Herzogtum Berg. Die Grenze, die nördlich von Buchholz bis Angerort verlief, konnte die Ideen der reformatorischen Bewegung aus dem Duisburger Raum nicht aufhalten.

Dem Huckinger Geistlichen Gerhard Barß wurde 1568 der Kapellengottesdienst in Huckingen übertragen. Der predigte alsbald im reformatorischen Sinne und fand nicht nur in Huckingen, sondern auch in Angermund und Wittlaer großen Zulauf. Barß, der Frau und Kinder hatte, stand auf dem Boden des Luthertums, doch blieben die katholischen Zeremonien weitestgehend erhalten. Dieser "Dritte Weg" wurde vom Landesherrn geduldet, aber missfiel den lokalen Amtsträgern. Der Widerstand gegen den Geistlichen formierte sich. Der bergische Amtmann Didrich von der Horst, der auf Schloss Angermund seinen Sitz hatte, beschwerte sich bei dem Grafen Wirich VI. von Daun zu Broich.

Die Rechtsvertretung der Huckinger Kapelle lag damals bei Haus Broich auf Mülheimer Gebiet. Die Beschwerde über die "schädlich Lehre und Predigt" wurde von dem bergischen Richter des Amtes Angermund unterstützt, da sie der Kirchenordnung widerspräche. Beide Amtsträger forderten, dass Barß durch eine "bequeme catholische qualificierte Person" ersetzt werde.

Bei dem Grafen von Broich, einem starken Befürworter der Reformation, stieß das Ansinnen der Amtsträger aus Huckingen und Angermund auf wenig Gegenliebe. Nach vorheriger Abstimmung mit Wilhelm V., Herzog von Jülich-Kleve-Berg" , lehnte er die Entlassung Barß ab. Graf Wirich VI. begründete die Ablehnung der Entlassung des Kaplans damit, dass der Kaplan sich schließlich an die kirchliche Lehre und den christlichen Zeremonien halte. So blieb der bei den Huckingern beliebte Gerhard Barß bis zu seinem Tode im Jahr 1587 im Amt. Sein Nachfolger wurde Johannes von Duisburg, ebenfalls ein Anhänger der Reformation. Er verdarb es sich mit der Obrigkeit. Seine Predigten am Palmsonntag des Jahres 1589 brachten das Fass zum Überlaufen. Er wurde von Beauftragten des bergischen Herzogs verhaftet und in den Kerker des Schlosses Angermund verbracht. Seine Stelle blieb dann unbesetzt. Graf Wirich VI. setzte 1594 noch einmal einen Mann seiner Glaubensrichtung ein, Arnold Guisen aus Duisburg. Doch das Miteinander von etablierten Katholiken und Reformierten war nur von kurzer Dauer. Huckingen wurde in den verheerenden Spanisch-niederländischen Krieg verstrickt. Der Kampf um die Unabhängigkeit der Niederländer erreichte den Niederrhein. In dessen Verlauf kam es in Angerort und Huckingen immer wieder zu Kämpfen und Gefechten der verfeindeten Parteien.

Die Bevölkerung litt schwer unter den ständigen Durchmärschen und Plünderungen der Söldnerheere. Neutralität kümmerte weder die eine noch die andere Seite. Die Spanier rückten am 5.10.1598 auf Befehl von Admiral Francisco de Mendoza auf Burg Broich vor. Vergeblich wies der Graf Wirich VI. auf seine Neutralität hin. Er musste vor der spanischen Übermacht kapitulieren. Gewalt und Brutalität nahmen ihren Lauf. Am 11. Oktober wurde Graf Wirich nahe Burg Broich (Mülheimer Gebiet) von seinen zwei spanischen Bewachern niedergeschlagen und erstochen. Seine Leiche wurde mit Schwarzpulver bestreut und verbrannt. Mit dem Mord an Graf Wirich von Broich im Jahre 1598 verloren die Befürworter der Reformation in Huckingen und Umgebung endgültig ihren Rückhalt. In Huckingen dominierte wieder der katholische Glauben.

Quelle: Huckinger Heimatbuch, Band 1.

Quelle: RP
 
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