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Duisburg
Simone Solga - die Kanzlersouffleuse

Duisburg. Jedes Jahr gastiert in der Mayerschen Buchhandlung ein prominenter Kabarettist, als Benefizveranstaltung zugunsten der Obdachlosenhilfe des Diakoniewerkes Duisburg (die RP berichtete). Jetzt war es vor vollem Haus die Kabarettistin Simone Solga ("großes S, kleine Olga"), geboren 1963 in Jena und ausgebildet (zunächst als Buchhändlerin, dann als Schauspielerin) in Leipzig. Von Ingo Hoddick

Solga tritt auf als "Kanzlersouffleuse", also angeblich als Sprachrohr und Vertraute von Angela Merkel. Ihr Programm "Im Auftrag ihrer Kanzlerin" schildert Deutschland als Hölle aus verdreckten Schultoiletten und Funktionsjacken. Die Politik und die Infrastruktur gehen den Bach runter. Bundesinnenminister Thomas de Maizière wird von der Kanzlerin per Smartphone ferngesteuert ("der sagt sowieso nie mehr als 140 Zeichen"), er unterscheidet sich von Horst Seehofer dadurch, dass de Maizière viel weiß, aber wenig sagt. Die SPD hat sich das letzte Mal dem Druck der Straße gebeugt, als Rudolf Scharping über seinen Fahrradlenker fiel. "Sind Sie schon mal mit dem Auto von Berlin nach Duisburg gefahren? Ich als Ossi hätte nie gedacht, dass mich die Schlaglöcher mal einholen. Dafür bin ich nicht '89 hinter der Gardine gestanden." Es könnten aber ruhig noch ein paar Millionen Flüchtlinge kommen: "Wir schaffen das. Eskalieren wird die Situation erst, wenn die alle einen Telekom-Anschluss beantragen."

Da bleibt kein Auge trocken, wenn Simone Solga in ihrer Handtasche "ein Pfefferspray und einen Willkommens-Teddy" hat, wenn sie einen Besucher in der ersten Reihe auffordert, sie zu begrapschen ("ich sage bewusst ,Täter' und nicht ,Araber' oder ,Nordafrikaner' - wir wissen ja eh, wer gemeint ist") oder erzählt, wie sie ihren neuen Elektroschocker an ihrem Mann ausprobierte. Letztlich hatte sie für uns Duisburger, die "gar nicht so depressiv aussehen, wie sie sollten", eine wichtige Nachricht: "Ich bin heute zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass Ihre Ausreise... nach meinen Informationen ist das unverzüglich..." Duisburg solle für Flüchtlinge geräumt und in Abu Dhabi wiederaufgebaut werden. Die Scheichs hätten in ihrer Sammlung noch keine heruntergekommene Industriestadt.

Quelle: RP
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