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Duisburg
Schillers Klassiker über Selbstverwirklichung

Duisburg. Regisseur Anselm Weber führte die Zuschauer im Theater behutsam auf eine Zeitreise. Von Ingo Hoddick

Eine Liebe zwischen einem Adligen und einer Bürgerlichen ist heutzutage kein Skandal mehr, wo doch die meisten zukünftigen Königinnen Europas aus einer bürgerlichen Familie stammen. Aber in Friedrich Schillers vor 231 Jahren uraufgeführtem Bürgerlichem Trauerspiel "Kabale und Liebe" geht es um mehr: Korruption, Eigennutz, Lüge, Intrige und politischer Mord sind immer noch Mittel der Politik, und die Jungen wenden sich enttäuscht ab von ihren Eltern.

Es geht darum, sich von äußeren Zwängen zu befreien und sich selbst zu verwirklichen. Jetzt gastierte das Schauspielhaus Bochum mit diesem zeitlosen Klassiker im gut gefüllten Duisburger Theater. Intendant Anselm Weber hat als Regisseur das Stück nicht vordergründig aktualisiert oder verfremdet, sondern führt gerade auch jüngere Zuschauer - "Kabale und Liebe" ist Abiturstoff - behutsam auf eine Zeitreise.

Es beginnt mit einer Fechtszene (mit Klaus Figge, dem König des deutschsprachigen Theaterfechtens), dann einem Theorietext von Schiller über das Theater als Freiraum - und dann mit dem Liebespaar Luise und Ferdinand, die gemeinsam am IPod Musik hören. Die Kostüme werden immer historischer, die Spielweise wird immer direkter. Die Figuren werden sensibel in einer Balance gehalten zwischen der Karikatur (da soll noch mal einer sagen, Schiller habe keinen Humor gehabt!) und ihrer menschlichen Tiefe.

Vor allem Friederike Becht und Nils Kreutinger als "jugendliche Helden" spielen sich die Seele aus dem Leib, sehr gut sind aber auch Kristina Peters als Lady Milford und Roland Riebeling als Hofmarschall mit dem sprechenden Namen von Kalb.

Quelle: RP
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