| 12.09 Uhr

Duisburg
Tausende kämpfen heute für den Stahl

Stahl-Aktionstag mit 10.000 Arbeitern in Duisburg
SPD-Parteivorsitzender Sigmar Gabriel. FOTO: SPD
Duisburg. Der Stahlbranche droht eine schwere Krise durch drohende EU-Beschlüsse. Die IG Metal organisiert heute einen Stahlaktionstag, zu dem rund 10.000 Arbeiter erwartet werden. Auch Hannelore Kraft und Sigmar Gabriel kommen. Von Hildegard Chudobba

Bruckhausen hat schon viele Demonstrationen von Stahlarbeitern gesehen. Deren Zahl lässt sich kaum beziffern. Denn kaum eine Tarifrunde, in der die Beschäftigten nicht für höhere Löhne vor die Verwaltung zogen. Aber es ging nicht immer nur ums Geld, sondern auch ums große Ganze, so wie am heutigen Montag. Bekanntlich fürchtet die gesamte europäische Stahlbranche gravierende Wettbewerbsnachteile (vor allem gegenüber den Billig-Produzenten aus China) durch drohende EU-Beschlüsse, u.a. wegen des Emissionsrechtehandels. Das könnte eine derart herbe Krise heraufbeschwören, dass im schlimmsten Fall das Aus für die heimische Stahlindustrie droht.

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass die IG-Metall, die den Stahlaktionstag organisiert, heute mit 10.000 Teilnehmern rechnet. Bewahrheitet sich dies, erleben wir eine der größten Demos in Bruckhausen; dass sich Hannelore Kraft und Sigmar Gabriel angekündigt haben, ist ein Hinweis darauf, dass es zumindest eine der am prominentesten "besetzten" sein wird.

Mehr und prominenter waren da allenfalls die Protestaktionen gegen die Schließung von Krupp in Rheinhausen. Thyssen steckte in den 80er Jahren unter anderem wegen hoch-subventionierter Stahlimporte aus Fenrost in der Krise, kündigte den Abbau rund jeder sechsten Stelle im Unternehmen an. Die Hamborner zogen protestierend durch die Stadt und vor ihre Hauptverwaltung. Den Stellenabbau konnten sie zwar nicht aufhalten, aber sie erwirkten, dass über die Jahre mit verschiedenen Sozialplänen zumindest die finanzielle Absicherung derer, die gehen mussten, stimmte. Den Kruppianern erging es in dieser Zeit keineswegs besser, im Gegenteil.

Für das Traditionswerk am linken Duisburger Rheinufer war schon Anfang der 80er Jahre Arbeitsplatzabbau im großen Stil angekündigt worden, der die Beschäftigten auf die Barrikaden brachte - nichts ahnend, dass es noch schlimmer kommen würde. Ende 1987 begann nach der Ankündigung der Werksschließung der wochenlange Krupp-Arbeitskampf, der so spektakuläre Bilder lieferte, dass Fernsehsender aus aller Welt berichteten. Nicht nur der Stadtteil, sondern die ganze Stadt zeigte sich mit den Kruppianern solidarisch. Und (Bundes-)Politiker aller Parteien bemühten sich, ihre Unterstützung zuzusagen. Aus der Hochfeld-Rheinhauser Rheinbrücke wurde die "Brücke der Solidariätet", die bis heute diesen Namen trägt und auf der eigentlich auch der heutige Stahlaktionstag stattfinden sollte. Aus logistischen Gründen wurde er aber nach Bruckhausen verlegt.

Rund zehn Jahre nach der Krupp-Schließung schrieb Krupp-Chef Cromme übrigens noch einmal an der Geschichte der Duisburger Stahlarbeiter-Proteste mit, und zwar mit der geplanten (aber gescheiterten) feindlichen Übernahme von Thyssen. Das Ergebnis kennen wir: Aus zwei deutschen Stahlriesen wurde einer.

Quelle: RP
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