| 22.02 Uhr
Protokoll
Tag vier nach der Loveparade-Tragödie
Die Zugangsrampe - der Unglücksort
Die Zugangsrampe - der Unglücksort FOTO: ddp
Noch immer ist unklar, wer die Schuld an den tragischen Vorfällen auf der Loveparade in Duisburg trägt. Weder Stadt, noch Veranstalter oder Polizei wollen sich ihrer Verantwortung stellen. Wir haben die Ereignisse am am vierten Tag nach der Tragödie zusammengefasst.

+++21.59 Uhr An dem Trauermarsch haben rund 1.000 Fußballfans teilgenommen. Der Zug setzte sich am Westende des Tunnels an der Karl-Lehr-Straße in Richtung Stadion in Bewegung. Einige Teilnehmer kamen in blau-weißen Fußballtrikots, andere in Schwarz oder Freizeitkleidung. Alle waren sie über das Internet über den Marsch informiert worden: "Die Idee kam uns am Montagabend im Online-Portal der MSV-Fans", berichtete Fußballfan Gottschlich. Das Ganze habe eine Eigendynamik entwickelt, so dass jetzt Fußballfans aus vielen Revierstädten dabei seien, sagte der Duisburger.

+++17.55 Uhr Fehlalarm: Die Polizei meldet, dass es sich bei der Bombendrohung im Duisburger Rathaus um einen Fehlalarm gehandelt habe.

+++17.51 Uhr Mehrere hundert Fußballfans sind zu einem Trauermarsch von der Unglücksstelle der Loveparade zum Stadion des MSV Duisburg gestartet. An der Spitze des Trauerzugs trugen nach Angaben von Augenzeugen Teilnehmer ein großes Transparent mit den Worten "Wir MSV-Fans trauern um 21 Menschen, die nur feiern wollten".  Die Strecke von der Unglücksstelle zum Stadion ist zwei Kilometer lang. Um 19 Uhr sollte in dem Stadion ein Freundschaftsspiel zwischen dem MSV Duisburg und VfL Bochum beginnen.

+++17.40 Uhr Es gab eine Bombendrohung im Duisburger Rathaus. Die Polizei spricht von einer ernsthaften Bedrohung. Derzeit wird das Rathaus evakuiert.

+++15.58 Uhr Jäger will nicht bewerten, warum die Stadt Duisburg sich nicht mehr öffentlich zu den Geschehnissen äußert. Auch über mögliche Hintergründe oder Motive im Vorfeld der Katastrophe seitens der Satdt oder des Veranstalters wolle er nicht spekulieren.

+++15.49 Uhr Innenminister Jäger erklärt, es habe nie am Einsatz der Polizei gemangelt. Die Beamten seien in ausreichender Anzahl in Duisburg gewesen. Fragen zu möglichen Versäumnissen der zuständigen Behörde, der Stadt Dusiburg, könnten von den Anwesenden nicht beantwortet werden.  

+++15.42 Ein möglicher Auslöser der Katatstrophe, eine Zuspitzung, so Wehe, könnten die Fluchtversuche der bedrängten Masse über drei Ausweichpunkte gewesen sein: Dem Container, den Masten und der Treppe. Als die Besucher zu diesen Punkten drängten, um entweder der Enge zu entfliehen oder früher auf das Veranstaltungsgelände zu kommen, kam es zum bedrohlichen Gedränge. An diesen Punkten seien dann auch die Toten gefunden worden.

+++15.38 Uhr Der Poilizeiinspekteur betont, dass die Eingänge zum Gelände der Loveparade ganze zwei Stunden später geöffnet worden seien, als geplant - obwohl es einen massiven Ansturm gegeben habe. Die Menschen hätten schon Schlange gestanden. "Es drohte, dass diese Stelle generell überrannt wird", so Wehe. Einige unzufriedene Besucher hätten bereits aggressiv reagiert, Polizei und Rettungskräfte angegriffen. Dennoch habe der Veranstalter nicht angemessen reagiert. Seine Aufgabe sei es gewesen, den ordentlichen Zugang zu gewährleisten. Später habe die Polizei dann Druck gemacht.

+++15.35 Uhr  Wehe weist Kritik zurück, warum die Polizei nicht stärker Präsenz gezeigt und von Beginn an eingegriffen habe. Er betont, dass es dafür zunächst keinen Anlass gegeben habe. Die Polizei sei zu Beginn davon ausgegangen, dass alle Zusagen zur Sicherheit eingehalten worden seien.

+++15.29 Uhr Jäger betont, dass für künftige Ereignisse Lehren aus dem Fall gezogen werden müssen, damit so ein Unglück nie wieder geschehe. Zu klären sei nun, warum die Anordnungen der Polizei nicht von den Ordnern des Veranstalter umgesetzt worden seien und warum das Sicherheitskonzept erst so spät der Polizei vorgelegen habe. "Eine vertrauensvolle Arbeit zwischen der Stadt und der Polizei stelle ich mir anders vor", erklärte Jäger. Die Polizei sei davon ausgegangen, dass alle Sicherheitsbedenken im Vorfeld aus dem Weg geräumt worden seien.

+++15.28 Uhr Jetzt spricht Innenminister Jäger. Er betont, dass die Zusammenarbeit der Rettungskräfte und der Polizei sehr gut funktioniert habe. Sie hätten beherzt eingegriffen, nur durch ihren Einsatz seien weitere Opfer vermieden worden.

+++15.24 Uhr Wehe kämpft mit den Tränen, als er den Hergang schildert, der zu dem tödlichen Gedränge führte, seine Stimme kippt: Gegen 17.02 am Samstag wurden der Polizei erste Opfer auf der Rampe gemeldet. "Nach Erkenntnissen der Polizei ist zu befürchten, dass am Boden liegende Zaunelemente zur Stolperfalle wurden". 14 der Getöteten seien dort aufgefunden worden, alle starben durch Quetschungen.

+++15.21 Uhr Wehe: Eine Polizeikette habe die Rampe dann zum Teil gesperrt, da es aber seitens des Veranstalter nicht zu den abgesprochenen Sperrungen im Zugang kam, musste die Polizeikette durch den hohen Druck aufgelöst werden, erklärt Wehe. Zeitgleich drängten Menschen in anderer Richtung auf den Ausgang zu. Es sei unklar, ob die zugesagten 150 Ordner an ihrem Platz waren. Fest stehe, dass die Anzahl der Ordner nicht ausgereicht habe und die abgesprochenen Sperrungen nicht angemessen durchgeführt worden seien.

+++15.17 Uhr Beim Durchlass gab es dann massive Probleme: Die Menschen wurden nicht schnell genug durchgeleitet, offensichtlich waren die Ordner nicht in der Lage, den Stau aufzulösen. Die Stadt Duisburg habe vorher darauf hingewiesen, dass es Probleme geben könnte. Später habe der Veranstalter die Polizei um Hilfe gebeten. Allerdings wurden von den Kräften des Veranstalter die dann erfolgten Anweisungen der Polizei nicht umgesetzt: Der Zugang zum Gelände sollte eigentlich für weitere Besucher geschlossen, die Ordner dementprechend umgesetzt werden. Das ist offenabr nicht passiert. Geöffnete Zäune für die Durchfahrt der Rettungswagen wurden nicht mehr geschlossen, so dass weitere Besucher auf das Gelände strömen konnten.

+++15.12 Uhr Die Polizei auf dem Gelände (vier Hundertschaften) habe zunächst nur Aufgaben wie die Klärung von Diebstählen, Auseinandersetzungen oder ähnlichem. Wehe kritisiert: Die Polizei habe erst am Samstagmorgen auf Nachfrage von der Stadt Duisburg die Sicherheitsgenehmigung bekommen. Darin stehe, dass das Gelände nur für 250.000 Menschen ausgelegt sei und es eine Zusage für die Verengung der Zuwege gebe. Es habe am Morgen bereits große Rückstaus an den Eingangsschleusen gegeben, sie wurden verspätet geöffnet. Grund waren Planierarbeiten. Außerdem seien nicht ausreichend Ordner platziert worden. Am zentralen Zugang aus dem Tunnel auf das Gelände (am Ende der Rampe) kam es dadurch zum Rückstau durch die Zuschauer, obwohl sich auf dem Gelände noch ausreichend freie Flächen befanden.

+++15.09  Polizeiinspekteur Dieter Wehe spricht über den Tag des Unglücks: An den beiden Einlass-Schleusen habe der Veranstalter "Vereinzelungsanlagen" aufbauen lassen, eine Art Schleuse, die eine Überprüfung der Besucher möglich mache. Diese Anlagen sowie der Zu- und Ablauf standen unter der verantwortung der Veranstalter, so Wehe. "In diesem Bereich war allein der Veranstalter für die Sicherheit der Loveparade verantwortlich".

+++15.06 Uhr Jäger: Die Zuständigkeit im Vorfeld der Loveparade liege bei  der Stadt Duisburg als Genehmigungsbehörde, während der Veranstaltung selbst - auf dem Gelände - hat der Veranstalter die Verantwortung, ähnlich wie bei Fußballspielen oder großen Open-Air-Konzerten. Der Veranstalter habe die Polizei um Hilfe gerufen, weil das Geschehen außer Kontrolle geraten sei.

+++15.04 Uhr Der Innenminister betont, dass noch nicht alle Ermittlungen abgeschlossen seien. Er will aber den Stand der bisherigen Ermittlungen offen darlegen. "Wir werden heute viele, aber nicht alle Fragen beantworten können" so Jäger, da es noch kein detailiertes Bild gebe. Zudem gebe es Informationen, die nicht veröffentlicht werden dürfen, um die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht zu behindern.

+++15 Uhr Die Pressekonferenz beginnt. Jäger drückt zunächst sein Mitgefühl aus. "Die Menschen in NRW und darüberhinaus stehen unter Schock". Er selbst sei Duisburger. Er hoffe auf die Genesung der Verletzten. Die Stimmung in der Bevölkerung sei so, dass es als unerträglich empfunden wird, dass es keine Aussagen und Verantwortungsübernahme gebe.

+++14.47 Uhr Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger und Dieter Wehe von der Polizei in NRW werden um 15 Uhr Auskunft zum Stand der Ermittlungen nach der Loveparade-Katastrophe geben. Wir berichten aktuell über die Pressekonferenz.

+++13.20 Uhr: Zu der Trauerfeier in der Salvator-Kirche am kommenden Samstag in Duisburg werden rund 200.000 Gäste erwartet. In die Kirche werden lediglich 500 Menschen Platz finden. Damit die Trauernden die Trauerfeier verfolgen können, werden eine Leinwand am Burgplatz vor dem Rathaus und am Duisburger Innenhafen aufgestellt.

+++12.28 Uhr: Bei den Vorbereitungen zur Loveparade hat sich die SPD-Stadtratsfraktion schlecht informiert gefühlt. "Es gab zum Beispiel Fragen zur Finanzierung der Veranstaltung", sagte Uwe Linsen, Geschäftsführer der SPD-Ratsfraktion. Diese seien aber ignoriert worden. "Wir mussten extra eine Sondersitzung einberufen, sonst hätten wir darauf gar keine Antwort erhalten", sagte er. So sei bei ihm der Eindruck entstanden, dass eine offene Diskussion über die Veranstaltung von Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) nicht gewünscht gewesen sei.

+++10.20 Uhr: Die Tragödie bei der Loveparade hat ihr 21. Opfer gefordert. In der Nacht auf Mittwoch erlag eine 25-jährige Frau aus dem nordrhein-westfälischen Heiligenhaus (Kreis Mettmann) ihren schweren Verletzungen. Das hat die Staatsanwaltschaft Duisburg unserer Redaktion bestätigt.

+++9.15 Uhr: NRW-Innenminister Ralf Jäger und der Inspekteur der nordrhein-westfälischen Polizei Dieter Wehe geben um 15 Uhr eine Pressekonferenz. Dort wollen sie den bisher bekannten Stand der Ermittlungen zur Loveparade darlegen und die entscheidende Phase bis zur tödlichen Eskalation rekonstruieren. Die Rede des NRW-Innenministers zum Nachlesen finden Sie hier.

+++7.38 Uhr: Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat nach der Katastrophe bei der Loveparade mit 20 Toten personelle Konsequenzen gefordert. Sie habe zur Kenntnis genommen, dass der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland im Amt bleiben wolle, sagte die SPD-Politikerin in Düsseldorf. Sie fügte aber hinzu: "Es wird am Ende auch um politische Verantwortung gehen."

+++7.12 Uhr: Der Organisator der Loveparade, Rainer Schaller, weist Vorwürfe zurück, die Sicherheit bei dem Event in Duisburg vernachlässigt zu haben. Die Genehmigung sei erteilt worden, sagte Schaller der "Bild"-Zeitung. "Ohne diesen offiziellen Stempel hätten wir die Loveparade niemals stattfinden lassen", sagte der Geschäftsführer des Loveparade-Veranstalters Lopavent. Er habe auch niemanden unter Druck gesetzt, fügte Schaller hinzu. Ihm sei auch nicht bekannt, dass jemand von seinen Mitarbeitern dies getan habe.

+++6.27 Uhr: Nicht nur der Direktor der Berufsfeuerwehr Duisburg, auch ranghohe Polizeibeamte haben Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) vor der Loveparade offenbar schriftlich ihre Sicherheitsbedenken mitgeteilt. "Auf allen Schreiben stand der Briefkopf 'Oberbürgermeister'", sagte ein Ermittler dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Sauerland hatte am Dienstag bestritten, im Vorfeld entsprechende Warnungen erhalten zu haben.

+++6.18 Uhr: Innenminister Ralf Jäger (SPD) will an diesem Mittwoch einen vorläufigen Bericht veröffentlichen, wonach sich der Veranstalter, die Lopavent GmbH um den Fitnessunternehmer Rainer Schaller, mehrfach über Bedenken der Behörden hinweggesetzt habe. Zudem habe der Veranstalter weniger eigene Ordnungskräfte eingesetzt als angekündigt und Vorschläge ignoriert, im Zugangsbereich eine Videoüberwachung zu installieren.

Protokoll: Tag drei nach der Loveparade-Tragödie

Protokoll: Tag zwei nach der Loveparade-Tragödie

Protokoll: Tag eins nach der Loveparade-Tragödie

Protokoll: Der Tag der Loveparade-Tragödie

Quelle: csr/rm
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