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Duisburg
Schockstarre vor der "Aida"-Premiere

Duisburg. Der Tod des langjährigen Rheinopern-Ensemblemitglieds Oleg Bryjak bei dem Flugzeugabsturz in Südfrankreich überschattet die Duisburger Übernahmepremiere der Oper "Aida" von Giuseppe Verdi am kommenden Sonntag. Von Ingo Hoddick

Manches war anders beim jüngsten Werkstattgespräch der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg zur Duisburger Übernahmepremiere der Oper "Aida" von Giuseppe Verdi am kommenden Sonntag, 28. März, um 18.30 Uhr, im Theater. Denn der vor 54 Jahren in Kasachstan geborene Bass-Bariton Oleg Bryjak, seit fast zwei Jahrzehnten Ensemblemitglied der Rheinoper, ist unter den Opfern des Flugzeugabsturzes in Südfrankreich (die RP berichtete). Generalintendant Prof. Christoph Meyer, den Tränen nahe, berichttete zunächst in einer kurzen Ansprache, das ganze Haus sei momentan in einer "Schockstarre". Insbesondere die Sängerinnen und Sänger, sowohl die Solisten als auch im Chor, befänden sich in einem "emotionalen Ausnahmezustand". Die Klavier-Hauptprobe am Dienstag wurde abgesagt, die öffentliche erste Bühnen-Orchester-Probe am Mittwoch zu einer reinen Orchesterprobe unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Die Premiere am Sonntag findet aber wie vorgesehen statt. Das interessante Werkstattgespräch gestalteten Rheinopern-Generalmusikdirektor Axel Kober und Chefdramaturgin Dr. Hella Bartnig sowie Stefanie Salm als neue Leiterin der Kostümabteilung. Giuseppe Verdis sehr europäische Ägyptenoper "Aida" wurde 1871 in Kairo uraufgeführt. Es geht darin aber weniger um das Land am Nil, sondern vielmehr um den Gegensatz zwischen Pflicht und Neigung, zwischen kriegerischer Macht und alles überwindender Liebe. Am 2. September 1870, gerade als Verdi den berühmten Triumphmarsch schrieb, entschied sich der deutsch-französische Krieg durch die Schlacht von Sédan. Regisseur Philipp Himmelmann, der an der Rheinoper vor einigen Jahren bereits sehr erfolgreich Georg Friedrich Händels Oper "Giulio Cesare in Egitto" ("Julius Cäsar") inszenierte, verlegte die Handlung der "Aida" deshalb in die Entstehungszeit des Stückes. In dem Salon, den die Bühne zeigt, finden sich allerdings Beispiele jener damaligen "Ägyptomanie", die Verdi so sehr ablehnte.

Damit sind wir bei der opulenten Ausstattung von Johannes Leiacker (Bühnenbild) und Gesine Völm (Kostüme), für die Stefanie Salm zwei beeindruckende Beispiele ins Opernfoyer mitgebracht hatte: historische Damenkleider aus Samt für zwei Chorsängerinnen. Für jeden einzelnen Mitwirkenden einer Produktion wird jedes Kostüm maßgeschneidert, bei "Aida" waren das 160. Schwierig werde es, plauderte die Kostüm-Chefin aus dem Nähkästchen, wenn jemand ausfalle oder ein Gast komme: "Dann muss das Kostüm unter Umständen geändert werden. Bei so hochwertigen Materialien sieht man jede Trenn-Naht, das tut dem Stoff auch nicht gut. Wir versuchen das zu vermeiden, indem wir die Sänger gleich nach Maßen casten."

Dirigent Kober wies auf die Vielgestaltigkeit von Verdis Partitur hin. Vor der Pause gibt es Massenszenen, vor deren Hintergrund nach der Pause ein Kammerspiel zwischen vier Figuren abläuft. Was wenig bekannt ist: Der Komponist fand hier zu zukunftsweisenden Klängen, zum Beispiel in der subtilen Verbindung von hohen Streichern und Harfe.

Quelle: RP
 
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