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Duisburg
Studenten zeigen "Così" auf Englisch

Duisburg. Die englischsprachige Uni-Theatergruppe probt seit Oktober an dem Erfolgsstück "Così" des australischen Autors Louis Nowra. Aschermittwoch ist Premiere in der Aula an der Geibelstraße. Von Peter Klucken

Seit 34 Jahren (!) gibt es an der Universität in Duisburg ein englischsprachiges Theater. Jahr für Jahr bringt DUET (Duisburg University English Thespians) meist im Februar eine Produktion heraus, die im Wintersemester erarbeitet wurde. Mal ist es ein heiteres, mal ein ernstes Stück. Für dieses Jahr haben die Regisseurinnen Ulrike Wright und Nicole Winkler ein Stück ausgewählt, das sowohl witzig als auch ernst ist, nämlich die Tragikomödie "Così. Das ist das bislang erfolgreichste Stück des australischen Autors Louis Nowra (Jahrgang 1950), das 1996 verfilmt wurde.

Zunächst die Story: Australien 1971. Lewis, der gerade frisch von der Uni kommt, soll in einer psychiatrischen Anstalt Theaterarbeit machen. Er kennt sich mit Studententheater und Bertolt Brecht aus und hat Vorstellungen, was er mit den Patienten einstudieren könnte. Nur beim Gedanken, dass es Psychiatrie-Patienten sind, ist ihm etwas unbehaglich.

Beim ersten Treffen mit ihnen in einem ausgebrannten alten Theater findet er ausgesprochen eigenwillige Individuen vor: einen Pyromanen, eine Frau mit Esssucht, eine mit Zwangsstörung und weitere psychotisch und neurotisch Erkrankte. Einer von ihnen, Roy, besteht hartnäckig darauf, dass es statt Brecht unbedingt die Mozart-Oper "Così fan tutte" sein muss. Ehrgeiz, Herausforderung oder Wahnsinn? Es kann nämlich nicht einer der Anwesenden Italienisch sprechen, und singen kann auch so recht keiner. Doch Lewis gibt dem Druck des selbstherrlichen Roy nach und macht sich geduldig an die Arbeit, das Libretto zu übersetzen. "Così fan tutte" handelt von Frauen, die nicht treu sein können - ist das ein Stoff für eine Zeit, in der Menschen im Vietnamkrieg sterben? Lewis' Freunde von der Uni drängen ihn, sich statt bei "Così" beim Antikriegsmarsch zu engagieren. Aber die Maßstäbe der Welt "da draußen" müssen hinter den Anstaltsmauern ganz anderen Gesichtspunkten weichen... Lewis hat am Ende Unerwartetes dazugewonnen.

Mit Warmherzigkeit, schrägem Humor und viel Situationskomik nimmt sich der Autor Louis Nowra des ungewöhnlichen Komödienstoffs an. Dabei gelingt es ihm, den herkömmlichen "Irrenanstalts"-Klischees auszuweichen, den höchst verschiedenen Figuren bei aller Verschrobenheit doch ihre menschliche Würde zu wahren und das Wechselspiel von Beziehungen und Gefühlsprozessen stets im Mittelpunkt zu halten.

Louis Nowra wusste genau, wovon er schrieb, denn nach seinem Studium führte er genau wie Lewis ein Theaterprojekt in einer psychiatrischen Klinik durch und gewann neue Einsichten über die fließenden Grenzen zwischen "Normalität", Illusion und Besessenheit. "Così" wurde 1992 in Melbourne uraufgeführt und wurde schnell zu einem der erfolgreichsten Stücke des modernen australischen Theaters.

DUET hat sich also viel vorgenommen. Am kommenden Wochenende finden die letzten Proben statt, bevor am 10. Februar (Aschermittwoch), 19.30 Uhr, die Premiere in der Uni-Aula an der Geibelstraße 41 stattfindet (Uni-Gebäude SG in Neudorf). Weitere Aufführungen sind am 11. und 12. Februar, ebenfalls um 19.30 Uhr, und am Samstag, 13. Februar, bereits um 17.30 Uhr.

An der Produktion wirken neben den beiden Regisseurinnen 24 Studierende mit, darunter Lehramtsstudenten, Ingenieure und Kulturwirte. Nur eine Mitwirkende studiert Anglistik. Elf Ensemblemitglieder stehen auf der Bühne; andere haben das Poster entworfen oder kümmern sich um Kostüme, Requisiten, Fotografie, Beleuchtung, Technik und Handwerkliches. Einen besonderen Stellenwert hat die Musik bei der Aufführung. Ein Student hat sie auf dem Klavier gespielt, ein anderer hat das Spiel aufgenommen. Diese studentische Aufnahme wird bei der Aufführung eingespielt. Die Darsteller sind so gekleidet, wie man sich in den 70er Jahren gekleidet hat. Ulrike Wright hat darüber hinaus die männlichen Darsteller gebeten, auch ihre Frisur der damaligen Zeit anzugleichen. "Deshalb tragen jetzt die meisten Darsteller Koteletten; bis auf einen, der wollte das nicht, weil er zurzeit in einem Betrieb jobbt und sich nicht so präsentieren möchte."

Das Stück biete, so Ulrike Wright, viele witzige Momente, aber auch Passagen, bei denen einem das Lachen im Halse steckenbleibt. Das Ganze sei "richtig gutes Theater!".

Quelle: RP
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