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Lokalsport
Die ganz andere Seite der Geschichte

Lokalsport: Die ganz andere Seite der Geschichte
Den Pfiffen und Beschimpfungen getrotzt: Feilx Handschke. FOTO: imago sportfotodienst
Handball. Handball, Dritte Liga: Die OSC Löwen bringen nach dem 22:22 einen wichtigen Punkt aus Neuss mit. Pfiffe gegen den Ex-Löwen und jetzigen Neusser Felix Handschke während des gesamten Spiels von den Anhängern der Gäste-Mannschaft. Von Dirk Retzlaff

Der Mann des Abends? Wer fünf Sekunden vor dem Spielende mit einem Siebenmeter-Tor einen im Abstiegskampf überlebenswichtigen Punkt sichert, ist prädestiniert für diese Rolle. Das war am Samstag Michael Heimansfeld, der den OSC Löwen Duisburg beim 22:22 (8:10) beim Neusser HV ein Remis bescherte, das neue Hoffnung auf den Klassenerhalt nährt.

Konkurrent Gladbeck verlor gleichzeitig, die OSC Löwen können am nächsten Sonntag die Westfalen mit einem Sieg im direkten Duell überholen. Doch im Blickpunkt stand in der Hammfeldhalle Felix Handschke. Aus Duisburger Sicht die personifizierte Begründung für den Absturz der OSC Löwen in der Rückrunde. Dieses Bild hat sich vor allem in den Köpfen der Fans fest eingebrannt: Handschke, der Spieler, der das Team mit seinem Wechsel im Winter in der Stunde der Not im Stich ließ. Die OSC-Fans begleiteten jeden Ballkontakt des 24-Jährigen mit Schmährufen und Pfiffen. "Ich habe Verständnis für die Fans. Ein Spieler muss damit in dieser Situation rechnen", sagte OSC-Trainer Jörg Förderer.

Und Handschke selbst? "Ich kann die Fans verstehen", so auch der Spieler, der den Satz aber anders als sein Ex-Trainer fortführte: "Die Fans kennen ja nicht die gesamte Geschichte." Natürlich gibt es auch die andere Seite der Medaille, die die OSC Löwen nicht beleuchteten, auch weil Neuss und Duisburg im Januar gegenseitiges Stillschweigen über die Wechselmodalitäten vereinbart hatten. Trotzdem sind Details, etwa über die Ablösesumme, durchgesickert.

Vor dem Anpfiff umarmten Duisburger Spieler ihren Ex-Kollegen, nach dem Match tranken sie zusammen Bier. Am Neusser Mannschaftsessen nahmen nach der Partie auch einige Spieler der OSC Löwen teil. Handschke, den NHV-Trainer René Witte in den Tagen vor der Partie bereits mental auf das Rheinhauser Pfeifkonzert vorbereitet hatte, hielt sich zu Details des Wechsels bedeckt, verwies aber auf eine "schon längere Unzufriedenheit" bei den OSC Löwen. "Ich hatte mehrfach angemerkt, dass wir mehr machen müssten - etwa die Dinge mit mehr Ernst angehen." Handschke erzielte gegen die OSC Löwen nur zwei Treffer, konnte nach eigenem Bekunden mit den Pfiffen aber gut umgehen: "Das hat mich eher noch angespornt." Neuen Ansporn haben auch die OSC Löwen gewonnen. In der 57. Minute lagen sie in Neuss noch mit drei Toren zurück, kämpften sich dann aber doch noch einmal erfolgreich heran.

Den finalen Siebenmeter holte Sebastian Janus bei einem Wurfversuch sieben Sekunden vor Schluss heraus. Michael Heimansfeld, mit zwölf Treffern überragender Torschütze der Gäste in der Neusser Hammfeldhalle, zeigte Nerven aus Stahl und verwandelte zum Ausgleich sowie zum gleichzeitigen Endstand.

Nach dem Abpfiff in der Neusser Halle tanzten die Duisburger Spieler noch lange ausgelassen im Kreis und feierten das späte Remis fast wie einen Sieg.

Quelle: RP
 
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