3:3-Unentschieden

Bayer enttäuscht im Test gegen Duisburg

Bayer 04 und Zweitligist MSV Duisburg haben sich in einem Testspiel 3:3 (1:2) getrennt. Stefan Kießling, Karim Bellarabi und Leon Bailey erzielten die Tore für die insgesamt enttäuschende Werkself. Von Sebastian Bergmannmehr

Bilderserien MSV


Im Schatten von Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 kämpft der MSV Duisburg schon seit einigen Jahren mit dem VfL Bochum darum, wer die Nummer drei im Ruhrpott ist. Im laufenden Jahrhundert hatten die Bochumer meist die Nase vorn. Die Duisburger mussten mehrfach den Gang in die 2. Bundesliga, zweimal sogar in die 3. Liga antreten – sei es aus sportlichen oder wirtschaftlichen Gründen. Auch nach dem Wiederaufstieg in die zweite Liga im Jahr 2017 ist die finanzielle Situation des Vereins angespannt. Eines bleibt allerdings: Die Hoffnung auf erstklassigen Fußball, den der MSV Duisburg in seiner langen und traditionsreichen Historie bereits eindrucksvoll gezeigt hat.


Der MSV Duisburg als Gründungsmitglied der Bundesliga


Schüler und Studenten waren es, die die Gründung des Meidericher Spielverein 02 e.V. Duisburg, wie der Klub seit 1967 offiziell heißt, eingeleitet haben. Nach einigen Zusammenschlüssen mit anderen Vereinen und den Anfangsjahren in diversen Bezirksklassen sollte die glorreiche Zeit des MSV Duisburg nach dem Ende des zweiten Weltkriegs beginnen. Ganz großer Jubel herrschte erstmals, als die Zebras, wie die Duisburger Mannschaft gerne genannt wird, am Ende der Saison 1950/51 in die Oberliga West aufstieg, die damals die höchste Spielklasse war. In den darauffolgenden zwölf Jahren musste der MSV ein einziges Mal den Gang in die zweite Liga antreten, schaffte aber im Jahr 1956 den direkten Wiederaufstieg und zeigte in den Folgejahren ordentliche Leistungen – gekrönt mit dem dritten Platz in der Saison 1962/63, der dafür sorgte, dass der MSV einer von 16 Vereinen war, der in der neu eingeführten Bundesliga vertreten sein sollte.


Wie der MSV Duisburg beinahe erster Bundesliga-Meister wurde


In der ersten Bundesliga-Saison 1963/64 erregte der MSV Duisburg gleich eine Menge Aufsehen durch die guten sportlichen Leistungen, die die Zebras auf den Platz brachten. Sogar die Meisterschaft war in Sichtweite. Doch dieser Traum wurde unter anderem durch drei torlose Unentschieden in der Schlussphase der Spielzeit zunichte gemacht. Der MSV wurde hinter dem souveränen 1. FC Köln Vizemeister und feierte seine beste Bundesliga-Platzierung aller Zeiten.


Vor allem zwei Personalien sollten in dieser Saison für Schlagzeilen sorgen. Helmut Rahn, der die deutsche Nationalmannschaft 1954 zum Weltmeistertitel schoss und in den Jahren 1963 bis 1965 für Duisburg spielte, kassierte am achten Spieltag gegen Hertha BSC Berlin den ersten Platzverweis in der Bundesliga-Historie. Zum anderen stand mit Rudi Gutendorf ein Trainer an der Seitenlinie, der es ins Guinnessbuch der Rekorde schaffte. Gutendorf, der den MSV mit einer erfolgreichen Defensivtaktik zur Vize-Meisterschaft führte und fortan „Riegel-Rudi“ getauft wurde, kann insgesamt 53 weitere Trainerstationen vorweisen. In die erste Bundesliga-Saison fällt zudem der Duisburger Zuschauerrekord, der bis heute Bestand hat. Durchschnittlich strömten 28.733 Zuschauer ins Wedaustadion, der ehemaligen Spielstätte des MSV.


FC Bayern München – der Lieblingsgegner des MSV Duisburg in den 70ern


In den folgenden Jahren blieb der MSV Duisburg stets Mitglied der Bundesliga. Zur Meisterschaft, sollte es zwar nicht reichen. Dennoch trugen sich die Zebras gleich mehrfach in die Geschichtsbücher des deutschen Fußballs ein. Wie etwa am 29. März 1966, als dem MSV mit einem 9:0-Erfolg bei Tasmania Berlin der bis heute höchste Auswärtssieg in der Bundesliga-Historie gelang. Im gleichen Jahr erreichte Duisburg erstmals das Endspiel um den DFB-Pokal. Der MSV Duisburg verlor allerdings gegen den FC Bayern München mit 2:4. In den 70er-Jahren sollte sich der MSV für diese Niederlage revanchieren. In diesem Zeitraum waren die Bayern der Lieblingsgegner der Zebras im heimischen Stadion – der MSV gewann vor eigenem Publikum insgesamt sieben Partien, spielte nur einmal unentschieden und verlor nur eine einzige Partie.


In Sachen DFB-Pokal musste sich Duisburg drei weitere Male im Endspiel geschlagen geben: 1975 gegen Eintracht Frankfurt (0:1), 1998 erneut gegen die Bayern (1:2) und 2011 gegen den Lokalrivalen Schalke 04. Gegen Schalke 04 kassierte der MSV mit einem 0:5 die höchste Niederlage in einem DFB-Pokal-Finale überhaupt. Duisburg ist der Verein, der am häufigsten das DFB-Endspiel erreichte, ohne dabei einen Titel zu gewinnen.


Nachdem der MSV in der Liga von Jahr zu Jahr immer mehr in den Kampf um den Klassenerhalt hereinrutschte, folgte 1982 erstmals der Abstieg in die 2. Bundesliga. Dort spielte Duisburg für vier Jahre, ehe der Absturz in die Oberliga Nordrhein besiegelt war. Zur Saison 1989/90 machten die Zebras die Rückkehr in die 2. Bundesliga perfekt.


Fortan entwickelte sich der MSV Duisburg zu einer Fahrstuhl-Mannschaft: Die Duisburger ließen fünf Aufstiege in die Bundesliga folgen, stiegen aber nach teilweise nur einem Jahr in der höchsten deutschen Spielklasse direkt wieder ab – 2013 und 2016 ging es sogar bis in die 3. Liga. Der erstgenannte Abstieg in die Drittklassigkeit gehört zu den dunkelsten Kapiteln in der Duisburger Historie. Der MSV war nicht mehr zahlungsfähig, weswegen ihm die Lizenz für die Zweitligasaison 2013/14 verweigert wurde. Mittlerweile ist der MSV wieder in der 2. Bundesliga angekommen, was für den Verein vor allem in finanzieller Hinsicht überlebenswichtig ist.


Wieso werden die MSV-Spieler Zebras genannt?


Bei Borussia Mönchengladbach ist es ein Fohlen, beim 1. FC Köln ein Geißbock, bei Borussia Dortmund eine Biene. Mit Blick auf die Maskottchen wird es bei vielen Vereinen tierisch. Ebenso beim MSV Duisburg, bei dem ein Zebra für Stimmung sorgt. Doch wieso ein Zebra? Da die Duisburger von Jahr zu Jahr immer wieder mit gestreiften Trikots aufgelaufen sind, kam im Laufe der Zeit die Idee auf, die Mannschaft Zebras zu taufen.


Ein echtes Maskottchen braucht natürlich einen Namen. Der MSV ließ die eigenen Fans abstimmen – und die Wahl der Duisburger sollte nicht überraschen: Der Name wurde der Vereinslegende Bernard Dietz gewidmet. Der torgefährliche Verteidiger wurde meist „Ennatz“ genannt, weswegen nun das Maskottchen diesen Namen trägt. Dietz absolvierte 394 Spiele für den MSV, erzielte 70 Treffer und ist bis heute der torgefährlichste Bundesliga-Verteidiger aller Zeiten. Vier Tore gelangen ihm in dem wohl legendärsten Spiel der MSV-Historie: Am 5. November 1977 gewann Duisburg über den FC Bayern mit 6:3. Bernard Dietz machte sich mit seinem Viererpack zum umjubelten Helden. Mit Dietz ist ein weiterer Bundesliga-Rekord verbunden: Der heutige Repräsentant des MSV hat als Spieler die meisten Bundesliga-Niederlagen kassiert, nämlich 221.


Bernard Dietz trug das Trikot des MSV Duisburg auch zu den erfolgreichsten Zeiten, die die Zebras im Europapokal hatten. Die Duisburger gewannen dreimal den Intertoto-Cup (1974, 1977 und 1978) und qualifizierten sich zweimal für den UEFA-Cup, wo der MSV in der Saison 1978/79 um Haaresbreite das Endspiel erreicht hätte. Allerdings scheiterten die Zebras im Halbfinale nach einem 2:2 im Hinspiel und einer 1:4-Niederlage im Rückspiel an Borussia Mönchengladbach.


Die letzte Europapokal-Teilnahme des MSV war in der Saison 1998/99, als sich Duisburg für den Europapokal der Pokalsieger qualifizierte, dort aber nicht über die erste Runde hinauskam.


Frauen- und Juniorenfußball beim MSV Duisburg


Eine wichtige Rolle spielt seit vielen Jahren schon der Juniorenfußball beim MSV Duisburg. Die Zebras besitzen wie mittlerweile jeder ambitionierte Club in Deutschland ein Nachwuchsleistungszentrum, in dem Talente gefördert werden. Die U19- und die U17-Junioren des MSV spielen jeweils in der Bundesliga, die U15 des clubs läuft in der Regionalliga West auf, die die höchste Liga in dieser Altersklasse ist. Die größten Erfolge feierten die Junioren in den 70er-Jahren, als der MSV gleich dreimal deutscher Meister der A-Junioren wurde (1972, 1977, 1978).


Seit 2014 wird beim MSV Duisburg auch Frauenfußball gespielt. Der langjährige Bundesligist FCR 2001 Duisburg hatte Insolvenz beantragt. Um den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten, gab es Zusammenschlüsse mit dem MSV und dem VfB Homberg – in dessen Stadion die Duisburger Frauen heute ihre Spiele austragen. 2001 löste der MSV Duisburg den FCR Duisburg als Frauen-Bundesligist ab. Zwar stieg die Mannschaft 2015 in die 2. Bundesliga ab. Doch dort schaffte sie mit einem neuen Liga-Rekord von 22 Siegen aus 22 Spielen die direkte Rückkehr in die Bundesliga.


Vom Fußball in der höchsten deutschen Spielklasse träumen auch die Herren des MSV. Für sie gilt es allerdings zunächst, sich in der 2. Bundesliga zu stabilisieren. Wenn die Zebras dann auch in finanzieller Hinsicht wieder in ruhiges Fahrwasser geraten, dürfen sich die Fans weiterhin auf hochklassigen Fußball freuen.