| 00.00 Uhr

Msv Duisburg
Gericht lädt Hellmich und Co. vor

Msv Duisburg: Gericht lädt Hellmich und Co. vor
Sie wollen 4,5 Millionen Euro für den MSV erstreiten: (von links) Anwalt Frank Nolte und die Geschäftsführer Peter Mohnhaupt und Bernd Maas. FOTO: Stephan Eickershoff
Fussball. Kentsch-Prozess: Der MSV Duisburg will 4,5 Millionen Euro Schadensersatz erstreiten. Der Verein will in der neuen Verhandlung belegen, dass die Kündigung formal korrekt und auch begründet war. Von Dirk Retzlaff

Im Hof des Duisburger Gerichtes war gestern eine Fußballfahne gehisst - die des Hamburger SV. "Wenn wir hier fertig sind, klagen wir auch dagegen", scherzte Frank Nolte, Anwalt des MSV Duisburg. Allerdings wird noch viel Zeit ins Land gehen, bis der Rechtsstreit mit Ex-Geschäftsführer Roland Kentsch beendet sein wird. Gestern ging das Verfahren vor dem Landgericht in die nächste Runde. Spannend wird es aber erst im September: Dann lädt die 1. Kammer für Handelssachen die Protagonisten, die vor drei Jahren am Lizenzdrama des Fußball-Zweitligisten beteiligt waren, in den Zeugenstand.

Dann dürften auch mehr als die beiden Zuschauer, die gestern die 37-minütige Verhandlung unter Vorsitz von Richterin Antje Reim verfolgten, anwesend sein. Eine illustre Runde wird dann vor dem Gericht erscheinen müssen: unter anderem Ex-MSV-Chef Walter Hellmich, Schauinsland-Boss Gerald Kassner, Vertreter der Gremien und der Sponsoren. Und auch Roland Kentsch selbst, der gestern fehlte, dürfte dann erstmals persönlich zur Sache Stellung nehmen. Die Kammer beschäftigt sich mit zwei Klagen. Kentsch klagt gegen seine Kündigung als Geschäftsführer. Und der MSV fordert Schadensersatz in Höhe von 4,5 Millionen Euro für die Lizenzverweigerung. Roland Kentsch hatte vor knapp zwei Jahren in einem Urkundenverfahren Recht erhalten. Die Richterin stellte bei der Kündigung seitens des MSV Formfehler fest. Der Verein will in der neuen Verhandlung nun belegen, dass die Kündigung formal korrekt und auch begründet war. "Wir werden das beweisen können", so Frank Nolte gegenüber der Redaktion. Nolte war beim Urkundenprozess vor zwei Jahren noch nicht Anwalt des MSV. Nach dem Verfahren entzog der Klub seinem damaligen Anwalt Peter Falk das Mandat und beauftragte Nolte. "Das lief damals suboptimal", bewertet Nolte das alte Verfahren. Um Schadensersatzansprüche geltend zu machen, muss der MSV Duisburg vor Gericht beweisen, dass Kentsch seine Pflichten verletzt hat. Von MSV-Seite steht der Vorwurf im Raum, dass Kentsch den Klub nicht zeitnah darüber informiert hat, dass die Deutsche Fußball-Liga (DFL) den Zebras die Lizenz verweigern würde. Und es geht darum, ob Kentsch in den letzten Stunden vor dem Abgabetermin der Lizenzunterlagen bewusst alternative Finanzierungsmöglichkeiten nicht berücksichtigt hatte.

Bekanntlich ging es am 23. Mai 2013 beim MSV Duisburg drunter und drüber, weil der Zweitligist bis zur letzten Minute sein Lizenzierungspaket schnürte. Unter anderem hatte Hauptsponsor Schauinsland an jenem Tag ein alternatives Finanzierungskonzept angeboten. Der MSV hatte jedoch die Variante, die ein Hellmich-Darlehen beinhaltete, bevorzugt. Dieses Darlehen sollte sich später als Genickbruch für den MSV erweisen. An die Kreditlinie war die Bedingung geknüpft, dass Walter Hellmich Einfluss auf die Besetzung des Aufsichtsrates und des Geschäftsführerpostens haben sollte. Derartige Konstruktionen entsprechen nicht den DFL-Statuten.

Das Gericht will ab September prüfen, warum Kentsch so gehandelt hat. "Wir werden auch prüfen, ob Alternativkonzepte, etwa von Schauinsland, nicht ebenfalls an Bedingungen geknüpft gewesen wären", erklärte Richterin Antje Reim.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Msv Duisburg: Gericht lädt Hellmich und Co. vor


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.