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Duisburg
Stadtwurzeln reichen in die Römerzeit
Duisburg. Der langjährige Stadtarchivar Dr. Joseph Milz hat die "Geschichte der Stadt Duisburg" neu geschrieben. Der Ort Dispargum weist auf das heutige Duisburg hin, das 700 Jahre älter ist, als bisher angenommen wurde. Von Peter Klucken

1983 wurde in Duisburg im großen Stil das 1100-jährige Bestehen der Stadt gefeiert, genauer die erste urkundliche Erwähnung. Übrigens in einem unerfreulichen Zusammenhang: Duisburg wurde 883 beim berüchtigten Normannensturm verwüstet. Fachleuten ist seit langem klar, dass Duisburg auch schon vor 883 existiert haben muss. Nach den Ausgrabungen des langjährigen Stadtarchäologen Dr. Günter Krause kann daran kein Zweifel bestehen. Doch es hat bis gestern gedauert, dass diese Erkenntnisse in einem Buch zur Stadtgeschichte öffentlich zugänglich sind: Nun stellte Dr. Joseph Milz, der von 1971 bis 1996 Direktor des Duisburger Stadtarchivs war, sein neues Buch "Geschichte der Stadt Duisburg" vor.

Angestoßen von der bürgerschaftlichen Vereinigung proDuisburg wurde die Publikation mit 15 000 Euro von der Stadtsparkasse Duisburg gefördert. Dr. Joseph Milz greift auf die aktuellen Ergebnisse der Archäologen zurück und kommt zu dem Ergebnis, dass die Wurzeln der Stadt bis in die Römerzeit reichen. Diese Erkenntnis machte auch eine neue Stadtgeschichte nötig. Die letzte Duisburger Stadtgeschichte stammt aus dem Jahr 1970. Milz meinte gestern schmunzelnd, dass er bei seinem Dienstantritt in Duisburg gedacht habe, dass ihm die Aufgabe, eine neue Stadtgeschichte schreiben zu müssen, erspart bleiben würde. Immerhin habe er dies nicht während seiner aktiven Dienstzeit tun müssen.

Milz kommt in seinem Buch, das wissenschaftlichen Ansprüchen gerecht wird, aber dennoch gut lesbar ist, zum Schluss, dass die Stadt deutlich vor 800 n. Chr. schon bestand. Der Ort Dispargum weise auf die heutige Stadt Duisburg hin, deren Wurzeln schon in der Römerzeit lagen und die rund 700 Jahre älter ist, als bisher angenommen wurde. Milz datiert auch die Rheinverlagerung neu. Nicht mehr – wie früher vermutet – im Jahr 1200, sondern bereits 200 Jahre früher bettete sich der Strom neu. Milz hält es für denkbar, dass diese Rheinverlagerung von einem Tag auf den anderen geschah. Bei einer Vereisung könne so etwas möglicherweise geschehen.

Milz stützt sich bei der Datierung wiederum auf die Funde von Duisburgs langjährigem Stadtarchäologen Dr. Günter Krause. Etwa eineinhalb Jahre hat Milz an seiner neuen Stadtgeschichte gearbeitet, die von den Anfängen bis zum Ende des Alten Reiches reicht. Dabei konnte der Autor auf seine eigenen langjährigen Forschungen zurückgreifen, über die er in zahlreichen Aufsätzen geschrieben hatte. Unterstützt wurde Milz jetzt bei der Publikation von Dr. Hans-Georg Kraume, seinem inzwischen ebenfalls pensionierten Nachfolger, der den Satzspiegel des Buches übernahm. Auch Dr. Gernot Tromnau, langjähriger Direktor des Kultur- und Stadthistorischen Museums und Vorsitzender der Mercator-Gesellschaft, hat bei der Realisierung der Stadtgeschichte mitgewirkt.

Zeitlich endet der Band im Jahr 1806, als die rechtsrheinischen Teile von Kleve und damit auch Duisburg zum Großherzogtum Berg kommen. Es seien mindestens zwei weitere Bände nötig, um die Geschichte der Stadt bis in die Jetztzeit fortzuschreiben, meinte Milz gestern. Das müssten aber andere machen.

Der Band ist im Duisburger Mercator-Verlag erschienen (354 Seiten, 73 Abbildungen)) und kostet im Buchhandel 34 Euro.

Quelle: RP/rl
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