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Duisburg
Sonderinventur auf der Steinhof-Bühne

Duisburg. Das westfälische Kabarett-Trio "Storno" trat am Samstag bereits zum zweiten Mal im Huckinger Steinhof auf. Es wurde ein hochkarätiger und kurzweiliger Abend. Von Volker Poley

Im Münsterland und in Ostwestfalen sind die Vorstellungen mit Harald Funke, Thomas Philipzen und Jochen Rüther regelmäßig ausverkauft. Unter dem Namen "Storno" rechnen die drei Kabarettisten regelmäßig mit dem politischen und gesellschaftlichen Zeitgeschehen auf ihre spezielle und unnachahmliche Weise ab. Mit ihrem Programm "Die Sonderinventur" wagen sich die drei Protagonisten besten politischen Kabaretts seit geraumer Zeit auch auf die Bühnen außerhalb ihrer westfälischen Heimat.

Ihre pfiffige und hochintelligente Analyse der politischen Szene, verbunden mit einer beeindruckenden Musikalität, sorgte zuletzt auch bei den Ruhrfestspielen für Begeisterung. Anfang des Monats war "Storno" zudem in der WDR-Kult-Satiresendung "Mitternachtsspitzen" zu Gast. Als die drei die Bühne betraten und ihr Programm mit dem Satz "Dann wollen wir mal schauen, was in er Welt so los ist" einleiteten, war das gleichzeitig der Startschuss zu einem furiosen Kabarettabend, der keine Wünsche offen lies. Zu Beginn gab es einen kleinen Rückblick, als Funke, Philipzen und Rüther - auch musikalisch - an John Lennon erinnerten, der im vergangenen Jahr 75 Jahre alt geworden wäre. Da sich auch sein Todestag zum 35. Mal jährte - Lennon fiel 1980 einem Attentat zum Opfer - könne man durchaus von einem "Doppeljubiläum" sprechen, wie Thomas Philipzen mit ziemlich schwarzem Humor anmerkte.

Den umgetexteten Mega-Hit "Let It Be" widmeten die Storno-Kabarettisten der unter Druck geratenen Angela Merkel. Die Meinung, dass "Merkels Stuhl wackelt", wollte Harald Funke so nicht gelten lassen: "Angie hat einen sehr harten Stuhl!". Damit war man mitten drin in der derzeit aufgeregten bundespolitischen Landschaft. Die SPD bezeichnete man wenig schmeichelhaft als das "Werder Bremen der Parteien", die von pubertierenden alten Männern ("meinungsstark und ahnungslos") angeführte AFD sei genau das "Gegenteil von Kinderschokolade", die im Gegensatz zur Partei "außen braun und innen weiß" sei. Scharfsinnig nahm man auch das von der CSU im Zuge der Islam-Diskussion immer wieder gern thematisierte Frauenbild zum Anlass, um darauf hinzuweisen, dass der Bundestag erst im Jahr 1997 die Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe gestellt hat. "Horst Seehofer hat damals dagegen gestimmt", schob Jochen Rüther trocken nach. Satirisch genial bearbeiteten die Ostwestfalen auch noch mal das deutsche Fußball-Sommermärchen aus dem Jahr 2006. Den ins Gerede gekommenen Franz Beckenbauer bezeichneten sie in dem Zusammenhang als "eine Lichtgestalt mit Energie-Sparlampe" und den Ex-DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach als "Tor des Monats". Dass "Kaiser Franz" für seine "ehrenamtliche" Tätigkeit rund 5,5 Millionen Euro erhalten habe, sei durchaus positiv zu sehen. Harald Funke verschmitzt: "Eine bessere Werbung für das Ehrenamt kann es gar nicht geben." Dass das "Storno-Trio" gerne wiederkommen darf, bewies der lang anhaltende Beifall, der den hochkarätigen und kurzweiligen Kabarettabend furios beendete.

Quelle: RP
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