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Duisburg
So geht Opern-Komödie heute

Duisburg: So geht Opern-Komödie heute
Das "Liebestrank"-Paar: Luiza Fatyol als Adina und Georgy Vasiliev als Nemorino. FOTO: hans-jörg michel (dor)
Duisburg. Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg übernahm ihre erfolgreiche Produktion des heiteren Meisterwerks "Der Liebestrank" von Gaetano Donizetti jetzt in ihr Duisburger Haus. Als Adina debütierte Luiza Fatyol. Von Ingo Hoddick

Wie war das noch mal mit der Wirkung von Alkohol? "Er bremst die Hirnzentren, welche die Angst steuern, und vermindert so die Aufgeregtheit, wenn man sich jemandem nähern möchte", klärt uns der Experte Richard Alan Miller auf und fährt fort: "Kleine Mengen, wie sie etwa bei gesellschaftlichen Anlässen eingenommen werden, lockern die Hemmungen genügend, um des öfteren zu einer zeitweiligen Erhöhung der Libido zu führen, vor allem bei gehemmten Menschen."

Das Zitat stammt aus dem jüngsten Programmheft der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg, die jetzt ihre erfolgreiche Produktion des heiteren Meisterwerks "L'elisir d'amore" ("Der Liebestrank", 1832) von Gaetano Donizetti in ihr Duisburger Haus übernahm. Noch einmal kurz zur Handlung: Der junge Nemorino ist seit langem in Adina verliebt, die jedoch unerreichbar erscheint. Als die Gefahr droht, dass sie den eitlen Offizier Belcore heiraten könnte, gibt Nemorino sein ganzes Vermögen für einen angeblichen Liebestrank des Quacksalbers Dulcamara aus. Nach vielen Verwirrungen findet das Paar schließlich zusammen, der arme Nemorino kommt wieder zu Geld - und niemand hat gemerkt, dass in der Flasche mit dem Liebestrank nur Wein war.

Der in Andorra geborene Regisseur Joan Anton Rechi, hier bereits bewährt durch seine Inszenierungen der Operette "Die Csárdásfürstin" von Emmerich Kálmán und der Oper "Werther" von Jules Massenet (die RP berichtete), fasste Donizettis "Liebestrank" als eine Art südlichen "Sommernachtstraum" auf, wobei Dulcamara eine ähnliche Rolle spielt wie Puck bei Shakespeare: durch ihn kommt der Liebestaumel in Fahrt.

Rechi verlegte die Handlung auf eine mediterrane Hochzeit, die Adina für ihre hochschwangere beste Freundin Giannetta ausrichtet und bei der Nemorino kellnert. Der Himmel hängt hier voller Gläser, genau genommen sind es 3432 Kunststoff-Exemplare, die mal Glöckchen sind, mal Tränen, Champagnerpokale oder Lichtmedien.

Das ist mit viel Witz und Liebe zum Detail gemacht, das enthält auch mal eine Tortenschlacht - aber nur als Hinweis darauf, dass dieses Stück eigentlich keinen Klamauk nötig hat. Das hat viel Farbe und Licht, das schenkt jedem einzelnen Mitglied von Opernchor und Statisterie noch eine Rolle und Genreszene - etwa jene Tante, die sich beim Bankett nur noch selbst abfüllt, während der Onkel mit der Dame am Nebentisch flirtet.

So geht Opern-Komödie heute, und auch musikalisch ist das sensationell. Vor allem zu vermerken ist das epochale Rollendebüt der jungen rumänischen Sopranistin Luiza Fatyol. Ihre Adina blüht nicht nur stimmlich (und darstellerisch), sie führt auch die Dimensionen dieses Charakters vor, die Entwicklung von der kapriziösen Intrigantin zur wahrhaft Liebenden. Auch der junge russische Tenor Georgy Vasiliev ist hier erstmals als Nemorino zu erleben. Schade, dass seine sonst so sichere und klangschöne Stimme ausgerechnet in der bekannten Romanze "Una furtiva lagrima" zu brechen drohte..

Für die erforderliche Mischung aus Humor und Tiefgründigkeit stehen aber auch die drei anderen Solisten: als größenwahnsinniger Belcore der litauische Bariton Laimonas Pautienius, als goldener Placebo-Verkäufer Dulcamara der Schweizer Bassbariton Bruno Balmelli und als hyperventilierende Giannetta die junge georgische Sopranistin Anna Tsartsidze aus dem Opernstudio. Der Chor der Rheinoper und die Duisburger Philharmoniker wirken besonders motiviert, denn der neue Rheinopern-Kapellmeister Giuliano Betta bringt Donizettis Partitur zum Sprechen und überhaupt zum prallen Leben.

Quelle: RP
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