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Duisburg
Schiffsverkehr belastet Luft und Wasser

Duisburg: Schiffsverkehr belastet Luft und Wasser
Die Umweltbelastung in Duisburg hat sich in den vergangenen Jahren verbessert. Dennoch sind die Schadstoffemissionen von Binnenschiffen noch zu hoch, meinen Experten. FOTO: Andreas Probst
Duisburg. Aktuellen Umweltberichten zufolge hat sich in Sachen Luftverschmutzung in Duisburg einiges getan. Doch der Schiffsverkehr bleibt eine große Belastung. Eine neue Messstelle am Rhein soll wichtige Erkenntnisse liefern. Von Jan Luhrenberg

Die Mitarbeiter des städtischen Umweltamts und des Regionalverbandes Ruhr (RVR) sind derzeit guter Dinge: dem kürzlich veröffentlichten Umweltbericht des RVR zufolge steht Duisburg in Sachen Umweltverschmutzung deutlich besser da als noch vor wenigen Jahren. Die von der EU vorgegebenen Grenzwerte bei der Feinstaub- und Stickstoffoxidbelastung konnten bei den jüngsten Vergleichsmessungen eingehalten werden.

Eine der größten Herausforderungen für die Umweltwächter ist aber nach wie vor der Schiffsverkehr. In Europas größtem Binnenhafen werden jährlich Schiffe mit einem Lastgewicht von über 100 Millionen Tonnen abgefertigt. Hinzu kommen etliche Privatschiffe und Ausflugsboote, die bei Hafenrundfahrten im Einsatz sind. Dieses hohe Verkehrsaufkommen hat Auswirkungen auf die Luftqualität im Stadtgebiet. Die am häufigsten auftretenden Schadstoffe sind Feinstaub und Stickstoffoxid. "Diese Stoffe werden durch Abgase von Schiffsmotoren verursacht", erklärt Birgit Kaiser de Garcia vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv). Die Abgase von Schiffsmotoren belasteten die Umwelt in etwa genau so wie der Ausstoß von Kraftfahrzeugen auf einem Abschnitt einer stark befahrenen Autobahn. "Die Emission von Luftschadstoffen ist im Vergleich zu Lkw hoch", ergänzt Cathleen Rieprich, Pressesprecherin vom Umweltbundesamt. Hintergrund sei die extrem lange Lebensdauer von Schiffsmotoren, die deshalb erst nach langer Benutzung ersetzt würden. Ältere Motoren stießen allerdings deutlich mehr Stoffe aus als neuere Modelle.

Seit Mitte Oktober liefern zwei neue Messstellen des Lanuv am Rheindeich in Laar Aufschlüsse über die Luftqualität am Rhein. "Die Messungen finden in einem Fünf-Sekunden-Takt statt", sagt Kaiser de Garcia. Erst nach einem Jahr sei eine genauere Auswertung der Luftbelastung möglich. In dem Messcontainer ist auch eine Schiffserkennung integriert. Sie stellt fest, ob gerade eines von 30 emissionsarmen Schiffen, die auf dem Rhein unterwegs sind, die Messstelle passiert. "So können wir die Luftverschmutzung zwischen den beiden Schiffstypen vergleichen", erklärt die Pressesprecherin.

Besser als bei der Luft sieht es bei der Wasserqualität aus. Die Verschmutzung habe "stark abgenommen", berichtet Kaiser de Garcia. Dafür gibt es einen Grund: "Das Einleiten von schädlichen Abwässern und Substanzen ist in der Binnenschifffahrt seit einigen Jahren untersagt", berichtet Fabian Spieß, Referent beim Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) mit Sitz in Duisburg.

Die Messstation des LANUV an der Deichstraße in Laar steht in Sichtweite zum Rhein. FOTO: LANUV

"Die Wasserqualität des Rheins und vieler seiner Nebengewässer hat sich in den vergangenen 30 Jahren deutlich verbessert", bestätigt auch Anne Schulte-Wülwer-Leidig, Geschäftsführerin der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR), die jährlich Berichte über die Wassergüte erstellt. Dennoch könnten Schadstoffe im Rhein nachgewiesen werden, die auf die Schifffahrt zurückgeführt werden können.

Der am häufigsten gemeldete Stoff sei Öl, gefolgt von Benzin. "Umfangreiche Recherchen haben gezeigt, dass diese Belastungen durch kurzzeitige Einleitungen durch die Binnenschifffahrt in Mengen zwischen 100 Kilo bis wenigen Tonnen verursacht werden", sagt die Geschäftsführerin.

Neben den Belastungen für Luft und Wasser sind weitere Umwelteinwirkungen, wie Lärmemissionen ein Thema. "Dazu liegen allerdings keine belastbaren Erkenntnisse vor", bilanziert Umweltbundesamts-Sprecherin Rieprich. Die Binnenschifffahrt habe in diesem Bereich einen deutlichen Vorteil gegenüber dem Bahn- und dem Lkw-Transport.

Allerdings sei davon auszugehen, dass Lärm am Rhein auch nur punktuell ein Problem ist. Schiffslärm stellt dabei nicht nur für den Menschen eine Belastung dar. Unterwasserlärm, zum Beispiel durch Schiffsschrauben, hat auch erheblichen Einfluss auf die Lebenswelt unter Wasser. So werden bestimmte Organismen durch den Schraubenantrieb beschädigt.

Quelle: RP
 
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