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Msv Duisburg
Der Club liegt den Zebras einfach nicht

Msv Duisburg: Der Club liegt den Zebras einfach nicht
Diskussionsbedarf nach dem Pausenpfiff: die Zebras und Schiedsrichter Arne Aarnink. FOTO: Zink /Imago
Fussball. MSV: Auch im dritten Anlauf verliert das Gruev-Team gegen den 1. FC Nürnberg. Dabei sind die Duisburger über viele Minuten das bessere Team. Kapitän Wolze ist nach seiner fünften Gelben Karte für das Spiel gegen Ingolstadt gesperrt. Von Hermann Kewitz

Der Club liegt dem MSV so wie Nürnberg an der Nordsee. Nämlich gar nicht! Nach dem Pokalaus und dem 1:6 im Hinspiel unterlagen die Zebras den Franken gestern zum dritten Mal. Nie waren sie wirklich schlechter. Immer gab es nur an Erfahrung zu gewinnen. Die Lehre aus dem 1:3 (1:2) vor 25 257 Zuschauern gestern im Max-Morlock-Stadion: Effizienz ist eine Tugend, die Spiele entscheidet. Die Nürnberger rückten an die Tabellenspitze, weil sie aus vier Chancen drei Tore machten. MSV-Trainer Ilia Gruev stellte beinahe resigniert fest: "Das ist nicht unser Jahr gegen den Club." Der Coach wünschte dem Kollegen Michael Köllner alles Gute für die Aufstiegspläne: vielleicht auch deshalb, damit man sich nächstes Jahr nicht wieder sieht.

Denn mit einem Hauch von Spott muss man nach dem Erlebnis vom Sonntag sagen: Der MSV will unbedingt in der 2. Fußball-Bundesliga bleiben. Das Gezeigte reicht locker, um sich keine Sorgen in Sachen Klassenerhalt machen zu müssen. Der MSV hat Form und Format. Für die ganz großen Weihen fehlte es jedoch an einem kleinen Stück Kaltherzigkeit. Die Zebras hatten mehr Chancen, waren über viele Minuten die bessere Mannschaft, bewiesen Passsicherheit und Spielwitz. Die guten Haltungsnoten brachten aber keinen Ertrag.

So rissen gleich mehrere Serien: Zum ersten Mal nach sieben Spielen blieben die Zebras ohne Punkt. Zum ersten Mal seit sieben Spielen traf die Mannschaft nicht doppelt. Zum ersten Mal seit sechs Partien stand der Name von Kapitän Kevin Wolze nicht auf der Torschützenliste. Stattdessen kassierte der Charakterkopf der Meidericher die fünfte Gelbe Karte und fehlt schmerzlich beim Heimspiel am Samstag gegen Ingolstadt.

Ein gebrauchter Tag für Kevin Wolze: Er verlor mit den Zebras in Nürnberg und kassierte seine fünfte gelbe Karte. FOTO: Zink/Imago

Wolze sprach nach der Niederlage von einem "kleinen Rückschlag" für den MSV. Denn nach wie vor hält man beim Neuling die 40 Punkte als Heiligen Gral hoch. Und ja, Wolze konnte mit einigem Recht sagen: "In Nürnberg kann man verlieren."

Gruev begründete das mit der "enormen Effizienz" und "der individuellen Klasse" des Spitzenteams. Eine größere Breite im Kader darf man ebenfalls in Rechnung stellen. Dem Club fehlte zwar Torjäger Mikael Ishak, dafür verdiente sich Stürmer Tobias Werner für eine frühe Vollbremsung das Lob Gruevs: "eine überragende Aktion". Nico Klotz, für den gesperrten Enis Hajri im Team, verursachte gegen Werner einen Auffahrunfall im Strafraum. Den Elfmeter verwandelte Hanno Behrens (8.) zur Führung für die Hausherren. Keeper Mark Flekken war exakt eine Handlänge zu kurz für den Schuss ins linke Eck.

Nico Klotz räumte reumütig ein: "Das war ungeschickt von mir und muss man pfeifen." Nach langer Pause fehlte ihm offenbar ein Tick Spielpraxis. Später war er dann durchaus auf der Höhe des Geschehens. Thomas Blomeyer als Aushilfe für den an Grippe erkrankten Innenverteidiger Dustin Bomheuer kam derweil in der 23. Minute zu spät bei einem Pass von Federico Palacios.

Hanno Behrens nutzte den Moment gegen Gerrit Nauber. Schon lag alles, was sich der MSV für das Topspiel ausgedacht hatte, im Abfalleimer. Die Gastgeber hatten klug die Schwachstellen auf rechts gesehen, bespielt und genutzt. Die Neuen bekamen gar nicht erst die Zeit, sich an die dünne Luft so weit oben in der Tabelle zu gewöhnen.

Immerhin, der MSV kam wieder und zeigte den 800 mitgereisten Fans, dass sie die Reise keineswegs umsonst angetreten hatten. Erst pfiff der Schiedsrichter Stanislav Iljutcenko aus aussichtsreicher Position zurück. War aber gar kein Abseits! Dann traf Moritz Stoppelkamp mit einem Kunstschuss aus der Drehung zum Anschluss (41.).

Fortan war der MSV Herr im fremden Haus. Nur der Ausgleich wollte nicht fallen. Fabian Schnellhardt gibt eine Art bestes Beispiel für diese Kunst, die mitunter ohne Brot bleibt. Geschickt verteilte er die Bälle, verschaffte seinem Team durch Haken wichtige Positionsvorteile. Aber: Sein strammer Schuss in der 49. Minute aus guter Position strich rechts am Tor vorbei. Ahmet Engin, dem anzumerken war, dass er unter der Woche mit Grippe pausieren musste, zielte wenige Minuten später übers Tor. Als Gerrit Naubers Schuss von Federico Palacios (80.) von der Linie gekratzt wurde, war klar: Das Scheunentor bleibt heute zu.

Zuvor hatte Eduard Löwen (72.) mit einem satten "linken Haken" nach einer Ecke dem MSV den K. o. versetzt. Eine wirkliche Chance war das nicht. Aber dafür drin. Und eben das macht den Unterschied zwischen Platz eins für Nürnberg und Platz sechs für Duisburg aus.

Quelle: RP
 
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