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Duisburg
Telemanns "Tageszeiten" in der Kirche

Duisburg. Das 1757 uraufgeführte einstündige Oratorium stand im Mittelpunkt des Konzerts. Von Ingo Hoddick

"Eine kleine Nachtmusik" G-Dur KV 525 (1787) von Wolfgang Amadeus Mozart ist nicht oft in einer Kirche zu erleben. Jetzt erklang die beliebte Streicher-Serenade in der Salvatorkirche, schwungvoll und stilsicher. Das Konzert in dem großen gotischen Gotteshaus am Burgplatz war Teil des deutsch-niederländischen Festivals "Muziek Biennale Niederrhein".

Im Mittelpunkt des frühen Abends stand das einstündige Oratorium "Die Tageszeiten" für Soli, Chor und Orchester TWV 20:39 von Georg Philipp Telemann, uraufgeführt 1757 in Hamburg. Das ist ein empfindsamer, bildhafter und unkonventioneller Kantaten-Zyklus über den Tagesablauf, den der damals schon 68 Jahre alte Komponist ebenso schlicht wie abwechslungsreich gestaltete. Auf eine einleitende Streicher-Sinfonie im italienischen Stil eines Antonio Vivaldi, die musikalisch das Bild des anbrechenden Tages malt (die ansteigende Melodie steht für den Sonnenaufgang), folgen die vier Kantaten "Der Morgen", "Der Mittag", "Der Abend" und "Die Nacht", welche die Natur und die Atmosphäre der einzelnen Tageszeiten schildern. Jede von ihnen ist gleich strukturiert, mit der Abfolge Arie-Rezitativ-Arie-Chor, wirkt aber dennoch wie eine freie Meditation über ein Thema, in der stets eine Solostimme mit konzertierenden Instrumenten zu Wort kommt.

Zum Beispiel verbreiten die innigen Arien des Tenors friedliche Abendstille, auch dank zweier dialogisierender Flöten, die traditionell für Schlaf- und Schlummerszenen verwendet werden.

Erfrischend wirkten die vier jungen Solisten: die Sopranistin Leonor Amaral als freudiger "Morgen", die Altistin Ágnes Kovács als heiterer "Mittag", der Tenor Cézar Dima von der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg als sanfter "Abend" und der Bass Gregor Finke als zuversichtliche "Nacht". Die Kantorei der Salvatorkirche war in kleiner Besetzung konzentriert zur Stelle, Mitglieder der Duisburger Philharmoniker widmeten sich unter der Leitung von Salvatorkantor Marcus Strümpe dem selten aufgeführten, aber dankbaren Werk ebenso sorgfältig wie inspiriert.

Quelle: RP
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