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Serie Kunst Im Öffentlichen Raum
Stiller Wächter für die Opfer

Serie Kunst Im Öffentlichen Raum: Stiller Wächter für die Opfer
Der gefesselte, anonymisierte Körper als Symbol. FOTO: reichwein (archiv)
Duisburg. Die Bronzeskulptur neben dem Rathaus erinnert an Gewerkschaftler, die gewaltsam zum Schweigen gebracht wurden. Von Lara Duyster

Anonymisiert und mit gesenktem Kopf steht die Bronzestatue auf dem Burgplatz vor dem Duisburger Rathaus. Die Beine sind auf Stümpfe reduziert, die Arme fehlen ganz. Das Denkmal von Hede Bühl zeigt einen geschändeten und gefesselten Körper, der an die Opfer des Naziregimes erinnern soll. Repräsentativ für alle getöteten Arbeitnehmervertreter hat die Künstlerin vier Namen in den Sockel eingraviert: Julius Birck, Emil Rentmeister, Michael Rodenstock und Johann Schlösser. Die Gewerkschaftler wurden am 2. Mai 1933 von den Nationalsozialisten gefoltert und ermordet, während sie im ganzen Reich die Gewerkschaften zerschlugen. Die vier Opfer wurden in einem Keller bis zur Unkenntlichkeit von den SS-Männern gefoltert und mit Schaufelstiefel erschlagen - fast symbolisch für die Zerschlagung der gesamten Gewerkschaft. Zur Beerdigung ein Jahr später erschienen 1000 Menschen. Den 1. Mai 1933 ernannte Hitler noch zum "Tag der nationalen Arbeit". Einen Tag später ließ er wie geplant die Gewerkschaftshäuser, Redaktionen, Zahlstellen der Einzelverbände und andere Einrichtungen der freien Gewerkschaften besetzen.

Das Denkmal wurde ohne individuelle Attribute dargestellt, um so jedes einzelne Opfer symbolisieren zu können. Der Betrachter weiß nicht, ob die Skulptur weiblich oder männlich ist. Das fehlende Gesicht steht neben der Anonymisierung für das Schweigen, welches durch den Tod der Opfer herbeigeführt wurde. Die Bandagen über den Augen scheinen tief in die Haut einzuschneiden und spiegeln die brutale Folterung der Opfer wider. Die Skulptur strahlt eine enorme Stille aus, keine Abwehr, kein Widerstand ist zu sehen. Hede Bühl setzt damit eine Grenze nach außen hin und schafft eine sublime Spannung, die den Betrachter an die Gewalttaten der Nationalsozialisten erinnert. Hede Bühl, 1940 geboren und ehemalige Schülerin von Joseph Beuys, erhielt für die Bronzeskulptur den Käthe-Kollwitz-Preis der Akademie der Künste in Berlin, den Villa-Romana-Preis in Florenz und den Großen Preis für Skulpturen der Triennale Neu-Delhi. Sie ist Mitglied des deutschen Kunstbundes.

Die Künstlerin lebt heute im Düsseldorfer Norden in einem Haus mit großem Garten, der mit der größten Sammlung ihrer geschaffenen Köpfen aus Bronze, Eisen und Eisen geschmückt ist. Hede Bühl nennt sie ihre Wächter.

Quelle: RP
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