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Duisburg
Synode im Zeichen der Terror-Anschläge

Duisburg: Synode im Zeichen der Terror-Anschläge
Tagungsort der Synode war die Pauluskirche in Hochfeld, für die in der Kirche Tischreihen aufgebaut worden waren. FOTO: ev. Kirche
Duisburg. In der Hochfelder Pauluskirche gedachten die Teilnehmer der Toten, Verletzten und deren Angehörigen. Die Synode befasste sich am Wochenende aber auch mit der aktuellen Flüchtlingspolitik.

Die Synode des Evangelischen Kirchenkreises Duisburg in der Hochfelder Pauluskirche stand tief unter dem Eindruck der Terroranschläge in Frankreich. Mit Gebeten, einer Schweigeminute und Fürbitten wurde der Opfer und deren Angehörige gedacht und die Hoffnung ausgesprochen, dass die verantwortlichen Politiker bei der Suche nach den Schuldigen Vernunft und Besonnenheit walten lassen, "dass sie tun, was dem Frieden dient."

Dennoch oder gerade deshalb befasste sich die Synode mit der Situation der Flüchtlinge. Die Synodalen, die gewählten Vertreter aus den Gemeinden sowie berufene Mitglieder, beschlossen einstimmig eine Erklärung. In ihr anerkennen sie, dass es großer Anstrengungen und eines hohen Maßes an Improvisation bedurfte, um von Seiten der Stadt die Unterbringung und Versorgung der hohen Zahl von Flüchtlingen zu gewährleisten. Nötig sei es jedoch, "ein gemeinsames Konzept zwischen Stadt, Kirchen, Werken und Wohlfahrtsverbänden zu entwickeln, das mittel- und langfristig die Lage beschreibt und die Arbeit organisiert, das Mindeststandards für die Unterbringung festsetzt und das Anforderungen und Möglichkeiten der zivilgesellschaftlichen Begleitung formuliert".

Von besonderer Bedeutung sei dabei eine dezentrale Orientierung an den Sozialräumen, um die "bewundernswert hohe Bereitschaft zu Geld-, Zeit- und Sachspenden nicht ins Leere laufen zu lassen, sondern sinnvoll vor Ort fruchtbar machen zu können." Die bisherige EU-Flüchtlingspolitik sei gescheitert, heißt es weiter in der Erklärung, die unter "www.kirche-duisburg.de" im Wortlaut nachzulesen ist. Die Synode unterstützt vielmehr die Forderungen nach einem Einwanderungsgesetz für Deutschland und nach einer offenen und solidarischen Asyl- und Flüchtlingsregelung in der EU. Entschieden verurteilt werden "alle nationalistischen, rassistischen und fremdenfeindlichen Äußerungen und Bestrebungen in unserer Umgebung". Die Erklärung endet mit dem Satz: "Wir werden als evangelische Kirche alles uns Mögliche tun, um die Zuwanderungsgesellschaft in Duisburg solidarisch und zukunftsgerichtet mitzugestalten."

In seinem Jahresbericht ging Superintendent Armin Schneider ebenfalls auf die Situation der Flüchtlinge ein: "Ich will an dieser Stelle noch einmal ganz deutlich sagen, dass in Duisburg niemand, auch nicht die Sozialverwaltung, Zelte und Turnhallen als Flüchtlingsunterkünfte befürwortet. Dass es sie trotzdem gibt, ist der puren Not geschuldet und insbesondere der Tatsache, dass die finanziellen und die infrastrukturellen Möglichkeiten nach wie vor dem hinterher hinken, was eigentlich gebraucht wird."

In Duisburg sei man jedoch von einem breiten politischen Konsens zur Aufnahme von Menschen aus anderen Ländern, und zwar zur Aufnahme vieler Menschen, die dauerhaft bleiben würden, weit entfernt. Hier erwarte er vom Stadtoberhaupt und von den Ratsfraktionen mehr. Die evangelische Kirche nahm Schneider ebenso in die Pflicht: Sie "ist eine Akteurin in der Stadtgesellschaft, die angesichts von Flucht und Zuwanderung eigentlich mehr tun müsste und auch mehr tun will, als sie tatsächlich tun kann."

Auf ihrer Tagung vor einem Jahr hatte die Synode die Bildung der Regionalen Kooperationsräume beschlossen. Sie ordnete die 15 Kirchengemeinden den Kooperationsräumen Nord, Mitte und Süd zu.

Jetzt beschloss die Kreissynode, dass die Gemeinden in den Regionalen Kooperationsräumen bis zur Sommersynode 2016 für ihren jeweiligen Kooperationsraum für die Personalplanung und für die durch die Kreissynode in ihrer Tagung im Juni 2015 übertragenen Aufgaben eine rechtlich verbindliche Verfahrensregelung vereinbaren. Ob Kooperation durch Vereinbarung oder durch Satzung, das beschließen die Gemeinden in den Regionalen Kooperationsräumen selbst. Ziel ist eine bessere Vernetzung der Gemeinden, um auch in Zukunft mit Angeboten in den Stadtteilen vertreten zu sein.

In seinem Jahresbericht bemerkt Superintendent Schneider an: "Betrachtet man den langen Zeitraum, in dem uns das Thema Regionalisierung nun schon begleitet, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass dieser Prozess keine Begeisterungsstürme ausgelöst hat." Sich in einer Region solidarisch und verbindlich über bestimmte Angelegenheiten zu verständigen, bedeute auch, dass die einzelne Gemeinde ihre Verantwortung und ihren Einfluss mit anderen teilen müsse. Es sei zu keinem Zeitpunkt darum gegangen, "die Verantwortung für die künftige Gestaltung des kirchlichen Lebens ausschließlich auf die Ebene des Kirchenkreises zu verlagern, sondern der Kreissynodalvorstand hat sich sehr bewusst dafür entschieden, von dieser Verantwortung soviel wie möglich auf der Ebene der Gemeinden zu belassen." Das setze aber den Willen zu einer solidarischen und verbindlichen Verständigung voraus.

Quelle: RP
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