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Duisburg
Tanzsensation im Theater am Marientor

Duisburg: Tanzsensation im Theater am Marientor
Dirty Dancing erwies sich als Musical voller Sexappeal. FOTO: Agentur
Duisburg. Für einen Abend machte die offizielle "Dirty-Dancing-Show" in Duisburg Station. Die Zuschauer erlebten eine rasante Nacherzählung des sanft erotischen Erfolgsfilms. Nach einigen Pannen zu Beginn verflog der Ärger schnell. Von Jonas Schlömer

Es war einer der erfolgreichsten Filme der 80er Jahre und ist bis heute eine der berühmtesten Liebesgeschichten. Er löste einen Sturm auf die Tanzschulen weltweit aus und nicht wenige Damen hofften, ihren Johnny Castle beim Mambo oder Merengue zu finden. Die Rede ist natürlich von "Dirty Dancing", dem gleichermaßen biederen wie erfolgreichen Film, der seit 2004 auch als Musical um die Welt tourt. Ein ganz besonderes Ereignis war deshalb die einzige Deutschlandshow des englischen "First Cast" am vergangenen Montag im Theater am Marientor. Bis zum August 2017 spielt die Crew das Musical in England, und so wurde das Publikum im TaM Zeuge eines waschechten "Soft Openings". Auch deshalb funktionierte noch nicht alles einwandfrei, technische Probleme sorgten dafür, dass der Vorhang sich erst mit einer Stunde Verspätung hob.

Der Ärger im Publikum verflog aber schlagartig, als die ersten Töne der Filmmusik durch den Saal schallten. Mit Eleanor Bergstein zeichnet dieselbe Autorin für Film und Musical verantwortlich, und mit Gassenhauern wie "Hungry Eyes" oder dem omnipräsenten "Time of my Life" greift die Show auch auf dieselben erfolgreichen Songs zurück. Auch deswegen, und obwohl vom TaM als "Großes Musical in Duisburg" angekündigt, konnte "Dirty Dancing" nicht wirklich als Musical im klassischen Sinne verstanden werden.

Dialoge und Tanzszenen waren klar in der Überzahl, nur selten gab es diegetische Musik, also Musik auf der Bühne und im Stück. Das tat der Faszination der Show aber freilich keinen Abbruch, endlos aneinandergereihte Lieder hätten der Geschichte und ihrem Stil sicherlich geschadet.

Die Liebesgeschichte zwischen Frances "Baby" Houseman und Johnny Castle entwickelte sich nicht nur zwischen raffinierten Kulissen, sondern auch zwischen zwei hervorragenden Tänzern und Schauspielern. Lewis Griffith überzog Johnnys Outlaw-Image durch Macho-Posen und spontane Dialoge ohne Oberteil so hervorragend, dass der weibliche Teil des Publikums regelmäßig lange Seufzer von sich ließ.

Noch raffinierter spielte Katie Hartland als "Baby", ein Charakter der zu Beginn der Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes hüftsteif ist und von ausgefeilten Choreografien nur träumen kann. Es erfordert zweifelsohne hervorragende tänzerische Fähigkeiten, um die Unfähigkeit zu Tanzen so echt schauspielern zu können, wie Hartland es tat. Der Rest des Cast stand dem tänzerischen Talent der Hauptdarsteller um nichts nach, und auch die gelegentlichen Gesangseinlagen überzeugten, etwa der Standard "There Will Never Be Another You", gesungen von Jo Servi.

Unumstrittene Höhepunkte waren aber selbstverständlich die Paartänze der beiden Hauptdarsteller. Der Titel "Dirty Dancing", wörtliche "schmutziges Tanzen", spielt auf die offensichtlich erotischen Tanzfiguren an, die letztendlich zu der Romanze der beiden Hauptcharaktere führen.

So quoll das Sexappeal in jeder Szene beinahe über, und nicht zuletzt die Chemie zwischen Hartland und Griffith sorgte dafür, dass das begeisterte Publikum die Crew mit tosendem Applaus belohnte. Ein guter Start für die Künstler, die nun eine lange Tournee vor sich haben.

Quelle: RP
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