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Duisburg
"Takt und Ordnung" zog Besucher an

Duisburg. Der Jubel im kleinen Konzertsaal der Folkwang-Uni war am Ende groß.

Außergewöhnlich gut gefüllt war der Kleine Konzertsaal am Campus Duisburg der Folkwang-Universität der Künste bei dem Konzert, das der Cembalist Thomas Wormitt (Klasse Prof. Christian Rieger) im Rahmen seines Masterprojekts "Takt und Ordnung" gab.

Das Motto war das folgende Zitat aus dem Roman "Der Zauberberg" von Thomas Mann: "Das Zeitelement der Musik ist nur eines: ein Ausschnitt menschlicher Erdenzeit, in den sie sich ergießt, um ihn unsagbar zu adeln und zu erhöhen." Auf dem Programm standen nämlich sechs Werke, die überwiegend im 17. Jahrhundert entstanden sind und die mehr oder weniger ungewöhnlich mit der Zeiteinteilung umgehen. Auf das "In Nomine" (IX, MB 14) von John Bull (1562/63-1628), das sich auf eine damals bekannte Melodie in langen Noten bezieht, folgte jene "Toccata Nona" aus dem zweiten Buch, in der Girolamo Frescobaldi (1583-1643) verschiedene Metren übereinander schichtete und an deren Ende der Komponist schrieb "Non senza fatiga si giunge al fine" (Nicht ohne Mühe erreicht man das Ende).

Dann wechselte Thomas Wormitt von einem einmanualigen Cembalo nach italienischem Vorbild zu einem klangprächtigen zweimanualigen Instrument nach französischer Art (Blanchet). Dazu passte die Suite g-Moll FbWV 614 von Johann Jakob Froberger (1616-1667), die mit einem Lamento beginnt, in dem der Komponist sich musikalisch daran erinnert, wie er auf dem Weg von Brüssel nach Löwen von lothringischen Soldaten ausgeraubt und verwundet wurde, "um seine gedemütigte Seele zu trösten". Höhepunkt war die ausgedehnte Suite d-Moll (Manuskript Bauyn) von Louis Couperin (1626-1661), sie beginnt mit einem damals in Frankreich üblichen "Prélude non mesuré" (ohne Taktstriche, in diesem Fall unterbrochen von einer streng durchkomponierten Fuge) und enthält einen Satz namens "Pièces de trois sortes de movemens", in dem drei verschiedene Metren und Charaktere zu einem Stück verschmelzen. Die Suite VIII G-Dur (aus "Musikalisches Blumen-Büschlein") von Johann Caspar Ferdinand Fischer (1662-1746) besteht nur aus einem Praeludium (mit beliebig gebrochenen Akkorden) und einer Chaconne (30 Variationen über vier absteigende Basstöne). Großartiger Abschluss war das "Continuum" (1968) von György Ligeti (1923-2006), das man als kontinuierliches Klangband hören kann, oder durch die wechselnden Betonungen dann doch wieder rhythmisch. Der Jubel im Kleinen Konzertsaal war groß.

(hod)
 
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