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Duisburg
Schotte geizt nicht mit Qualität

Duisburg: Schotte geizt nicht mit Qualität
Dirigent Rory Macdonald und Solist Sebastian Stevensson (Fagott) konnten gleichermaßen im Philharmonischen Konzert überzeugen. FOTO: Sabine Smolnik
Duisburg. Im jüngsten, dritten Philharmonischen Konzert im Theater am Marientor (TaM) beleuchtete der junge britische Gastdirigent Rory Macdonald erfolgreich den Einfluss von Wolfgang Amadeus Mozart auf die deutsche Romantik. Von Ingo Hoddick

2003, da war der schottische Dirigent Rory Macdonald gerade mal 23 Jahre alt, sprang er über Nacht und ohne Probe für eine Aufführung der Oper "Idomeneo" KV 366 von Wolfgang Amadeus Mozart ein. Das selten gespielte Werk ist seitdem sein "Maskottchen" geblieben. Auch als Gastdirigent im dritten Philharmonischen Konzert im Theater am Marientor (TaM) zeigte der international erfolgreiche Maestro, wie sehr er sich mit dieser Musik identifiziert. Die Ouvertüre und die dazu gehörende geistvolle, auf der Opernbühne aus Zeitgründen meist weggelassene Ballettmusik mit der Köchel-Verzeichnis-Nummer 367 wirkten hier knackig und stilsicher zugespitzt. Die Duisburger Philharmoniker reagierten besonders konzentriert und auch besonders lustvoll.

Das war der Startschuss zu einem klug konzipierten Programm, das den Einfluss von Mozart auf die deutsche Romantik beleuchtete. Der "Freischütz'"-Komponist Carl Maria von Weber war über mehrere angeheiratete Ecken sogar mit Mozart verwandt. Sein dankbares Konzert für Fagott und Orchester F-Dur op. 75 (1811/22) erklang hier zum ersten Mal überhaupt in einem Duisburger Philharmonischen Konzert. Der 1987 im schwedischen Sigtuna geborene Solist Sebastian Stevensson, frisch gebackener Solofagottist der Münchner Philharmoniker, sorgte dafür, dass die von Weber komponierten klanglichen Effekte nicht unfreiwillig komisch wirkten, sondern im besten Sinne virtuos. Seinen edlen Ton zeigte Stevensson auch in seiner Zugabe, dem schwedischen Volkslied "Ack Värmeland, du sköna" (bekannt auch dadurch, dass Bedrich Smetana, der einige Zeit als Kapellmeister in Göteborg wirkte, es sich als Hauptthema seiner "Moldau" auslieh), wobei der Fagottist auf dem eigentlich ja einstimmigen Instrument eine Begleitung in arpeggierten Akkorden imitierte.

Im zweiten Teil gab es das jeweils "mozartischste" Werk von Richard Wagner und Robert Schumann, nämlich das Siegfried-Idyll (1870) beziehungsweise Ouvertüre, Scherzo und Finale E-Dur op. 52 (1841/45). Die Aufführungen erschienen gediegen und gelungen, aber im Vergleich zum Beginn des Abends eher konventionell. Der Beifall war gleichwohl groß, übrigens auch für das seltene Soloinstrument (sogar schon nach dem ersten Satz des Weber-Konzerts). Bereits im ersten Teil hatte es eine sozusagen vorweggenommene Zugabe gegeben. Macdonald hatte aus Großbritannien die herrlich herbstliche "Elegy" op. 58 für Streichorchester (1909) von Edward Elgar mitgebracht, "als Geschenk für Sie alle", wie er dem Publikum in vorzüglichem Deutsch mitteilte. Den philharmonischen Streichern entlockte er noblen Gesang und ihren besten Samtklang.

Quelle: RP
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