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Duisburg
"Tageszeiten" mit klarem und dichtem Klang

Duisburg. Das WDR-Sinfonieorchester Köln gab sein erfolgreiches Saisonkonzert in der Philharmonie Mercatorhalle. Von Ingo Hoddick

Es ist sehr erfreulich, dass das WDR-Sinfonieorchester Köln seit einigen Jahren einmal pro Saison in Duisburg gastiert, das war auch in der Zeit des "Exils" im Theater am Marientor (TaM) so und jetzt wieder in der Philharmonie Mercatorhalle. So kommen auch weitere gute Dirigenten und Programme in unsere Stadt.

Der japanische Gastdirigent Yutaka Sado, im Hauptberuf Chefdirigent des Tonkünstler-Orchesters Niederösterreich. hatte dreimal "Tageszeiten" mitgebracht. Den Tagesanbruch vertrat die Sinfonie Nr. 6 D-Dur "Le matin" ("Der Morgen") von Joseph Haydn. Der Komponist war 1761 mit kaum 30 Jahren Vizekapellmeister (und fünf Jahren später Nachfolger des dann verstorbenen Hofkapellmeisters) der Fürsten Eszterházy geworden und begann gleich, mit der Orchesterpraxis zu experimentieren. Für die erstklassigen ersten Pulte der kleinen, aber feinen Hofkapelle schrieb er auch in seine Sinfonien dankbare Solopartien und sicherte sich somit die Sympathie und Solidarität der Musiker. Auch die Köln-Duisburger Aufführung jetzt hatte vorzügliche Solisten, allen voran der Flötist Michael Faust. Alles klang frisch und stilsicher. Nur leider wirkte hier ein Cembalo mit, obwohl das in Eisenstadt nachweislich nicht so war - Haydn leitete die Aufführungen von der Violine aus, und die Struktur seiner Sinfonien benötigt keine akkordische Ergänzung durch ein Tasteninstrument mehr.

Danach folgten zwei Werke für Streichorchester, in denen das Orchester seinen ebenso klaren wie dichten Streicherklang ausspielen konnte. Für die gleißende Mittagssonne stand jene Suite Nr. 3 "Antiche danze ed arie", in der Ottorino Respighi 1931 Lautentänze und -lieder des 16. und 17. Jahrhunderts genial arrangierte. Diese Komposition ist selten so durchsichtig und so detailgetreu, aber auch so dezent atmend zu hören wie hier. Für die Abendstimmung stand nach der Pause die Serenade C-Dur op. 48 (1880) von Peter Tschaikowsky. Die ist fast eine bescheidene Sinfonie und hat Wolfgang Amadeus Mozart im Hinterkopf, schlug also den Bogen zum "Morgen". Leider wurde hier im ersten Satz brutal der Durchführungsteil weggekürzt, so dass er kaum noch die Überschrift "Pezzo in modo di Sonatina" verdiente. Und im Eifer des finalen Gefechts war das Thema, das auf dem russischen Volkslied "Unterm grünen Apfelbaum" beruht, vor allem im Bass nicht immer zu erkennen. Insgesamt sorgte Yutaka Sado aber für eine ebenso durchdachte wie mitreißende Interpretation.

Quelle: RP
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