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Duisburg
Stolz lässt sich auch ohne Worte lernen

Duisburg: Stolz lässt sich auch ohne Worte lernen
Ohne große Erklärungen ahmen die Kinder die Körpersprache nach, die Yasha Wang ihnen vormacht. FOTO: MARK WOHLRAB
Duisburg. Das renommierte Klavier-Festival Ruhr intensiviert seine Bildungsarbeit in Marxloh. Das Foto zeigt eine junge Frau. Sie ist bildhübsch und betrachtet sich voller Wohlgefallen in einem Handspiegel, den sie am ausgestreckten Arm vor sich hält. Von Anke Demirsoy

"Erinnert ihr euch an dieses Bild?", fragt Yasha Wang die Gruppe von Dritt- und Viertklässlern, die um sie herum steht. "Wisst ihr noch, was Stolz bedeutet?"

Nein. Die meisten hier kennen weder den Begriff noch das Gefühl. Sie sind Kinder von türkischen und anderen Zuwanderern. Manche sprechen bislang nur wenig deutsch. Aber das spielt in diesem Moment kaum eine Rolle. Hier, in der Grundschule an der Henriettenstraße in Marxloh, folgen sie der erfahrenen Choreographin Yasha Wang, die einen Tanz-Workshop des Klavier-Festivals Ruhr leitet. Ohne große Erklärungen ahmen sie die Körpersprache nach, die Yasha Wang ihnen vormacht. Sie heben das Kinn, machen den Hals lang, lassen die Schultern leicht nach hinten fallen. Selbstbewusst werden Hände in die Hüften gestemmt. "Ja, gut so!", ruft Yasha Wang.

Ein Stockwerk höher bringt der Engländer Richard McNicol einer Gruppe von Kindern bei, einfache Rhythmen zu klatschen. Unter ihnen sind Seiteneinsteiger aus bulgarischen und rumänischen Familien. McNicol ist ein Experte und seit Jahren für das Bildungs- und Förderprogramm des Festivals tätig, das seine Stadtteilarbeit in Marxloh in den vergangenen Jahren erweitert und intensiviert hat. Mittlerweile nehmen rund 400 Kinder an diesen Aktivitäten teil. Ermöglicht werden sie durch die engagierte Unterstützung des Duisburger Metallbauunternehmens Klöckner & Co SE.

Alphabetisierungs- und Integrationsbemühungen sind Alltag an der Katholischen Grundschule an der Henriettenstraße. 80 Prozent der rund 200 Schülerinnen und Schüler sind Migranten. Die Schulleiterin Regina Balthaus-Küper berichtet von der rasant steigenden Zahl von so genannten Seiteneinsteigern, also Kinder von Neuzuwanderern, die kaum Schulerfahrung haben und sich mit dem Einhalten von Regeln oftmals schwer tun.

"Wir wollen erreichen, dass sich die Kinder hier mit Respekt begegnen, ganz gleich, welcher Religion sie angehören", sagt die Rektorin. Was die Tanz- und Musikworkshops des Klavier-Festivals bewirken, lasse sich nicht unmittelbar in Zahlen ausdrücken.

Und doch ist sie vom positiven Effekt mehr als überzeugt: "Es ändert sich etwas im Selbstbild der Kinder." Sprachliche und soziale Kompetenzen würden durch Musik und Tanz gefördert.

Mit seinem kulturellen Bildungsprogramm möchte das Klavier-Festival Ruhr Kinder und Jugendliche zu einer aktiven Beschäftigung mit Musik anregen und junge Pianisten nachhaltig fördern. In einer Vielzahl von Projekten entwickeln die Teilnehmer in der praktischen Beschäftigung mit Musik und anderen Künsten ihre musikalischen und kreativen Fähigkeiten und erschließen sich zugleich neue Hör- und Erfahrungsräume.

Unterstützt werden sie dabei nicht nur von erfahrenen Pädagogen und Künstlern, sondern auch von bedeutenden Pianisten, die dem Klavier-Festival freundschaftlich verbunden sind und deshalb alljährlich an die Ruhr zurückkehren.

Quelle: RP
 
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