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Duisburg
Suche nach Quartieren fürs Land

Duisburg: Suche nach Quartieren fürs Land
Im ehemaligen St.-Barbara-Hospital hat das Land bereits eine Übergangseinrichtung für Asylbewerber eingerichtet. FOTO: Probst, Andreas (apr)
Duisburg. Sogar die Kraftzentrale im Landschaftspark ist schon als Flüchtlingsunterkunft angedacht. In Kürze schickt das Land 300 weitere Asylbewerber. Die Zelte in Walsum hat das DRK mittlerweile abgebaut. Von Hildegard Chudobba und Sandra Kaiser

Die Not der Stadt, Flüchtlinge unterzubringen, wird immer größer. Diejenigen, die hier mit der Quartiersuche befasst sind, haben kaum noch freie Zeit, denn immer mehr Asylsuchende müssen untergebracht werden. Bis zum Wochenende kommen 1000 neue, morgen stehen 300 vor der Tür - so oder ähnlich lauteten die Nachrichten der vergangenen Stunden, die sich innerhalb von weiteren Stunden aber wieder relativierten oder als falsch erwiesen - oder nur Teil der Wahrheit waren. Die Ankündigung von Sozialdezernent Spaniel, ohne Tabus nach geeigneten Immobilien zu suchen, zeigte sich auch gestern. Da wurde kurzfristig sogar überlegt, die Kraftzentrale im Landschaftspark zweckzuentfremden. Der Plan wurde später wieder verworfen (vorerst), weil die Halle nur mit hohem Aufwand (rund 30.000 Euro Heizkosten p.a.) warm zu halten ist.

Die Stadt hat bei der Beschaffung von Quartieren so gut wie keinen planbaren Vorlauf. Sie erfährt sehr kurzfristig, wann der nächste Bus mit Flüchtlingen eintrifft und wie viele Menschen kommen. Als in der vorigen Woche die Glückauf-Halle in Hochheide belegt wurde, da stand noch nicht fest, ob die Bewohner der am übernächsten Tag zu schließenden Walsumer Zeltstadt dorthin umziehen sollen oder ob es "neue" Zugewiesene sein werden. Auch gestern Mittag wusste die Stadt nicht, ob am heutigen Vormittag tatsächlich 300 neue Flüchtlinge kommen oder nicht. Am Nachmittag teilte sie mit: "Die Bezirksregierung Düsseldorf hat die Stadt Duisburg erneut kurzfristig um Amtshilfe bei der Unterbringung von Flüchtlingen gebeten. Die Stadt sucht daher mit Hochdruck nach einer weiteren Notunterkunft für 300 Flüchtlinge. Wann genau die Menschen nach Duisburg kommen und wo sie untergebracht werden, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest."

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In den großen Sammeleinrichtungen sorgen größtenteils Ehrenamtliche dafür, dass die dort Untergebrachten versorgt und verpflegt werden. Vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Duisburg hieß es gestern, dass deren freiwillige Helfer langsam an ihre Grenzen stoßen. Etliche von ihnen haben Urlaub genommen, um die Flüchtlingsbetreuung zu übernehmen. Das DRK nähere sich dem Punkt, an dem es seine Hilfe einstellen müsse, hieß es aus Kreisen der Organisation.

Am vergangenen Wochenende hat das Landes-DRK damit begonnen, die Zeltstadt am Kerskensweg in Walsum abzubauen. Die Zelte sind bereits verschwunden. "Am kommenden Wochenende werden wir mit unseren Ehrenamtlichen den Rest erledigen", sagte eine Sprecherin. Sie dankte den Helfern noch einmal ausdrücklich für ihren Einsatz und lobte das Engagement von vier Asylsuchenden, die ebenfalls mit angepackt hätten.

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Kritik an der städtischen Kommunikation in Sachen Flüchtlingsunterbringung äußerte unterdessen Klaus Radny, CDU-Bezirksvertreter und stellvertretender Bezirksbürgermeister von Homberg/Ruhrort/Baerl. Erst am Freitag, 9. Oktober, wollten Oberbürgermeister Sören Link, Sozialdezernent Reinhold Spaniel sowie Vertreter der Bezirksregierung Düsseldorf über die weiteren Pläne für die Glückauf-Halle informieren (18 Uhr, Erich-Kästner-Gesamtschule, Ehrenstraße 87, Hochheide). "Das kommt recht spät", so Radny. Und er habe auch nur auf Nachfrage davon erfahren. "Dabei geht uns das Thema alle an - und zwar parteiübergreifend."

Dieses Wort betonte er besonders, denn am vergangenen Samstag war er in Baerl "zufällig" in eine Veranstaltung "hineingeraten", die sich mit genau diesem Thema beschäftigte. Unter anderem nahmen daran Offizielle wie OB Link, Duisburg-Sport-Chef Jürgen Dietz, Bezirksamtsleiter Carsten Alberts sowie Bundestagsabgeordneter Mahmut Özdemir und Bezirksbürgermeister Hans-Joachim Paschmann teil. "Ein Vereinsmitglied hatte mich darauf hingewiesen, dass alle betroffenen Vereine eingeladen seien und gemeinsam nach Lösungen gesucht werden sollte. Deshalb bin ich hingegangen. Bei der Veranstaltung wurde ich dann jedoch mehrfach gefragt, ob ich eine Einladung habe. Erst später habe ich herausgefunden, dass es sich um eine SPD-Veranstaltung handelte", schilderte Radny. Er könne nicht verstehen, "warum daraus eine parteiinterne Veranstaltung gemacht wird. Das Thema geht alle etwas an. Hier sollten alle gemeinsam anpacken".

FOTO: Christoph Reichwein
Quelle: RP
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