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Duisburg
Sparpläne treffen den Standort Duisburg hart

Duisburg: Sparpläne treffen den Standort Duisburg hart
Der Stahlstandort im Duisburger Norden. Die Beschäftigten bangen hier um ihre Zukunft, weil die Sparpläne des Konzerns auch Duisburg treffen. FOTO: thyssenkrupp
Duisburg. Auch der Duisburger Thyssen-Standort könnte von den angekündigten Stellenstreichungen betroffen sein. Die örtliche IG-Metall geht davon aus, dass die bestehende Sanierungsvereinbarung Bestand hat. Von Tim Harpers

Die angekündigten Stellenstreichungen bei Thyssenkrupp in der Verwaltung könnten nach Ansicht vom Betriebsratsvorsitzenden für die Stahlsparte Günther Back auch Auswirkungen auf den Standort Duisburg haben. "In der Ankündigungen war von 400 bis 600 Stellen in der Stahlsparte die Rede", sagte Back unserer Redaktion. "Da in Duisburg auch die Verwaltungseinheiten für die anderen Standorte in Deutschland sitzen, besteht die Befürchtung, dass ein großer Teil der von der Streichung bedrohten Stellen im Stahlbereich auf Duisburg entfallen könnte."

Am Dienstagnachmittag hatte der Konzern angekündigt, ein neues Sparprogramm auflegen zu wollen, das vor allem die Verwaltung des Unternehmens betrifft: Bis zu 2500 Stellen in den Büroetagen sollen bis zum Ende des Geschäftsjahres 2019/2020 weltweit gestrichen werden.

Als Ergebnis sollen 400 Millionen Euro der bisherigen jährlichen Verwaltungskosten von 2,4 Milliarden Euro wegfallen. Etwa die Hälfte der Stellen sollen in Deutschland gestrichen werden, darunter 400 bis 600 Stellen in der Stahlsparte (die RP berichtete gestern).

Wirklich überrascht war Back indes nur von der angekündigten Größenordnung der Sparmaßnahmen. "Es war damit zu rechnen, dass da etwas auf uns zukommt", sagte er. "Der Konzern hatte ein Maßnahmenpaket angekündigt." Erstaunt sei er aber über die aufgerufene Größenordnung im Personalbereich und die Betroffenheit der Stahlsparte gewesen. "Ich halte das für nicht nachvollziehbar. Es gibt bereits ein bis 2021 laufendes Restrukturierungsprogramm für den Stahlbereich, das einen Stellenabbau vorsieht". Jetzt weitere Maßnahmen anzukündigen, halte er für schwierig. "Die Schlagzahl kommt mir sehr hoch vor."

Gewerkschafter und Betriebsräte in Duisburg reagierten mit Überraschung auf die Mitteilung des Gesamtkonzerns. "Es war zwar klar, dass etwas auf uns zukommt", sagte Werner von Häfen, Betriebsratsvorsitzender des Werkes in Hüttenheim. "Auch die Zahl von 400 Millionen Euro stand schon im Raum, doch wir wussten noch nicht, was das konkret für den Personalbereich bedeutet." Über die Auswirkungen für den Standort Duisburg konnte Häfen noch keine Auskunft geben. Heute um 12 Uhr soll der Gesamtbetriebsrat in Hamborn zusammenkommen, um über das weitere Vorgehen in der Sache zu beraten. "Danach wissen wir mehr." Auch der stellvertretende Vorsitzende der Duisburger IG Metall Thomas Kennel wurde durch die Mitteilung überrumpelt. "Wir waren etwas überrascht", sagte er. "Wie sich die Ankündigung auswirken wird, dahinter steht für uns ein großes Fragezeichen." Fest stehe, dass es das bis 2021 laufende Restrukturierungsprogramm gebe. "Diese Vereinbarung schließt betriebsbedingte Kündigungen aus. Wir gehen davon aus, dass sie auch weiterhin Gültigkeit hat."

Die für Duisburg zuständige Niederrheinische Industrie- und Handelskammer verweist auf die überragende Bedeutung von Thyssen für den Duisburger Wirtschaftsstandort. "Rund 18.500 Menschen in der Region sind im Stahlbereich beschäftigt. Außerdem hängen mehr als 100.000 Arbeitsplätze indirekt mit der Stahlproduktion zusammen", sagt Ocke Hamann, Industrieexperte bei der IHK. Politisches Ziel müsse es deshalb sein, die Stahlstandorte in der Region zu sichern.

Von seinem Urlaubsort meldete sich auch Oberbürgermeister Sören Link. Er schreibt: "Wir sind in großer Sorge über die Nachrichten, die uns zum Thema Stellenabbau bei TKS erreichen. Duisburg ist Deutschlands größter Stahlstandort - und das soll auch so bleiben. Die derzeitige, ungewisse Situation ist für die Kolleginnen und Kollegen unglaublich belastend."

Quelle: RP
 
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