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Duisburg
Soziales Engagement wird schwieriger

Duisburg: Soziales Engagement wird schwieriger
Das Programm zur Neuaufstellung der Duisburger Sparkasse ist für Dr. Joachim Bonn richtungsweisend. Inzwischen trägt er die Inhalte auch bei anderen Sparkassenorganisationen außerhalb der Stadt vor. FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Die Niedrigzinsphase bedeutet für die Duisburger Sparkasse besondere Herausforderungen. Sie hat sich selber eine Diät verordnet. Von Hildegard Chudobba

Ohne die Sparkasse Duisburg gäbe es im Zoo keine Kinder-Erlebniswelt, keine Schülerpartys zu Ferienbeginn und vor allem: viele Vereinigungen und Vereine könnten ohne den Unterstützungs-Scheck von der Königstraße einpacken. "Wir sind uns unserer sozialen Verantwortung voll bewusst", sagt Dr. Joachim Bonn. Doch zugleich verhehlt der Sparkassen-Chef nicht, "dass es immer schwieriger wird, das Niveau zu halten". Banken wie Sparkassen erwirtschaften ihre Überschüsse, indem sie Kundengelder gewinnbringend anlegen und Kredite vergeben. Angesichts der historischen Niedrigzinsphase wird dies immer schwieriger.

Und ein Ende ist nicht in Sicht. Seinen Kunden drohe allerdings (noch) nicht, dass sie Strafzinsen bezahlen müssten, wenn sie ihr Geld bei der Sparkasse anlegten, so Bonn. Doch einem Kunden, der einen höheren Millionenbetrag auf seinem Konto "parken" wollte, habe er schon ins Gewissen geredet. Denn für die Sparkasse bedeute dies aktuell Verluste statt Gewinne.

Bislang haben es Dr. Bonn und seine Vorstandskollegen jedes Mal geschafft, dass am Ende des Geschäftsjahres eine Überweisung an die Stadtkämmerin geleistet werden konnte und auch noch Geld übrig war, um soziale Projekte zu fördern. Damit sich das nicht ändert, laufen seit 2015 Vorbereitungen für ein Vertriebs- und Standortkonzept, das bis 2022 umgesetzt wird.

Er habe nicht damit gerechnet, dass zum Beispiel die Ankündigung, sich in der Fläche künftig schlanker aufzustellen, auf so viel Verständnis bei den Kunden gestoßen ist, bekennt Bonn. "Wir haben uns wirklich sehr viel Mühe damit gegeben, das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen und die Notwendigkeit der Veränderungen zu erklären", lobt er den Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Andreas Vanek und dessen Team. Gerade erst gab es zum Beispiel ein Treffen mit sämtlichen Bürgervereinen der Stadt, denen ebenso wie vorher schon den interessierten Parteien die Gründe und Hintergründe dafür erläutert worden waren, warum es künftig weniger Geschäftsstellen geben wird.

"Der finanzielle Aspekt steht dabei nicht einmal im Vordergrund", so Bonn. Wohl aber das veränderte Kundenverhalten. Bankgeschäfte würden zunehmend am heimischen Computer abgewickelt und nicht mehr am Schalter in der Filiale. Um auch weniger technisch versierten oder älteren Kunden nicht zu viel Gewohntes wegzunehmen, wird die Sparkasse in Kürze einen Spezialbus kaufen, der dort im Einsatz ist, wo es künftig keine Filiale mehr gibt.

Die ersten Maßnahmen zur Umsetzung der selbst verordneten Diät laufen schon auf Hochtouren. Diese Diät wird allerdings mit einem Investitionsbudget von 30 Millionen Euro kombiniert.

Im kommenden Jahr wird in Bergheim ein neues Kundencenter eröffnet, bis 2022 wird am Sittardsberg eine neue "Stadtteilzentrale" gebaut. Ähnlich Großes wird z. B. in Hamborn entstehen. Im Gegenzug werden kleinere Geschäftsstellen aufgegeben, das Angebot an SB-Stellen mit Geldausgabeautomaten, Kontoauszugsdruckern und Überweisungsterminals aber ausgeweitet.

Etwa ein Drittel des für die nächsten Jahre prognostizierten Ertragsrückgangs könnte auf diesem Wege kompensiert werden, ein weiteres Drittel werde erwirtschaftet mit internen Maßnahmen, von denen die Kunden nichts mitbekommen. "Aber das letzte Drittel werden wir zunächst nicht zurückholen können", befürchtet Duisburgs Sparkassenchef.

Mit dem Programm zur Neuaufstellung der Duisburger Sparkasse hat Dr. Bonn auch regional und überregional Beachtung gefunden. Viele Sparkassenorganisationen außerhalb der Stadt luden ihn ein, damit er das Programm erläutert und erklärt. "Ich glaube, viele meiner Kollegen waren erleichtert, weil ich ihnen erzählen konnte, dass die meisten Kundinnen und Kunden Verständnis haben, dass man auf Veränderungen eben reagieren muss."

Quelle: RP
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