| 00.00 Uhr

Duisburg
Tanzen für ein besseres Leben

Duisburg: Tanzen für ein besseres Leben
Royston Maldoom zeigt den jungen Tänzerinnen und Tänzern, was es heißt, die Arme "richtig weit auszubreiten". Seit gestern ist der weltberühmte Choreograph bei den Proben zu "Exile" dabei. FOTO: christoph reichwein
Duisburg. Gestern kam der international bekannte Choreograph Royston Maldoom ins Duisburger Stadttheater, um bei den Endproben für das Stück "Exile" dabeizusein, bei dem 200 junge Leute am Freitag und Samstag auf der Bühne stehen. Von Peter Klucken

Royston Maldoom, spätestens seit dem grandiosen Dokumentarfilm "Rhythm is It" aus dem Jahr 2004 ein Star, ist zweifellos ein charismatischer Choreograph. Was ihn besonders sympathisch macht, ist, dass er trotz seines Ruhms auf jegliches Guru-Gehabe verzichtet. Das konnte man gestern wieder einmal beim Training zum Stück "Exile" und beim anschließenden Pressegespräch merken. Die Begegnung mit dem Briten (Jahrgang 1943), der seit Jahrzehnten Tanzprojekte für jedermann, besonders jedoch für junge Menschen aus der ganzen Welt realisiert, ist beeindruckend.

Schon lange, bevor Royston Maldoom eine international bekannte Persönlichkeit der Tanzszene wurde, kennt man ihn in Duisburg. Das ist der Duisburger Choreographin und Tanzpädagogin Ulla Weltike zu verdanken, die Maldoom bei einem Aufenthalt in Portsmouth kennengelernt hatte und ihn gewann, zusammen mit ihr das Europäische Jugendtanzfestival in Duisburg zu gründen. Das war im Jahre 1990. Das Festival erlebte sechs Auflagen, stets gemeinschaftlich realisiert von Ulla Weltike und Royston Maldoom. Und wieder ist es der Initiative von Ulla Weltike zu verdanken, dass Royston Maldoom jetzt wieder einmal in Duisburg arbeitet.

Maldoom hat erstmals sein Tanzstück "Exile" 2007 in Luxemburg gezeigt und seither an verschiedenen Orten immer wieder neu bearbeitet. Es geht darin um junge Menschen, die ihre Heimat verlassen (müssen) und sich in einer für sie fremden Welt neu orientieren. Ihre Hoffnungen, Ängste, Träume und Erinnerungen werden konfrontiert mit den Gefühlen der Menschen, auf die sie in ihrem neuen Umfeld treffen.

Ulla Weltike hat von diesem Projekt erfahren und erkannt, dass "Exile" ein Stück ist, das auch auf die Duisburger Lebenssituation zutrifft. Sie konnte davon auch den Duisburger Intendanten Dr. Alfred Wendel überzeugen. Und Royston Maldoom kommt gerne wieder nach Duisburg; eine Stadt, die er mit vielen positiven Erlebnissen verbindet.

Seit Wochen arbeiten rund 200 junge Leute aus ganz verschiedenen Ländern, sozialen Schichten und Altersstufen an der "Exile"-Aufführung, die am Freitag und Samstag (23. und 24. September), jeweils ab 19.30 Uhr, im großen Saal des Duisburger Stadttheaters zu erleben ist. Sie kommen zu einem Drittel vom Max-Planck-Gymnasium in Meiderich, außerdem aus einer Internationalen Vorbereitungsklasse am Sophie-Scholl-Berufskolleg in Marxloh, aus den Übergangswohnheimen an der Memelstraße in Duissern und in Rheinhausen, von der Sprachschule "Kommunikation Acoun und Scholten" aus Wanheimerort sowie vom Jugendtanztheater und dem Duisburger Tanztheater Ulla Weltike.

Die künstlerische Leitung und Neueinstudierung liegt in den Händen von Ulla Weltike. Sie wird von Mia Sophia Bilitza unterstützt. Royston Maldoom ist als Künstlerischer Direktor und Schöpfer der "Exile"-Choreographie seit gestern mit dabei, um die Endproben zu begleiten und natürlich die beiden Aufführungen im Stadttheater mitzuerleben. Beim Pressegespräch zeigte er sich begeistert von dem, was bislang geleistet wurde.

Dabei macht Maldoom, wie auch Ulla Weltike, den jungen Leuten unmissverständlich klar, dass die Erarbeitung einer Choreographie Disziplin und Leistungsbereitsschaft verlangt. "Das ist Kunst, und Kunst ist auch Arbeit", sagt er. Um so zufriedener sind die Akteure, wenn das Ergebnis gut ist. Das Tanzprojekt soll die Möglichkeit eröffnen, ganz neue und vor allem positive Erfahrungen zu machen. Die unterschiedliche Herkunft oder der unterschiedliche Sozialstatus der jungen Tänzerinnen und Tänzer würden unwichtig.

Auch der Konkurrenzgedanke schwinde, da nur das gemeinsame künstlerische Ergebnis zähle. "Exile" trägt im Untertitel die Botschaft, die Royston Maldoom gewissermaßen als Maxime schlechthin empfiehlt: "Tanzen für ein besseres Leben".

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Duisburg: Tanzen für ein besseres Leben


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.