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Duisburg
Streik lässt Duisburger kalt
Duisburg: Streik lässt Duisburger kalt
In den U-Bahn-Haltestellen wie hier in der Innenstadt herrschte gestern gähnende Leere. Wegen des Streiks mussten sich die Fahrgäste der DVG nach Alternativen umschauen. FOTO: Andreas Probst
Duisburg. Obwohl Busse und Bahnen der DVG am Mittwoch nicht fuhren, blieb das befürchtete Verkehrschaos aus. Viele Duisburger bildeten Fahrgemeinschaften, nahmen Taxen oder gingen zu Fuß. Die Gewerkschaft Verdi droht mit weiteren Streiks. Von Stefan Bartels

Kaum hat sie zwei Fahrgäste vor dem Hauptbahnhof abgesetzt, gibt Marion Hertel schon wieder Gas. Die nächsten Kunden warten. "Ich hab' keine Zeit, muss reinhauen", sagt die Taxifahrerin. Um sechs Uhr war gestern Morgen Schichtbeginn, zwei Stunden später hatte sie bereits sieben Fahrten hinter sich. An "normalen" Tagen sind es zu dieser Zeit maximal zwei. Auf jeden Fall sei mehr los, sagt Hertel. "Das ist doch klar. Wir merken immer, wenn im Nahverkehr gestreikt wird."

Den ganzen Tag über blieben Busse und Bahnen der Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) gestern im Depot. Verdi hatte zu einem bundesweiten Warnstreik aufgerufen. Die Gewerkschaft fordert 6,5 Prozent mehr Lohn für Beschäftigte im öffentlichen Dienst, mindestens 200 Euro mehr im Monat. Die Arbeitgeber haben bislang kein Angebot vorgelegt. Neben der DVG beteiligten sich in Duisburg auch Mitarbeiter der Stadtwerke und der Müllabfuhr. Aber längst nicht jeder hatte so viel Freude am Ausstand wie die Taxifahrer.

Längere Staus im Stadtgebiet

Im Stadtgebiet gab es längere Staus als sonst, da viele Menschen mit dem Auto zur Arbeit fuhren. Auch auf den umliegenden Autobahnen war das Verkehrsaufkommen höher. Nach Angaben der Polizei blieb das erwartete Verkehrschaos allerdings aus. Die Leitstellen registrierten bis zum Abend keine größeren Störungen oder Unfälle.

Offenbar waren die Duisburger gut auf den Streik vorbereitet. Viele warteten am Straßenrand auf eine Mitfahrgelegenheit, andere gingen zu Fuß. "Ich kann die Busfahrer verstehen", sagt Ralf Möller, der mit dem Rad zur Arbeit unterwegs war. Jeder habe das Recht zu streiken. "Wenn das früh genug angekündigt wird, kann man sich ja darauf vorbereiten." Ein junger Mann schüttelt dagegen heftig den Kopf. "Das gibt's doch nicht! Fährt heute hier nichts?", fragt er ungläubig und schaut auf den mit Flatterband abgesperrten Abgang zur U-Bahn im Hauptbahnhof. Auch Julia Jaskolski hat kein Verständnis: "Andere verdienen genauso wenig und dürfen nicht streiken."

Die Beteiligten sehen das anders. Die rund 900 Mitarbeiter der DVG versammelten sich gestern auf dem Betriebshof Am Unkelstein. Zwei mit Verdi-Fahnen beflaggte Busse versperrten die Einfahrt, "Wir sind es wert", war auf einem Banner zu lesen. "Wir haben immer mehr Arbeit und Verantwortung, bekommen aber nicht mehr Geld", sagt Kevin Shucksmith (54). Seit 27 Jahren lenkt er DVG-Busse: "Früher hatten wir Schaffner, die Fahrkarten verkauft und kontrolliert haben. Heute müssen wir alles selber machen. Dafür wollen wir angemessen bezahlt werden."

Ausweiten

Gestern Morgen hatte Verdi-Geschäftsführer Thomas Keuer die Beschäftigten besucht und die Forderungen der Gewerkschaft bekräftigt. Nach seinen Angaben bekommen neu angestellte Busfahrer bei der DVG einen Bruttolohn von etwa 1900 Euro. "Damit können viele ihre Familien nicht über die Runden bringen. Deshalb ist für uns die soziale Komponente von 200 Euro so wichtig", sagt Keuer. Und droht: "Wenn die Arbeitgeber sich nicht bewegen, werden wir den Streik ausweiten."

Quelle: RP
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