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Msv Duisburg
Zufrieden trotz Blutrausch

Fußball. Mitunter muss sich Manfred Wölpper ärgern. Doch wie auch NLZ-Chef Uwe Schubert ist der MSV-Trainer mit der Entwicklung der U-23-Mannschaft zufrieden. Nur beim Toreschießen hapert's. Von Sven Kowalski

So recht konnte im Sommer noch niemand wissen, wohin der Weg des MSV Duisburg II in der aktuellen Oberliga-Saison gehen wird. Nur wenige Monate zuvor hatte die U 23 der Zebras noch vor dem Aus gestanden, der Verein über die Abmeldung der Reserve nachgedacht. Doch es ging weiter - in abgespecktem Rahmen, wie MSV-Boss Ingo Wald direkt anmerkte, nachdem er Ende April den Erhalt der U 23 verkündet hatte. Sieben Spieler des Kaders, der in der Vorsaison Platz fünf holte, blieben übrig, neun neue kamen hinzu; darunter vom Wuppertaler SV Kapitän Kevin Weggen- mit 22 Jahren der Älteste im neuen Team.

Uwe Schubert, der in kurzer Zeit eine im Schnitt 19,2 Jahre "alte" Truppe zusammenstellte, schätzte den Weg der jungen Zebras im Sommer auf Platz zehn bis 14 ein. "Da haben mich viele ganz entsetzt angeguckt", erinnert sich der Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, "aber es war wohl eine realistische Einschätzung."

Der elfte Platz, auf dem der MSV II mit 23 Punkten überwintert, gibt dem Jugendcheftrainer recht. Schubert zieht ein positives Halbzeitfazit: "Ich bin zufrieden. Viele Spieler haben sich gut entwickelt, sind zu Männern geworden", sagt er und richtet ein Lob an die ganze Truppe. "Die Jungs trainieren sechsmal pro Woche. Ich muss allen meinen Respekt dafür aussprechen, was sie bei den nicht immer einfachen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen leisten."

Der NLZ-Chef schiebt nach: "Wir haben eine sehr junge und wenig konstante Mannschaft. Dafür hat sie es sehr gut gemacht. Dass oft Spieler dabei sind, welche die Abläufe nicht kennen, macht es sicher nicht einfacher", spricht Schubert die Umstellungen an, die MSV-II-Coach Manfred Wölpper aufgrund von Profi-Abstellungen vornehmen musste - und welche auch die U-23-Kicker durch Bankdrücken akzeptieren müssen. Doch das tun sie bereitwillig. Und Schubert betont: "Ich denke, alle Profis, die runter gekommen sind, haben die U 23 wesentlich gestärkt und verstärkt. Eine Reserve ist auch dazu da, dass Profis in ihr Spielpraxis sammeln können. Deshalb haben wir bewusst einen kleinen Kader gewählt."

Dieser 17-Mann-Kader, zu dem auch der Langzeitverletzte Tim Kallenbach zählt, welcher sehnsüchtig noch auf sein Comeback in dieser Saison hofft, imponiert nicht nur Schubert durch sein Engagement. Den Arbeitseifer hebt auch Manfred Wölpper hervor. "Punktetechnisch hätte mehr rausspringen können", sagt der Coach, "aber wir haben viele gute Spiele gemacht. Die Jungs sind sehr selbstkritisch. Das ist eine gute Eigenschaft. Einige können natürlich noch an sich arbeiten, aber ich bin sehr stolz auf die Truppe. Auch wenn ich manchmal einen Blutrausch an der Seitenlinie kriege", schmunzelt Wölpper.

Das war auch ab und an der Fall, wenn seine Kicker selbst die dicksten Torchancen vergaben. In acht von 18 Spielen blieb die U 23 trotz häufiger Überlegenheit ohne eigenen Treffer.

Nur zwei Teams schossen weniger Tore als der MSV (22) - auf der anderen Seite ließen aber auch nur Herbstmeister Wuppertal und die zweitplatzierten Schonnebecker weniger als 20 Gegentreffer zu. Auf die Defensive ist, auch dank des zum Leistungsträger avancierten Youngsters Daniel Hoff, in der Regel Verlass - aber im Abschluss hapert es. Sonst wäre deutlich mehr drin gewesen.

Eine Torjäger-Diskussion will Uwe Schubert deshalb nicht führen. "Fehlt einer, fehlt er nicht? Daran beteilige ich mich nicht. Wir werden jetzt nicht nach jemandem Ausschau halten, der drei Tore pro Spiel schießt. Die Lewandowskis wachsen nicht auf Bäumen. Im modernen Fußball arbeiten elf Mann gegen den Ball und mit dem Ball. Hat man keinen Knipser, muss man andere Möglichkeiten ausschöpfen; zu null spielen und zum Beispiel einen Standard nutzen", so Schubert. "Wir haben im Sommer aber auch Stürmer verpflichtet, die wir für gut befunden haben. Jetzt müssen wir mit diesen jungen Spielern Geduld haben. Luca Steinfeldt hat in den ersten Spielen gute Bewertungen bekommen, dann ist er in ein kleines Loch gefallen. Man muss aber auch sehen, wo er zuvor bei Borussia Dortmund geknipst hat: in der U 17", stellt Schubert heraus. "Genau wie Johannes Dörfler muss sich Luca noch an den Männerfußball gewöhnen. Ich habe ihn noch nicht abgeschrieben. Und ich hoffe, dass er in der Restrunde zeigt, warum wir ihn verpflichtet haben."

Quelle: RP
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