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Duisburg
SEK bewacht Rocker

"Bandido"-Prozess: Großes Polizeiaufgebot in Duisburg
"Bandido"-Prozess: Großes Polizeiaufgebot in Duisburg FOTO: ddp
Der Auftakt zum Bandido-Prozess sorgte am Donnerstag für einen Belagerungszustand in der Innenstadt. Mehrere hundert Polizisten sorgten für die Sicherheit. Die Anklage konnte aber noch nicht verlesen werden. Von Christian Schwerdtfeger und Mike Michel

Seltener Besuch in der "Currybar” im CityPalais: Gleich zehn Ortschefs der Rockergang "Hells Angels” nahmen dort gestern MIttag Platz. Mitten unten den martialisch aussehenden Männern in ihren "Kutten” ein kleiner Mann ganz in Schwarz, die langen silbergrauen Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden. Es ist Rechtsanwalt Rüdiger Böhm, der zusammen mit einem Frankfurter Kollegen die Verteidigung des 31-jährigen Duisburgers übernommen hat, der am 8. Oktober einen ein Jahr älteren "Bandido” aus einem Auto heraus vor dem "Fat Mexican” auf der Charlottenstraße erschossen haben soll.

Bizarres Bild im Gerichtssaal

Die Abordnung in der "Currybar” wird flankiert von etwa 30 Kräften einer Einsatzhundertschaft der Polizei. Zuvor war der 31-jährige Angeklagte in Handschellen in den Saal geführt worden. Der Nacken und die Arme des 31-Jährigen sind tätowiert, er trägt ein rotes T-Shirt mit der Aufschrift "Hells Angels Hannover”. Er wirkt äußerlich gelassen, grüßt seine "Hells Angels”-Freunde auf den Zuschauerbänken mit einem lässigen Handzeichen. Jeweils zehn Mitglieder der "Bandidos” und "Hells Angels” sind als Zuschauer zugelassen worden. Streng bewacht von SEK-Beamten sitzen die beiden Gruppen getrennt voneinander ­ dahinter auch einige Besucher, die am Eingang Zugangskarten bekommen hatten.

Angeklagter zeigt erhobenen Daumen

Rechtsanwalt Böhm sorgt mit seinen Anträgen und Rügen dafür, dass der erste Prozesstag über die Klärung von Formalien nicht hinausgeht. Der Staatsanwalt kommt nicht dazu, die Anklage zu verlesen, Zeugen werden nicht gehört. Am Ende rügt Böhm, dass ein Präsidiumsbeschluss zur Ernennung eines Ersatzrichters und von Ersatzschöffen zu diesem Verfahren nicht rechtens sei. Darüber wird das Gericht nun befinden müssen, bevor der Prozess am kommenden Mittwoch fortgesetzt wird. Der Angeklagte nahm dies feixend und mit erhobenem Daumen zur Kenntnis. "Wir hatten abgesprochen, dass die beiden Rockergruppen mit einer kleinen Abordnung anreisen würden, um den Prozess zu beobachten”, erklärte Polizeidirektor Rainer Blaudzun, der als Einsatzleiter fungierte. Aus Sicht der Polizei habe es keine besonderen Vorkommnisse gegeben.

Freundin des Angeklagten soll als Zeugin aussagen

Mit Spannung wird an den nächsten Prozesstagen auch die Aussage der Ex-Freundin des Angeklagten erwartet. Motiv der Tat könnten Streitigkeiten um die Frau gewesen sein, die den Angeklagten verlassen und eine Beziehung mit dem späteren Opfer eingegangen sein soll. Sie ist durch ein Zeugenschutzprogramm abgeschottet, ihr Aufenthaltsort nicht bekannt. Zunächst einmal aber muss der Staatsanwaltschaft die Anklage verlesen.

Der Anwalt des Angeklagten wollte gestern noch nichts zu seiner weiteren Prozessstrategie sagen. Beobachter halten es für denkbar, dass er auf Notwehr plädiert. Die Szenerie wird an den nächsten Prozesstagen ähnlich sein wie gestern: Polizisten in schusssicheren Westen und mit gezogenen Maschinenpistolen stehen am König-Heinrich-Platz, Übertragungswagen des Fernsehens sind vor Ort. Hunderte schwerbewaffnete Polizizisten haben sich vor dem Gericht postiert, um zu verhindern, dass es zwischen den verfeindeten Rockergruppen "Bandidos” und "Hells Angels” zu Krawallen kommt. Ein Polizeihubschrauber kreist über der Innenstadt. Die ganze Innenstadt ist von der Polizei und Beamten des Sondereinsatzkommandos abgeriegel

 
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