| 16.09 Uhr

Duisburg
Rennen im Rausch der Geschwindigkeit

Seifenkistenrennen 2015 in Duisburg
Seifenkistenrennen 2015 in Duisburg FOTO: Andreas Probst
Duisburg. Die Deutsche und die Europameisterschaft der Seifenkistenfahrer wurden am Wochenende am Alsumer Berg ausgetragen. Die Stimmung bei Fahrern und Zuschauern war hervorragend. Von Jonas Schlömer

Eigentlich war der Sommer schon zu Tür hinaus, doch gestern gönnte er Duisburg noch mal einen warmen Tag. Besonders freute das das Team und die Gäste des Seifenkisten-Derbys auf der Alsumer Straße. Obwohl auf der 325 Meter langen Rennbahn am Wochenende sowohl die 17. Europameisterschaft als auch die 67. Deutsche Meisterschaft der Seifenkistenpiloten ausgetragen wurde, stand der Rennsonntag vor allem im Zeichen des "Fun-Cups".

Während sich die kompetitiven Fahrer an den zahlreichen Imbissbuden eine Auszeit gönnten, schossen die Teilnehmer des Fun-Cups die Strecke hinunter. Den besonderen Wettbewerbsmodus erklärte Jürgen Dietz von DuisburgSport. "Die Zeiten der beiden Fahrer sollen so nah wie möglich beieinander sein", so Dietz, "schließlich geht es in diesem Wettbewerb ja eher um die Originalität der Boliden". Von der konnten sich die Zuschauer am Streckenrand überzeugen. Wer aber auf die vielen kleinen Details achten wollte, war im Fahrerlager hinter der Startstation bestens aufgehoben. Passend zum industriellen Umfeld zog dort beispielsweise eine Kohlenlore die Blicke auf sich - komplett mit Pappmaché-Kohle und zwei Lautsprechern, die unaufhörlich das Steigerlied spielten. Im selben Lauf fuhr auch ein VW Bully, der war allerdings ein ganzes Stück kleiner als sein motorisiertes Vorbild, dafür aber auch wesentlich umweltfreundlicher. Neben privaten Bastlern war auch die Stadt Duisburg mit vielen Boliden vertreten. Die Stadtsparkasse brachte eine Sparschwein-Seifenkiste an den Start, die Wirtschaftsbetriebe fuhren mit einem "Myllianer"-Auto, bekannt aus der Imagekampagne des städtischen Unternehmens, und Thyssen-Krupp schickte gleich mehrere Rennwagen in die Startblöcke - selbstgeschweißt selbstverständlich, wie es sich für ein Stahlunternehmen gehört. Wie auch die "normalen" Seifenkisten, sorgten die Teilnehmer für viel Freude bei Jung und Alt.

VW Bully gegen Kohlenlore, die ununterbrochen das Steigerlied spielte - wer war da wohl am Ende schneller? Egal, beim "Fun Cup" kam es auf die Originalität an, und da waren diese beiden Gefährte sicher nicht schlecht. FOTO: Andreas PRobst

Während sich die älteren Semester an Seifenkistenrennen in den 60-er Jahren erinnerten, kamen die jungen Besucher aus dem Staunen kaum heraus. Dass Rennsport-Fans vor allem Männer seien, widerlegten die vielen weiblichen Zuschauer- und Fahrerinnen eindrucksvoll - der Rausch der Geschwindigkeit ist unisex.

Brigitta Friedrich vom Deutschen SeifenKisten Derby e.V. (DSKD) freute sich, abseits der Rennen, über die gute Atmosphäre. "Alles läuft sehr harmonisch ab, wir haben die tolle Industriekulisse vor Ort und so tolle Zuschauertribünen hat man auch nur in Duisburg". Der Rennsamstag habe etwa 1500 Besucher an die Rennstrecke gebracht, ergänzte Jürgen Dietz, der Sonntag sei erfahrungsgemäß sogar noch frequentierter. Die weitgereisten, teils internationalen Teams waren ebenso begeistert von der Organisation des Wettbewerbs. Aus Berlin oder Nürnberg kamen die Rennfahrer, das "Supporter-Team" von Jungfahrer Tom Brittner sogar aus Luxemburg. Obwohl Brittner seine drei Läufe nur als "ganz gut" einschätzte, hatte er den Titel des Landesmeisters schon sicher - einen anderen Teilnehmer aus Luxemburg gab es nicht.

Duisburg: Seifenkistenrennen am Alsumer Berg 2014 FOTO: Christoph Reichwein

Von den teils knappen Zieleinläufen bekam Hans Willi Baumgarten zunächst nichts mit. Der Düsseldorfer stand oben am Fahrerlager, um sein technisches Know-how im Gespräch mit den Fahrern auf Vordermann zu bringen. "Ich bin schon immer großer Rennsportfan gewesen", erzählte Baumgarten, "aber obwohl auch schon mal in meiner Nachbarschaft gefahren wurde, habe ich noch nie ein Rennen gesehen". Von denen gab es am Wochenende reichlich, doch vor allem die großartige Stimmung und das angenehm-entspannte Rahmenprogramm lassen hoffen, dass der DSKD sich noch öfter für Duisburg als Austragungsort entscheidet.

Quelle: RP
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