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Duisburg
Sehr laut, schmutzig und dreckig

Duisburg: Sehr laut, schmutzig und dreckig
Beim Unternehmen TSR handelt es nicht um einen schnöden Schrotthändler, sondern um ein wichtiges Glied in der Wertschöpfungskette und einen unverzichtbaren Zulieferer der Stahlindustrie. Davon konnten sich jetzt die Teilnehmer überzeugen. FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Eine der Touren im Rahmen der "Langen Nacht der Industrie" führt die Teilnehmer auf die Schrottinsel zu TSR Recycling, Die Firma ist viel mehr als nur der größte Schrottplatz Europas. Von Volker Poley

Die Plätze für die Besichtigungstouren im Rahmen der bundesweit organisierten "Langen Nacht der Industrie" sind heiß begehrt. So war es auch in diesem Jahr, als 76 Unternehmen an Rhein und Ruhr ihre Tore öffneten und den Besuchern einen Blick hinter die Kulissen ermöglichten. Dabei haben die Interessenten die Möglichkeit, Industrieunternehmen "im Doppelpack" kennen zu lernen.

In Duisburg konnte man auf diese Weise die Unternehmen Grillo, Thyssenkrupp Steel, DK Recycling und Roheisen, HKM und TSR Recycling besichtigen. Die RP war dabei, als der Bus mit rund 50 Teilnehmern, die anschließend auch noch HKM im Duisburger Süden einen Besuch abstatteten, bei TSR Recycling auf dem mit 130.000 Quadratmeter "größten Schrottplatz Europas" im Duisburger Hafen Station machte. Dass es sich bei TSR aber nicht um einen schnöden Schrotthändler, sondern um ein wichtiges Glied in der Wertschöpfungskette und einen unverzichtbaren Zulieferer der Stahlindustrie handelt, machte Niederlassungsleiter Thorsten Bremer in seiner kleinen Einführung schnell deutlich.

Bevor es auf den Rundgang über die "Schrottinsel" ging, informierte der TSR-Manager bei Brezeln, Kaffee und kühlen Getränken über das europaweit führende Recycling- Unternehmen. Bis 1996 verarbeitete an gleicher Stelle "Thyssen Sonnenberg" die angelieferten Altmetalle, nach der Fusion übernahm TSR Recycling diese Aufgabe. Die TSR- Group beschäftigt aktuell an 140 Standorten in Europa, Russland und China rund 2.500 Mitarbeiter. In Duisburg sorgen insgesamt 60 Beschäftigte - davon 50 im gewerblichen Bereich - dafür, dass monatlich 70.000 Tonnen Schrott umgeschlagen und sieben Millionen Euro umgesetzt werden.

Thorsten Bremer beglückwünschte die Teilnehmer, gerade TKS für ihren Besuch ausgewählt zu haben, denn "mehr Industrie geht nicht". Damit meinte er: "Hier ist es laut, schmutzig, und es stinkt." Davon konnte sich die Gruppe bei der Führung über das Betriebsgelände selbst überzeugen. An der Schredderanlage war zu erkennen, wie aus den Abfällen der Neuwagen-Produktion der Kölner Fordwerke die nicht verwertbaren Bleche der Karosserien zu kleinen kugelartigen Metallteilen geformt wurden, die bei der Stahlproduktion als "Kühlschrott" eine neue Verwendung finden. Der so zerkleinerte Karosserie-Abfall geht zu großen Teilen an die Duisburger Stahlwerke, aber auch an die Badischen Stahlwerke und in die Türkei und in die USA. Aber auch die riesige Stahlschneidemaschine, die den rückstandsfrei zu verarbeitenden Schrott so zerkleinert, dass daraus "handliche" Pakete als Hochofen-Beigabe geformt werden können, machte unter anderem wegen ihrer Dimension mächtig Eindruck.

Ob die Besucher ihre entsorgten Wäscheständer oder Waschmaschinen auf dem Berg vor der Schredder-Anlage für den Normal-Schrott wieder erkannten, blieb unklar. Jedenfalls verrichten die Hämmer der Riesenanlage auch dort ganze Arbeit. Imposant war das "Feuerwerk", dass es auf dem Schneideplatz zu bestaunen gab. Hier werden die großen Stahlteile - bis hin zu Schienen und Waggons - mit leistungsstarken Schneidbrennern in Handarbeit zerteilt. Dazu gehören vermehrt Stahlträger des in Bochum abgerissenen Opel-Werkes, die auf diese Weise wieder einer neue Verwendung zugeführt werden.

TSR-Regionalleiter Marcel Schilling, der seinen vierjährigen Sohn Bennet an dem Schauspiel teilhaben ließ, freute sich über das große Interesse an seinem Unternehmen: "Wir wollen einfach zeigen, wie viel hinter unserer Arbeit steckt. Das alles den Leuten nahe zu bringen, ist uns schon wichtig."

David Mertens aus Buchholz war froh, einen der begehrten Plätze ergattert zu haben: "Das ist alles hochinteressant und faszinierend, da habe ich mich wohl für die richtige Tour entschieden."

Die TRS- Group ist in Europa führend im Recycling von Metallen. Das Leistungsangebot beinhaltet die Erfassung und Aufbereitung, Handel sowie Dienstleistungen wie Demontage und Industrieservice.

Quelle: RP
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