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Duisburg
Schwarzer: "Ich sage nichts gegen den Islam"

Erste Vorlesung von Alice Schwarzer in Duisburg
Erste Vorlesung von Alice Schwarzer in Duisburg FOTO: Andreas Probst
Duisburg. Der größte Hörsaal der Duisburger Universität reichte nicht aus, um die Interessenten zu fassen, die Dienstagabend den ersten Vortrag von Alice Schwarzer im Rahmen ihrer Mercator-Professur erleben wollten. Von Peter Klucken

Der Vortrag wurde deshalb live in andere Hörsäle übertragen. Alice Schwarzer sprach Dienstag über "Die Funktion der Gewalt im Verhältnis der Geschlechter". Für Protest im Vorfeld hatte der Titel ihres zweiten Vortrags gesorgt: Am 25. Januar wird die prominente Publizistin und Emma-Herausgeberin im Audimax auf dem Essener Uni-Campus "Über Islam, Islamismus und Integration" sprechen. Der am Tag zuvor in einem Pressegespräch von der evangelischen Pfarrerin Dr. Sabine Plonz und anderen geäußerte Vorwurf, sie reite auf einer "anti-islamischen Welle", wies Alice Schwarzer vor ihrem Mercator-Vortrag energisch zurück.

"Ich habe mich noch nie zum Islam geäußert", sagte Alice Schwarzer. Vielmehr kritisiere sie den politischen Islamismus und dessen Gesetze, die beispielsweise die Steinigung von Frauen bei Ehebruch vorschreiben. Dieses Gesetzbuch habe sie mit Hitlers "Mein Kampf" verglichen, nicht jedoch den Koran, wie ihr bisweilen unterstellt werde. Sie fühle sich grundsätzlich "solidarisch mit der islamischen Welt". Deshalb sei ein Großteil der Kritik, die ihr auch vonseiten der Integrationsbeauftragten der evangelischen Kirche entgegengebracht werde, in ihren Augen haltlos. Alice Schwarzer warnte jedoch vor einer "falsch verstandenen Toleranz".

Das Kopftuch sieht sie allerdings kritisch. Zwar gesteht sie zu, dass einige Muslima das Kopftuch aus rein religiöser Überzeugung tragen. Und in der kommenden Emma-Ausgabe druckt sie auch den Leserbrief einer Kopftuch-tragenden Muslima ab, die keineswegs "die Flagge des Islamismus" hochhalten möchte. Aber generell sieht Alice Schwarzer im Kopftuch ein politisch-islamistisches Symbol, das nach Chomenis Siegeszug im Iran an Kraft gewonnen habe.

Gerne sei sie bereit, mit Zehra Yilmaz, der Leiterin der Begegnungsstätte in der Marxloher Moschee, öffentlich zu diskutieren. In der Fernsehsendung "Menschen bei Maischberger" hatten beide miteinander gestritten. Alice Schwarzer äußerte gestern aber noch einmal ihren Verdacht, dass der anfangs liberale Kurs der Marxloher Moschee-Gemeinde in weniger liberale Strömungen abgedriftet sei.

Auch zu ihrer Berichterstattung über den Kachelmann-Prozess nahm sie auf entsprechende Nachfrage Stellung. Sie wisse auch nicht, ob Kachelmann schuldig oder unschuldig ist. Sie wisse auch nicht, ob die Belastungszeugin lügt. Sie wolle aber an der Unschuldsvermutung nicht nur des Angeklagten, sondern auch an der Unschuldsvermutung der Zeugin festhalten (mehr zum Mercator-Vortrag morgen).

Quelle: RP
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