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Innenansichten: Die Universität Duisburg-Essen
Studieren mit Kind ist heute einfacher

Innenansichten: Die Universität Duisburg-Essen: Studieren mit Kind ist heute einfacher
Es ist Snackzeit in der Kindertagesstätte an der Geibelstraße 57, und es gibt Weintrauben, Wassermelone, Äpfel, Orangen und Knäckebrot. Während die Eltern in der Uni studieren, wird ihr Nachwuchs gut betreut. FOTO: andreas probst
Duisburg. Um Studierende mit Kind zu entlasten, hat das Studierendenwerk Essen-Duisburg vor wenigen Jahren zwei Kitas und zwei Tagespflegeeinrichtungen ins Leben gerufen. Betreut werden dort Kinder ab vier Monaten bis zur Einschulung. Von Emily Senf

Die Kita-Kinder sind gerade verhältnismäßig still, denn ihre Münder sind voll. Die Kleinen kauen. Es ist Snackzeit in der Kindertagesstätte an der Geibelstraße 57, und es gibt Weintrauben, Wassermelone, Äpfel, Orangen und Knäckebrot. Jeden Nachmittag um die gleiche Zeit machen die Mädchen und Jungen eine Pause vom Spielen und naschen Obst. Ihre Eltern sitzen währenddessen in einer Vorlesung oder in der Bibliothek. In der Kita mit dem Namen "Campino" werden nämlich die Kinder von Studierenden der Universität Duisburg-Essen betreut. Die Jüngsten sind gerade einmal vier Monate alt, die Ältesten kommen bald in die Schule.

Die Kita "Campino" gibt es seit Ende 2011. Kurz zuvor hatte der Träger, das Studierendenwerk Essen-Duisburg, bereits die Kita "Brückenspatzen" in Essen gegründet. Seit Kurzem gibt es zusätzlich die Tagespflegeeinrichtungen "Tiegelkids" an der Tiegelstraße in Essen und "Campuskids" an der Mülheimer Straße in Neudorf. Wer bis dato als Student Hilfe bei der Betreuung seines kleinen Kindes suchte, bekam sie bei der "Krabbelburg". Das ist eine von Eltern initiierte Gruppe, in der sie sich freiwillig bei der Betreuung der Kinder abwechseln. Die "Krabbelburg" besteht auch heute noch und wird vom Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) unterstützt.

Das ist die Universität Duisburg-Essen FOTO: RP Duisburg

Vom Obst der "Campino"-Kinder ist inzwischen nichts mehr übrig geblieben. Die Kleinen rennen bereits wieder über das Außengelände der Kita. "Wir legen viel Wert auf Bewegung", sagt Kita-Leiterin Dorothea Benny. "Davon kriegen die Kinder den Kopf frei." Bevor das Studierendenwerk die Gebäude 2008 übernahm, gehörten sie zur Gemeinde St. Anna. Aus vier Häusern bestand der Kindergarten damals. Inzwischen sind sie durch überdachte Gänge zu einem Gebäude zusammengefügt worden. Knapp eine Million Euro kostete der Umbau.

Damals waren die Wartelisten für die selbst organisierte "Krabbelburg" immer länger geworden. Und "manchmal war auch nicht wirklich Verlass auf die Betreuung", berichtet Sandra Breuer, Leiterin für den Bereich "Studieren mit Kind" beim Studierendenwerk Essen-Duisburg. "Außerdem haben wir gemerkt, dass die Eltern schon recht schnell nach der Geburt Betreuung für ihr Kind brauchen", sagt sie. Denn gerade Studierende aus dem Ausland können sich oft keine langen Pausen leisten. "Sie müssen einen bestimmten Notenschnitt zeigen, sonst wird ihnen das Geld gekürzt", sagt Breuer. Im schlimmsten Fall hat das auch Auswirkungen auf die Aufenthaltsgenehmigung. "Auf ihnen lastet ein ganz schöner Druck", sagt die Bereichsleiterin.

Der Ionenbeschleuniger an der Universität Duisburg-Essen FOTO: Aaron Clamann

Die beiden Kitas öffnen täglich um 7.30 Uhr. Die Kinder können bis 17 Uhr bleiben, freitags müssen die Eltern sie bereits um 16 Uhr abholen. Nach Absprache sind die Zeiten jedoch flexibel. "Wenn eine Klausur morgens früher beginnt oder nachmittags später endet, sorgen wir dafür, dass die Eltern sie wahrnehmen können", sagt Breuer. Die Stunden, die ein Kind pro Woche in der Kita oder der Tagespflege verbringt, sind variabel, "je nach Bedarf".

Säuglinge beginnen in der Tagespflege in der Regel mit 25 Stunden wöchentlich. "Das ist für die Eltern erst mal viel", sagt Breuer und lächelt. "Aber nach ein paar Monaten merken sie, dass sie eigentlich noch mehr Betreuungszeit brauchen." Denn die meisten Eltern studieren schon bald in Vollzeit weiter. Für die Betreuung gibt es auch eine Obergrenze: Kein Kind verbringt mehr als 45 Stunden pro Woche in einer der Einrichtungen.

Hier entsteht das neue Hörsaalzentrum der Universität Duisburg-Essen FOTO: Aaron Clamann

Die drei Gruppen in der Kita "Campino" sind nach dem Prinzip "teiloffene Arbeit" angelegt: Es gibt verschiedene Funktionsräume, in denen sich die Kinder je nach Laune aufhalten können. So ist etwa ein Zimmer für Rollenspiele mit Verkleidungen eingerichtet, eins zum Bauen und Konstruieren mit Bauklötzen und Magneten und aus einem weiteren wurde ein Atelier, in dem die Kinder basteln und malen können.

Der Schwerpunkt der Kita liegt auf dem künstlerischen Bereich. "Unsere Kinder sind die kleinen Künstler", sagt "Campino"-Leiterin Benny. In Kooperation mit dem Lehmbruck-Museum fertigen die Vorschulkinder Bilder und Bastelarbeiten und stellen diese ab und zu aus. Die Kinder in der "Brückenspatzen"-Kita in Essen sind "die kleinen Forscher". "Sie lernen ganz simpel anhand von alltäglich Dingen, warum beispielsweise Wasser gefriert oder warum die eine Puppe untergeht, wenn sie in den Teich fällt und eine andere nicht", sagt Breuer.

In den Kitas werden circa 50 Kinder von 13 bis 15 Betreuern versorgt. In den Tagespflegeeinrichtungen kommen jeweils drei Tagesmütter auf je neun Kinder. Die Betreuer sind gelernte Erzieher, aber auch Sozial- oder Diplompädagogen und beim Studierendenwerk fest angestellt. Mehrheitlich besteht das Team aus Frauen. Lediglich in der "Campino"-Kita gibt es einen Mann sowie einen männlichen Praktikanten.

Die Gebühren für die Betreuung zahlen die studierenden Eltern an das Jugendamt. Sie sind nach Einkommensgrenzen gestaffelt. Wer finanziell nicht gut aufgestellt ist, kann Unterstützung beantragen. Erster Ansprechpartner ist die Sozialberatung des Studierendenwerks. Heutzutage sei es deutlich einfacher mit Kind zu studieren, als noch vor einigen Jahren, meint Bereichsleiterin Breuer, finanziell und von der verbesserten Betreuungssituation her. "So gut wie heute wäre es früher nicht möglich gewesen", sagt sie.

Quelle: RP
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