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MSV Duisburg
Abschied mit gemischten Gefühlen

MSV Duisburg: Abschied mit gemischten Gefühlen
Gut zehn Jahre lang war Andre Hoffmann für den MSV Duisburg aktiv. Ab sofort ist der 19-Jährige für Hannover 96 am Ball. FOTO: Reichwein
Duisburg. Nach zehn Jahren verlässt Andre Hoffmann den MSV Duisburg. Bei Hannover 96 wartet nun das Abenteuer Bundesliga. Von Hermann Kewitz

Das hatte mal so gar nichts von Winterschlussverkauf. Der MSV Duisburg zelebrierte den Wechsel seines Eigengewächses Andre Hoffmann zu Hannover 96 als gefühlvollen Abschied eines guten Sohnes. Beim Pressegespräch gestern nach dem Trainingsauftakt an der Westender Straße lobte Sportdirektor Ivo Grlic die Qualitäten des Defensivspezialisten über alle Maßen. Kosta Runjaic betonte, dass Hoffmann trotz seiner jungen Jahre eine große Professionalität und Reife mitbringe. Er werde der Mannschaft als Typ und als Leistungsträger fehlen, hieß es allenthalben. Und alle wünschten ihm, dass er es bei den Niedersachsen packen werde. Der 19-jährige Nachwuchs-Nationalspieler selbst bedankte sich aufrichtig für die gute Zeit und die gewinnbringende Ausbildung. Hoffmann sprach von "gemischten Gefühlen": Er freue sich riesig auf Hannover, aber es schwinge auch "Wehmut" mit, Duisburg hinter sich zu lassen, denn mit neun Jahren hatte hier seine Berufslaufbahn begonnen.

Doch im Ballgeschäft sind Gefühle längst nicht alles. Auch andere Werte zählen: Hoffmann, dessen Vertrag beim MSV noch zweieinhalb Jahre lief, hat sich bis 2016 an Hannover gebunden. Eine Klausel erlaubte den Ausstieg, sobald eine bestimmte Summe geboten würde. 800.000 Euro werden als Ablöse kolportiert. Die Vereine handelten nach dem Motto: Über Geld spricht man nicht. Kontakte zu 96-Manager Jörg Schmadtke gab es offenbar schon länger, in der Winterpause habe sich dann das Interesse konkretisiert, berichtete Hoffmann. Ein Notverkauf sei es aber nicht gewesen, auch das schwang in jedem Wort mit.

Dass der MSV an Qualität verliert, ist unstrittig, auch wenn Kosta Runjaic scherzte: Der Wechsel sei kein Problem, denn wir haben die letzten drei Spiele ohne Andre gewonnen." Gleichwohl stellt sich die Frage, was macht der Klub mit der Einnahme? Da wanden sich alle, als hätte es zu viel Aal an Silvester gegeben. Ivo Grlic wollte nicht bestätigen, dass das Geld in Verstärkungen investiert werde. Grlic dazu: "Könnte sein, muss aber nicht sein." Der Sportdirektor bestand eher darauf, dass der Abschied der vier Kicker auf der Resterampe die notwendige finanzielle Freiheit gebe. Antonio da Silva, Flamur Kastrati, Valeri Domovchiyski und Dzemal Berberovic stehen im Schaufenster. Dr. Gerd Görtz, der Aufsichtsratsvorsitzende, bestätigte lediglich, dass es keine Verbindung zwischen Verkauf und Investition ins Team gebe. Weil Dr. Görtz die Prokura besitzt, für Walter Hellmich zu sprechen, ließ er wissen: "Der Darlehnsvertrag läuft ganz normal weiter." Außerdem habe es ein Telefongespräch zwischen Hellmich und Hoffmann gegeben, in dem der Ex-Boss dem Talent alles Gute gewünscht habe. Das ist bemerkenswert, weil Hellmich nach verkündeter Rettung seine Unterstützung daran gebunden hatte, dass kein Leistungsträger im Winter verkauft werde.

Außerdem hatte der ehemalige MSV-Vorsitzende Andreas Rüttgers berichtet, dass Hellmich seinen Kredit über die Transferrechte abgesichert habe. Je nach Größe des Kredits könnte der MSV nun zur flotten Tilgung schreiten. Selten wurde ein Klub so oft gerettet wie derzeit die Zebras. Der Trainer zeigte sich derweil überzeugt, dass der aktuelle Kader den Klassenerhalt schaffen kann. Andre Hoffmann wird diese Entwicklung nun aus der Ferne beobachten.

Quelle: RP
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