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Duisburg
Sympathisch unprätentiös

Duisburg: Sympathisch unprätentiös
Claire-Marie Le Guay spielt so, wie sie auftritt. Ihr klarer und unaufdringlicher Anschlag lässt Strukturen in sanfter Deutlichkeit entstehen. FOTO: Carole Bellaiche
Duisburg. Im jüngsten, zweiten Duisburger Kammerkonzert im Theater am Marientor (TaM) spielte die junge französische Pianistin Claire-Marie Le Guay Werke von Johann Sebastian Bach und Wolfgang Amadeus Mozart. Von Ingo Hoddick

Vor fast zwei Jahren trat die junge französische Pianistin Claire-Marie Le Guay erstmals im Duisburger Kammerkonzert auf, damals zusammen mit dem Mandelring-Quartett (die RP berichtete). Jetzt bestritt sie solo das jüngste, zweite hiesige Kammerkonzert der neuen Saison 2015/16. Im Theater am Marientor (TaM) war das der diesjährige Bechstein-Klavierabend.

Auf dem Programm standen fünf dankbare Werke aus dem 18. Jahrhundert, abwechselnd von Johann Sebastian Bach und von Wolfgang Amadeus Mozart. Das "Capriccio sopra la lontananza del fratello dilettissimo" ("Capriccio über die Abreise des geliebten Bruders") BWV 992, eine wilde Mischung zwischen tieftrauriger Klage und lustigem Posthörnchen, schrieb Bach wahrscheinlich um 1704, also mit etwa 19 Jahren. Frei ist die Form auch in Mozarts Fantasie c-Moll KV 475 (1785). Exemplarisch dann Bachs Partita (Suite) Nr. 1 B-Dur BWV 825 (1726), Mozarts Sonate B-Dur KV 333 (315c, 1783) und Bachs Italienisches Konzert F-Dur BWV 971 (1735).

Claire-Marie Le Guay spielt so, wie sie auftritt, nämlich sympathisch unprätentiös. Ihr klarer und unaufdringlicher Anschlag lässt Strukturen in sanfter Deutlichkeit erstehen.

Das stille Leuchten ist mehr ihr Ding als die virtuose Pranke. Vor allem aber beherrscht sie die noble Kunst, die Musik vergangener Zeiten - eigentlich gedacht für das Cembalo beziehungsweise Hammerklavier - auf dem "modernen" Flügel zum Leben zu erwecken, ohne ihr Gewalt anzutun.

Die Zügel sind angezogen, aber nichts wird verzärtelt. Artikulation und Phrasierung "stimmen". Nicht zuletzt kann Le Guay den Bechstein so anfassen, dass er unvermutet gesanglich klingt. Sicher, die ausbrechende Verzweiflung in der Mozart-Fantasie wirkte im Theater am Marientor allzu gebremst, und die Allemande in der Bach-Partita erschien zu schnell - doch das sind nur kleine Einwände bei einem insgesamt sehr gelungenen Klavierabend.

Die erste ihrer beiden Zugaben war eine Überraschung, nämlich die zweite Franziskus-Legende von Franz Liszt, in der es darum geht, wie der heilige Franz von Paula über die Wasser schreitet. Wunderbar, wie hier die schlichte Spiritualität dieser Musik herüberkam. Der Kreis schloss sich am Ende mit einer Invention von Johann Sebastian Bach.

Quelle: RP
 
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