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Duisburg
Studie sieht Handlungsbedarf bei der Zuwanderung

Duisburg. In Marxloh sind neue Bedrängungen entstanden, obwohl alte Belastungen noch nicht verkraftet worden sind. Von Volker Poley

Dr. Stefan Böckler vom "NUREC Institude" freute sich über die Publikums-Resonanz anlässlich der Vorstellung der Marxloh-Studie. Fachbereichsleiter Josip Sosic musste am Montagabend im Vortragssaal der Volkshochschule noch "anbauen", um allen Interessenten Sitzplätze anbieten zu können. Böckler und seine Mitarbeiter untersuchten seit 2015 speziell die Lage der rumänischen und bulgarischen Zuwanderer im Stadtteil Marxloh.

Erfasst wurden dabei auch die Meinungen und Sichtweisen der "Alteingesessenen", die bereits schon vor 2006 in dem Hamborner Stadtteil wohnten. Mit den in diesem Zusammenhang erfassten Daten will der Wissenschaftler den politisch Handelnden eine "Wissensbasis" liefern und für eine Versachlichung der Diskussion sorgen. Böckler bedauert, dass durch die aktuelle Flüchtlingssituation die Probleme der Zuwanderung aus Bulgarien und Rumänien nicht mehr im Fokus der Politik stehen. Handlungsbedarf gebe es jedenfalls reichlich.

Er stellte heraus, dass im Rahmen der Arbeitnehmerfreizügigkeit EU-Bürger sich ihren Wohnsitz und ihren Arbeitsplatz in den Mitgliedsstaaten selbst auswählen können. Erst nach der Finanzkrise wurde Deutschland eines der Hauptzuzugsziele von Rumänen und Bulgaren, nachdem zuvor Spanien, Italien und England bevorzugt wurden. Die Gründe für den Wegzug sind vielfältig. Dazu gehören ethnische Verfolgung und Diskriminierung in der Heimat, stark auch der Wunsch, einer Arbeit nachgehen zu können und den eigenen Kindern bessere Zukunftschancen zu ermöglichen.

Dass gerade Duisburg (Marxloh, Hochfeld) und andere deutsche Großstädte dabei begehrte Ziele sind, habe auch mit dem Angebot von billigem Wohnraum zu tun. Zudem locken bereits dort wohnende Zuwanderer weitere Familien an. Problematisch sei, dass die Arbeitssuchenden in der Mehrzahl schlecht ausgebildet sind und keine guten Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Bulgaren, da sie oftmals einer türkischsprachigen Minderheit angehören, kommen vor Ort bedeutend besser klar. Insgesamt sei die Situation in Marxloh schon schwierig, die "alteingesessene" deutsch-türkische Bevölkerung fühlt sich überfordert und ist mit der Gesamtlage "sehr unzufrieden".

Die Studie fasst die Situation so zusammen: "In Marxloh sind neue Bedrängungen entstanden, obwohl alte Belastungen noch nicht verkraftet worden sind." Der hohe Anteil an Kindern und Jugendlichen fordert zusätzliche Maßnahmen. Das bestätigt auch die Aussage einer Marxloher Grundschullehrerin, die sich mit den Problemen "von der Politik alleingelassen" fühlt: "Ein Drittel meiner Schüler kommt aus Zuwanderer-Familien. Allein die Sprachprobleme sind enorm. Die meisten Kinder sind nicht schulreif." Die Pädagogin bedauert, dass die Seiteneinsteiger-Klassen wieder aufgegeben wurden, genau wie die Schulkindergärten. Ein großes Problem sei auch, dass die "amtlichen Lehrpläne nicht zu Klassen mit hohem Zuwanderanteil" passen.

Dringenden Handlungsbedarf stellt auch die Studie des "NUREC- Institudes" fest. Gefordert wird eine konsequente Sprach- und Bildungsförderung, eine andere Arbeitsmarktpolitik, praktikable Regelungen bezüglich der Krankenversicherung und eine Verbesserung der Wohnungssituation. Ein Ende der Zuwanderung sei nicht abzusehen.

Derzeit leben rund 17.000 Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien in der Stadt. Davon 4800 in Marxloh.

Quelle: RP
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